Kreis Germersheim Statt der Betriebe kam die Natur

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Das Gewerbegebiet „Pappelallee“ wächst langsam zu. Die Skizze des einstigen Bebauungsplanes gleicht inzwischen einem Fleckerlteppich. Artenschutz statt Arbeitsplätze – Ortsvorsteher Kurt Geörger zog auf der Sitzung des Ortsbeirates am Mittwoch eine bedrückende Bilanz.

Das Interesse der Bürger war groß, die 30 Stühle im Sitzungsaal des Bürgerhauses besetzt. Vor vielen Jahren sei das Gewerbegebiet mit einer kostenaufwendigen und plausiblen Planung ausgewiesen worden, blickte der Ortsvorsteher zurück. Darin eingeschlossen war eine neu zu bauende Entlastungsstraße für den Ortsbezirk. Inzwischen aber seien die damals gültigen Bebauungspläne erloschen. Vögel und Eidechsen, die auf der roten Liste stehen, haben sich mitten in der geplanten Fläche ausgebreitet. Jetzt ist dort eine Artenschutz-Kernzone, als riesiges L teilt sie das Gewerbegebiet. Über die Gründe, weshalb es überhaupt soweit kommen konnte, wollte der Ortsvorsteher nicht weiter spekulieren. Aber es sei bedrückend zu wissen, dass in anderen Gemeinden der Umgebung viele Gewerbegebiete entstanden seien. Schaidt hingegen hätten bereits eingemietete Firmen verlassen, weil bauliche Möglichkeiten fehlten. Schon mehrmals habe der Ortsbeirat die Verwaltung in Wörth beauftragt, einen noch möglichen Bebauungsplan mit einer Rechtsgrundlage zu erstellen. Bisher ohne Ergebnis. Vor der Sommerpause nun also ein erneuter Vorstoß. Dazu schlägt die Gemeinde vor, Privatflächen zu erwerben und die Artenschutz-Kernzone eventuell als Ausgleichsfläche vorzuhalten. Ob und wenn ja wie das Gewerbegebiet genutzt werden könnte – dafür hatte der Ortsbeirat Klaus Butzinger von der Bauverwaltung in Wörth eingeladen. Er dämpfte gleich die Erwartungen, denn so Butzinger, auch die wasserrechtliche Genehmigung habe inzwischen ihre Rechtskraft verloren. Gleichwohl gebe es noch die Möglichkeit das Gewerbegebiet zu retten: Flächen verschieben, Zugangswege verändern oder über die Ränder der Artenschutz-Kernzone verhandeln. Ob dafür der bestehende Bebauungsplan modifiziert werden könnte oder ob neue Bebauungspläne aufgestellt werden müssten, hänge ganz von der Grundsatzfrage ab: Soll es ein Gewerbegebiet geben und wenn ja, in welcher Form und Größe? Auf jeden Fall müssten für Verwaltungsverfahren mindestens weitere zwei Jahre eingerechnet werden. „An dem Biotop machst nichts“, dachte Ortsbeirat Peter Gast laut nach. Er könne sich vorstellen, die angrenzenden Flächen „sauberzumachen“, sprich zu mähen und zu mulchen, damit sich die rote Kernzone nicht noch weiter ausbreite. Für die Idee gab es mehrheitliches Kopfschütteln im Ortsbeirat. Thomas Krämer wollte wissen, ob es überhaupt Interessenten gebe, die für das Gewerbegebiet Schlange stünden. Dann müsse es auch einen Zugang zur Autobahn geben. Ortsvorsteher Geörger zeigte sich überzeugt, dass es mehr Anfragen gäbe, wenn sich das Gewerbegebiet entsprechend darstellen könnte. Dem Ortsbeirat war klar, dass Interessenten nicht jahrelang warten, bis das Gewerbegebiet fertig ist. So konnten die Schaidter am Ende nicht mehr machen, als einstimmig zu beschließen: Die Verwaltung möge prüfen, was in Sachen „Pappelallee“ möglich ist. (mldh)

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