Kreis Germersheim Sicherheit und Miteinander gesucht

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Viel zu leicht angezogen für die frostigen Temperaturen, kehren vier schmächtige junge Männer aus Afrika morgens am Bellheimer Friedhof vertrocknetes Laub zusammen. Rund 20 Stunden pro Woche sind die Flüchtlinge aus Eritrea für den Bauhof im Einsatz. Zehn bis zwölf Asylbewerber arbeiten dort für einen Stundenlohn von 1,25 Euro. „Sie sind hauptsächlich mit Reinigungs-, Schnitt- und Aufräumarbeiten beschäftigt“, sagt Peter Gschwind vom Bauhof. Er erklärt und zeigt ihnen, was zu tun ist. „Wir schauen, dass alle arbeiten, damit sie in einen normalen Rhythmus kommen“, sagt Alexandra Worst, zuständig für die Organisation. Die Chance, dass die Asylanten sich eingliedern, sei dann relativ hoch. Gschwind und Worst loben ihre Schützlinge: „Sie sind sehr lieb, fleißig und ausdauernd.“ Obwohl „die Jungs ganz furchtbar frieren hier“, ergänzt Gschwind. Deswegen will er mit den vier Eritreern nach Germersheim fahren, damit sie „sich im Second-Hand-Laden Winterkleidung kaufen können“. In der Pause wärmen sich Ramadan Saleh (27), Suet Said (26), Fikadu Eyob (20) und Abraham Eyob (24) erstmals in der großen Küche des Bauhofs auf. Die Unterhaltung ist mühsam: Sie sprechen ein wenig Englisch und inzwischen ein paar Worte Deutsch. Ihre Muttersprache ist Tigrinisch, in der Schule lernten sie Arabisch, die zweite Landessprache, sowie Englisch, erzählt Ramadan. Alle vier stammen aus der Hauptstadt Asmara, wo ihre Familien noch leben. In seiner Heimat war Abraham Glasers, Suet Frisör. Geflüchtet sind die vier Eritreer zunächst mit dem Auto durch den Sudan an die Küste Libyens. Von dort setzten sie mit dem Schiff nach Italien über. Danach fuhren sie mit dem Zug nach Frankreich und weiter nach Deutschland, berichtet Ramadan. Die Reise kostete pro Person 3200 Dollar, sagt Abraham. Gründe für die Flucht: „Diktatur“ und „Militär“. Jeder Eritreer kann von der Schulbank bis zum Greisenalter jederzeit zum Militärdienst verpflichtet werden. Wer sich weigert, wird streng bestraft. Seit der Unabhängigkeit des Landes 1993 hat die Regierung laut Amnesty International mindestens 10.000 Menschen festgenommen und inhaftiert, die meisten aus politischen Gründen. Das politische System in Eritrea betrachten viele internationale Beobachter als eines der repressivsten Regime der Welt oder gar als Diktatur. Eritrea wird oft das „Nordkorea Afrikas“ genannt – isoliert von seinen Nachbarn, abgeschottet und mit eiserner Hand von Präsident Issaias Afewerki regiert. „Freedom“ (Freiheit) haben sie in Deutschland gefunden, sagen Ramadan, Abraham, Suet und Fikadu mit Dankbarkeit in der Stimme. Auch wenn viele Leute „not friendly“ (unfreundlich) zu den Asylanten seien. Die Mitarbeiter im Bauhof finden sie aber „nice“ (nett). Für die Zukunft wollen die Vier „Deutsch lernen und einen Job“. Zudem wünschen sie sich mehr Kontakte mit den Menschen. Abraham zeigt ein Handyfoto seines Instruments, eine eritreische Harfe, die er früher in der christlichen Kirche spielte. Er würde gern wieder Musik machen oder „Klavier lernen“. „Fußball spielen“ steht bei Fikadu und Abraham ebenfalls auf der Wunschliste. Dabei stellt sich heraus, dass Suet Rückenprobleme hat: „Vor vier Monaten hat das Auto in der Sahara einen Unfall gehabt, mein Freund ist gestorben.“ Er wurde verletzt. Worst will sich um einen Arzttermin kümmern. „Deswegen radelt er so langsam.“ Mit dem Rad fahren die Eritreer zu ihrer Unterkunft in Knittelsheim. – Abraham: „I like my house, very good.“ (Ich mag mein Haus, sehr gut“). – Dort teilen sich zwei bis drei Eritreer je ein Zimmer.

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