Kandel
Silvesternacht 1903: Grußkarte mit besonderer Geschichte
Grüße zum Jahreswechsel, verbunden mit guten Wünschen für das bevorstehende neue Jahr, haben schon eine lange Tradition. Noch relativ neu und nicht ganz preiswert war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Freunden, Verwandten, Bekannten und Geschäftsfreunden eine Postkarte zu diesem Anlass zu schicken. Wie die abgebildete Karte zeigt, hatten sich die Wirtsleute des Gasthauses zum „Weissen Bären“ in Kandel dieses Mediums zu Silvester des Jahres 1903 bedient und damit letztlich auch geschickt noch etwas Eigenwerbung betrieben. Die Ansichtskarte zeigte das repräsentative Gebäude und die großzügigen Gesellschaftsräume des „Weissen Bären“. Ob der ebenfalls abgebildete Radfahrer, der in kühnen Schwung die Mütze schwenkt, auf eine eventuelle Vorliebe des Gastwirtes für den Radsport hinweist oder nur einen freien Platz auf der Vorderseite der Ansichtskarte schmückt, bleibt ungeklärt.
Das Besondere dieser Neujahrskarte liegt jedoch nicht im ansprechenden Motiv der Vorderseite, sondern eher in den Details der Rückseite. Die Glückwünsche, die das Kandeler Ehepaar Kern mit dieser Karte verschickte, gingen nämlich an den königlichen Gerichtsvollzieher Friedrich Wechinger im westpfälzischen Kusel und an dessen Familie. Wie die Poststempel der Karte ausweisen, wurde diese noch am Abend des 31.12.1903 (Silvester) in Kandel zwischen 19 und 20 Uhr abgestempelt und weiterbefördert. Die Poststempel enthielten damals noch eine Angabe der Tageszeit. Die Karte kam mit geradezu sensationeller Geschwindigkeit bereits am 1. Januar des Jahres 1904 (Neujahr) in Kusel an, wo sie zwischen 14 und 15 Uhr auf dem Postamt gegengestempelt wurde.