Kandel
Sie haben den Verein „KuKuK“ geprägt und er sie
Das kulturelle Angebot in der Bienwaldstadt ergänzen und gewissermaßen auch bereichern, das war Anliegen der Frauen und Männer, die sich Mitte der 1990er Jahre daran machten, einen weiteren Verein zu gründen. Man wollte keineswegs in Konkurrenz treten zu den seit vielen Jahrzehnten bereits aktiven Gruppen wie Stadtkapelle, Gesangvereinen und den Fasnachtern der BiKaGe. Folglich achtete man peinlich darauf, dass das Programm des sich bald „Verein für Kunst und Kultur in Kandel“ nennenden Zusammenschlusses sich an ein breites Publikum richtete. Und das fand der „KuKuK“, so die griffige Kurzbezeichnung des neuen Vereins, mit einem programmatischen Angebot, einer Mischung aus Kleinkunst, Musik, Theater, Poetry-Slam, Kabarett und Comedy – nun seit mehr als 25 Jahren.
Gefeiert wurde das Jubiläum im Jahr 2022, kurz nach dem Ende der für alle Kulturschaffenden so schwierigen Corona-Zeit. So manches Vorhaben musste damals gestrichen oder verschoben werden. Dass der „KuKuK“ trotz aller Probleme über all die Zeit so erfolgreich war, ist auch das Verdienst vieler Ehrenamtlicher, die sich über Jahre hinweg der Aufgabe verschrieben hatten, ein ansprechendes und auch anspruchsvolles Kulturprogramm für Kandel auf die Beine zu stellen.
Nun mehr Zeit, Veranstaltungen zu genießen
Zwei Namen fallen da ganz besonders auf: Da ist zum einen Gudrun Lind, die fast 25 Jahre lang den Vorsitz führte, und Jürgen Wax, ihr späterer langjähriger Stellvertreter. Beide hatten sich vorgenommen, in der aufs 25. Vereinsjubiläum folgenden Hauptversammlung nicht mehr erneut für ein Vorstandsamt zu kandieren. Und es gelang ihnen auch, was heute nicht überall mehr selbstverständlich ist, neue und jüngere Personen für den Vorstand zu gewinnen. Darüber, das ist den beiden im Gespräch mit der RHEINPFALZ deutlich anzumerken, sind sie sehr glücklich und zufrieden. Gudrun Lind, inzwischen Ehrenvorsitzende, und das neue Ehrenmitglied Jürgen Wax, werden die kommenden Veranstaltungen nun selbst besser als bisher genießen können.
Aber hat sich ihr Einsatz über all die Jahre gelohnt? Diese Frage bejahen beide ganz spontan, auch wenn sie an all den Aufwand denken, der mit jeder einzelnen Veranstaltung und Aktion verbunden war – und den Jürgen Wax in mehreren Leitz-Ordnern penibel dokumentiert hat. „Eigentlich verging kaum ein Tag, ohne dass ich als KuKuK-Vorsitzende gefordert oder gefragt war“, räumt Lind ein. Denn ein so umfangreicher Veranstaltungskalender verlange sehr viel Organisationsarbeit: Telefonate mit Künstlern und deren Agenturen, Werbung, Anmieten und Vorbereiten der Räume, Bereitstellung der Technik, die anfangs doch recht veraltet war und mit der sich die Helferinnen und Helfer anfangs recht schwer taten, sowie der Bewirtung, um nur einige Beispiele zu nennen.
Wehe, wenn der Vorverkauf nicht läuft
Klar war nur, dass beim Umbau der Stadthalle zumindest ein Raum so eingerichtet werden sollte, dass darin Kulturveranstaltungen problemlos stattfinden konnten. Was dann auch geschah. Man kann moderne Räume nutzen, muss aber nach wie vor Miete an die Stadt entrichten. Dann war da stets auch die Sache mit dem Vorverkauf, ergänzt Jürgen Wax. Lief der gut, war es beruhigend. Unruhige Tage und Nächte drohten, wenn der Vorverkauf sich nur zögerlich anließ, die Frage nach der Finanzierung eines drohenden Defizits zu klären war.
Erfreulich, so berichten Lind und Wax, empfanden sie die Treue der wichtigen Sponsoren, auf die sich der „KuKuK“ verlassen durfte. Dass Künstler, die heute Arenen in Großstädten füllen, auch nach Kandel kamen, sprach bald für sich. Erwähnt werden dürfen hier etwa Urban Priol, Lars Reichow oder Django Asül, die längst feste Größen auch im Rundfunk- oder Fernsehprogramm sind. Gerne erinnert sich Lind an Wladimir Kaminer. Der russisch-deutsche Schriftsteller sei ein sehr zugänglicher Mensch, mit dem man ganz problemlos am Telefon Details seines Auftrittes in Kandel abklären konnte. Ganz so einfach sei dies bei manch anderen Künstlern nicht gewesen.
Applaus und Lachen entlohnen für Mühen
Wax kümmerte sich schwerpunktmäßig auch um die jährliche „Kulturbusfahrt“, etwa zu Kunstausstellungen in Museen oder sonstigen Sehenswürdigkeiten. Es habe ihn immer gefreut, wenn Menschen danach in seine Apotheke kamen und ihn schon nach dem Ziel fürs kommende Jahr fragten. Diese positiven Rückmeldungen, auch das Lachen zufriedener Zuschauer, die sich für eine Veranstaltung bedankten oder stehend Applaus spendeten, so gestehen Lind und Wax, seien es gewesen, die ihnen die Kraft gaben, trotz aller Schwierigkeiten weiterzumachen.
Junge prägen bereits Programm
Und Probleme gab es nicht nur während der Pandemie, als die „KuKuK“-Verantwortlichen selbst Hygienepläne ausarbeiten und den Sitzplan für die Stadthalle aufzeichnen mussten. Die Bürokratie, so Wax, forderte einen schon heraus. Schließlich war vieles zu bedenken, zu beantragen, auszufüllen oder zu melden. Trotz allem opferten sie über Jahrzehnte gerne viel Freizeit, um mitzuhelfen, die Kandeler Kulturszene mit dem „KuKuK“ weiterzuentwickeln. Dabei verweisen sie auf neue Abendveranstaltungen, Beiträge zum Christkindlmarkt und eine neue eigene Theatergruppe. Hinsichtlich des Programmes habe man immer versucht, die Interessen jüngeren Generation zu berücksichtigen, der Lind und Wax jetzt die Verantwortung übertragen haben. Dass sich deren Ideen schon jetzt im Veranstaltungsplan widerspiegeln, sei gut, denn man wolle auch neue Gäste gewinnen und die Zukunft des „KuKuK“ sichern.