Hagenbach
Sonderwünsche sind Standard für F & B Nutzfahrzeug-Technik
Sonderwünsche der Käufer von Lastwagen werden bei F & B Nutzfahrzeug-Technik in Hagenbach quasi in Serie erfüllt. Soll der Brummi länger werden, einen größeren Tank, eine leistungsfähigere Brems- oder Klimaanlage (für die Wüste) oder eine Heizung (für Sibirien) haben, einen speziellen Aufbau für den Einsatz in schwerem Gelände, einen Abbiegeassistenten oder ein zweites Lenkrad? Die Spezialisten der Firma bauen das vom Kunden ausgewählte Fahrzeug, in den allermeisten Fällen ein Mercedes,, entsprechend den Erfordernissen um, an oder auf; besorgen die dafür passenden Teile. Oder es wird in der zum Unternehmen gehörenden Nutzfahrzeug-Engineering Vermittlungs- und Dienstleistungs GmbH, kurz NEV etwas Passendes entwickelt und gebaut; wie zum Beispiel das Abbiegesystem, berichtet Firmenchef Hardy Bertsche. Geschäftsfelder seien Sonderfahrzeugbau, Kommunaltechnik, Fahrzeugmontage und Lackiertechnik. So verfüge F & B Nutzfahrzeug-Technik auch über eine eigene Lackieranlage. Schließlich soll man dem Fahrzeuglack hinterher den Umbau nicht ansehen.
Vom Zwei- bis Fünfachser
Aufs Firmengelände kommen Nutzfahrzeuge aller Art, vom Sprinter bis zum Schwerlaster mit vier, fünf Achsen und mehreren Hundert PS. Meist sind es Einzelstücke oder kleine Stückzahlen von Fahrzeugen, die umgebaut werden, weil, so Bertsche, das für die Großserienfertigung im nahen Daimler-Werk in Wörth nicht infrage kommt.
Pro Jahr würden in Hagenbach rund 2000 Fahrzeuge umgebaut: Kleinigkeiten bis aufwändige Umbauten. Ein Beispiel für Letzteres sei der Einbau eines zweiten Fahrerplatzes für ein australisches Müllauto mit nur einem Mann Besatzung. Auf dem Einen werde ganz normal von A nach B gefahren, auf dem Zweiten langsam entlang des Straßenrands, wo die Mülltonnen aufgenommen, in den Müllwagen entleert und wieder abgesetzt werden. Zum 20. Firmenjubiläum vor fünf Jahren hat man die ersten Modelle ausgeliefert, inzwischen sind rund 100 dieser Spezialfahrzeuge im Einsatz, berichtet Bertsche.
Mitarbeiter wird Feuerwehrmann
Ein verstärktes Augenmerk richte man seit einigen Jahren auf den Umbau von Fahrzeugen für die Feuerwehr, die zum Beispiel mit Ladebordwänden, einem Kran oder Kommunikationstechnik ausgerüstet würden. So sei man unter anderem für die Freiwilligen Feuerwehren in Germersheim und Wörth tätig geworden, aber auch für die Werksfeuerwehren von Böhringer Ingelheim, Daimler in Stuttgart und die BASF. Service-Leiter Andreas Rappold, Mitarbeiter der ersten Stunde, hat sich laut Bertsche derart für das Thema begeistert, dass er sich nun zum Feuerwehrmann ausbilden lässt.
Der Gründer der Firma, Hardy Bertsche, freut sich darüber, dass deren Zukunft gesichert ist. Und zwar insofern, als sein Sohn Ingo, derzeit Vertriebsleiter, im vergangenen Jahr ins Unternehmen eingetreten ist. Zuvor habe der studierte Wirtschaftsingenieur sieben Jahre bei Daimler gearbeitet. Bei dem Konzern hat auch Hardy Bertsche gelernt und gearbeitet, bevor er sich selbstständig gemacht und weitergebildet hat.
Neue Motoren entwickeln
Den Herausforderungen aus den großen Umwälzungen vor denen die Branche stehe, wolle sich F & B Nutzfahrzeug-Technik stellen, sowohl bei der Antriebstechnik als auch bei sonstigen technischen Lösungen. Zwei Beispiele: Für einen Kunden, der seine Spezialfahrzeugflotte auf Elektroantrieb umstellen wolle, soll etwas Spezielles konstruiert werden – übergangsweise noch mit einem Diesel-Zweitantrieb, gleichsam ein Hybridmodell, sagt Ingo Bertsche. Zudem verfüge man über ein elektronisches System, das erkennt, wie groß ein auf einen Laster aufzuladender Behälter ist und so Schäden daran vermeidet. Ferner entwickle man im Verbund mit zahlreichen namhaften Unternehmen, mit Daimler an der Spitze, ITK und Eichenauer, die ihren Sitz im Landkreis haben, aber auch Bosch in Karlsruhe einen Wasserstoff-Verbrennungsmotor. Gefördert werde dieses Projekt „WaVe“ vom Bund.
Ob auch in der Zukunft Lastwagen wie wir sie heute kennen im Einsatz sind, sei die Frage. Antworten darauf will unter anderem die F & B-Unternehmenstochter NEV finden, sagen Hardy und Ingo Bertsche. Mit Hilfe dieses Ingenieurbüros sollen bis 2025 eigene Fahrzeugkonstruktionen entwickelt werden und bis 2050 neue Fahrzeugsysteme beziehungsweise Systemkomponenten.
Fortbildungen in Corona-Zeit
Aktuell nehme das Geschäft wieder Fahrt auf, verweist Hardy Bertsche auf eine Corona-Delle. Allerdings gebe es nun Probleme bei der Lieferung einzelner Komponenten, nicht nur die bekannten bei den Chips. Die ruhigen Monate habe die Firma genutzt, um ihre Mitarbeiter weiterzuqualifizieren und den Bürotrakt zu erweitern, Reserven für die Zukunft zu schaffen. Denn man wolle kontinuierlich weiterwachsen.