Kreis Germersheim Sprechstunde nur für Jungs

Ein Besuch beim Urologen ist weder schlimm, noch peinlich. Diese Botschaft gab Dr. Marius Nölting den drei Schülern mit auf den Weg, die gestern Morgen an der Jungensprechstunde in der Integrierten Gesamtschule (IGS) Wörth teilnahmen. Sie war Teil des Projekts „Erwachsen Werden“, bei dem den Schülern der 7. Klassen an zwei Tagen 14 verschiedene Workshops in der Schule angeboten wurden.
„Man muss nicht krank sein, um zum Urologen zu gehen“, so Nölting. Man könne auch gerne kommen, wenn man einfach nur Fragen zu urologischen Themen habe. Dazu zählen unter anderem Genitalerkrankungen oder Erkrankungen der Harnorgane. „Es gibt keine Fragen, die peinlich oder doof sind“, stellt Nölting klar. Mit einem lautlosen Nicken nehmen Adrian (13), David (13) und Orkon (14) die Ratschläge des Urologen zur Kenntnis. Man merkt ihnen dabei deutlich an, dass die Thematik des Workshops eine sehr sensible ist. „Gerade in eurem Alter können Probleme mit dem Hoden auftreten“, warnt Nölting im weiteren Verlauf seiner Ausführungen. Wieder fällt die Reaktion der drei Zuhörer stumm aus. Als der Mediziner einige Krankheitsbilder aufzeigt, ist ein leises Kichern nicht zu überhören. Wenn sie feststellen würden, dass der Hoden in die Leiste rutscht, dann wäre es zum Beispiel unbedingt notwendig, zu einem Urologen zu gehen, mahnt Nölting. „Es war schon sehr interessant“, sagte Orkon im Anschluss an die Doppelstunde mit Nölting. Von manchen Krankheiten, die angesprochen wurden, habe er noch nie etwas gehört, insofern habe er auch etwas gelernt. An einen Besuch beim Urologen denkt er, genau wie seine beiden Freunde, dennoch nicht. Dass „es bei Jungen untypisch ist, zu uns zu kommen ist sehr schade“, bedauert Nölting. Im Gegensatz dazu sei es für Mädchen ganz normal, dass sie regelmäßig zum Gynäkologen gehen. „Dadurch sind sie oftmals einfach besser aufgeklärt als die Jungs“, weiß er. „Wichtig ist, dass die Hemmschwelle abgebaut wird und man als Junge oder später auch als Mann öfter zum Urologen geht“, so Nölting. Deshalb sei ein Projekt wie das an der IGS ein sehr guter Ansatz. „Ich mache den Workshop schon zum dritten Mal und komme immer gerne.“ Neben der Jungensprechstunde fanden am Dienstag und Mittwoch noch 13 andere Workshops an der IGS statt. So informierte unter anderem die Polizei Wörth über die Tücken des Klauens und des Schwarzfahrens, die Suchtberatungsstelle der Caritas Germersheim klärte in Sachen Drogen und Suchtmittel auf, Hebamme Tina Heintz sprach mit den Schülern über Verhütung und Sexualität. „Unser Ziel ist es, die Schüler zu informieren und ihnen einen Raum zu schaffen, in dem sie Fragen stellen können, die sie im Alltag eher nicht stellen würden“, erklärt Alexander Schnur, Stufenleiter der 7. und 8. Klassen an der IGS. Zum fünften Mal fand das Projekt statt, „die Rückmeldungen sind stets positiv“, so Schnur. So brachte David seinen Eindruck des Projekts kurz und knapp auf den Punkt: „Ich fand es voll gut.“ (cde)