Kreis Germersheim
Sexualdelikte: Das verrät die Statistik über die Täter
7023 Straftaten wurden vergangenes Jahr im Kreis Germersheim bekannt, bei einer Bevölkerungszahl von rund 132.000 Einwohnern. Davon sind etwas mehr als 20.000 Ausländer. Das sagen die kürzlich veröffentlichten polizeilichen Kriminalstatistiken der beiden Polizeiinspektionen (PI) Germersheim und Wörth aus. Beide Polizeidienststellen sprechen dabei von einem Rückgang der Straftaten gegenüber dem Vorjahr – in Germersheim um 92 Fälle (minus 2,17 Prozent) und in Wörth um 161 Fälle (minus 5,37 Prozent).
Und bei den Sexualdelikten?
Sexualdelikte sind Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Damit sind unter anderem Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen und Belästigungen, sexueller Missbrauch von Kindern, exhibitionistische Handlungen oder Besitz beziehungsweise Verbreiten von Kinderpornographie gemeint. In beiden Dienststellen im Landkreis haben Sexualdelikte an der Gesamtzahl der Straftaten nur einen geringen Anteil – so zirka 3 Prozent. Hier muss beachtet werden, dass es im Bereich der PI Wörth zu einem leichten Anstieg der sexuell motivierten Straftaten gekommen ist – von 87 im Jahr 2022 auf 92 vergangenes Jahr, bei einer Gesamtstraftatenzahl von 2837. Die PI Germersheim meldet einen Rückgang von 123 Taten auf 109 (4150 Straftaten insgesamt im Jahr 2023).
Mehr sexuelle Belästigungen
Im Zuständigkeitsbereich der PI Germersheim wurden im vergangenen Jahr elf Fälle sexueller Belästigung registriert. Alle 17 ermittelte Tatverdächtige waren männlich, schreibt die Polizei auf RHEINPFALZ-Anfrage. „Zwei der Beschuldigten sind Zuwanderer.“ Im Bereich der Wörther Polizei „wurden 15 Fälle sexueller Belästigung erfasst, 10 Fälle wurden geklärt“. Bei den Tatverdächtigen sei keiner ein Zuwanderer gewesen. Zu beachten ist aber, dass vergangenes Jahr die Zahl der Belästigungen von vier auf 15 Fälle im Bereich der PI Wörth anstieg. Die Polizei in Wörth erklärt dies durch ein „verändertes Anzeigenverhalten“, insbesondere durch das „Nutzen der sogenannten Onlinewache der Polizei Rheinland-Pfalz, wodurch nicht mehr eine Dienststelle aufgesucht und eine persönliche Anzeigenerstattung vor Ort erfolgen muss“. Die Germersheimer Polizei nahm im vergangenen Jahr 18 Strafanzeigen dieser Art auf.
Zwölf Vergewaltigungen
Vergangenes Jahr wurden insgesamt im Kreis Germersheim zwölf Vergewaltigungen erfasst – neun im Dienstgebiet der PI Germersheim (ein Anstieg um drei Fälle gegenüber dem Vorjahr) und drei im südlichen Landkreis (drei weniger als im Jahr 2022). In zwei der neun Vergewaltigungsfälle im nördlichen Landkreis „werden Zuwanderer als Beschuldigte geführt“, so die Antwort auf die Anfrage. In beiden Fällen „bestand eine flüchtige Bekanntschaft zwischen Täter und Opfer“. Bei der PI Wörth wird in einem der drei Fälle „ein Zuwanderer als Beschuldigter geführt. Zwischen ihm und seinem Opfer bestand ein freundschaftliches Verhältnis“, schreibt die Polizei. Insgesamt habe in elf der zwölf Vergewaltigungsfälle eine Täter-Opfer-Beziehung bestanden.
Die hohe Aufklärungsquote bei diesen Straftaten erklärt sich laut Polizei dadurch, dass es sich „oftmals um Beziehungsdelikte handelt“, Opfer und der Täter also „mindestens in einem Bekanntschaftsverhältnis zueinander stehen“. Und beide Inspektionen haben bei den genannten Delikten eine Aufklärungsquote von etwa 90 Prozent. Sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen werden nach Polizeiangaben der Polizeidirektion Landau „in der Hauptsache von männlichen Tatverdächtigen begangen, unabhängig von ihrer Nationalität“.
Die häufigsten Sexualdelikte
Führendes Delikt sexueller Straftaten ist die Verbreitung pornographischer Inhalte. Die stete Zunahme in diesem Phänomenbereich resultiert der Polizei zufolge insbesondere aus von der US-amerikanischen Organisation National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) als „Verdachtsfälle an die betroffenen Staaten gemeldeten Verfahren der über Social Media beziehungsweise Messenger-Dienste verbreiteten kinder- und jugendpornographischen Inhalte“. Bei diesen Fällen handele es sich zudem häufig um unter Schülern verbreitete kinder- und jugendpornographische Abbildungen innerhalb von Chatgruppen. Die Verfügbarkeit und zunehmende Nutzung elektronischer Medien fördere die schnelle Verbreitung von Bild- und Videodateien.
Zudem wirken in diesem Deliktsfeld „gruppendynamische Prozesse, die unter anderem zu einer Herabsetzung von Hemmschwellen und Unrechtsbewusstsein führen können“, so die Polizei. Im Zuge der Ermittlungen erweitere sich regelmäßig der Kreis der Tatverdächtigen, was zu entsprechenden Folgeverfahren führe, obwohl gegebenenfalls „nur einige wenige Mitglieder von Chatgruppen inkriminierte Bilder gepostet haben“. Als weitere Gründe für den Anstieg sind die generelle Intensivierung der Ermittlungstätigkeiten auf Bundes- und Länderebene in Folge der Gesetzesverschärfung vom 1. Juli 2021 zu benennen. Das Polizeipräsidium Rheinpfalz hat vor einigen Jahren mit der Einrichtung einer Ermittlungsgruppe Kinderpornographie reagiert. Im Kreis Germersheim sind die häufigsten Sexualdelikte Erwerb, Besitz und Verbreitung kinderpornographischer Inhalte. 47 Fälle gab es im südlichen Landkreis, 62 Fälle im nördlichen Landkreis.
Taten der Zuwanderer
Seit der ersten Flüchtlingswelle im Jahr 2015 stiegen die Zahlen der Zuwanderer in Deutschland an. Für die Polizei zählen zur Gruppe der Zuwanderer Asylbewerber, Schutz- und Asylberechtigte, Personen, deren Aufenthalt geduldet ist sowie Personen mit unerlaubtem Aufenthalt. In der Polizeilichen Kriminalstatistik sind die Straftaten, die durch diese Gruppe begangen wird, seit dem Jahr 2016 vollständig auswertbar. Im Jahr 2023 sind im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Landau insgesamt 7298 Tatverdächtige ermittelt worden – 3392 davon im Landkreis Germersheim. Im Bereich der Polizeidirektion waren es 848 Zuwanderer, die als Tatverdächtige bei aufgeklärten Fällen erfasst wurden. Zuwanderer stellen somit 11,6 Prozent (2022 waren es 10,11 Prozent) aller ermittelter Tatverdächtiger dar. 148 der 848 Zuwanderer kamen aus dem nördlichen Landkreis Germersheim – ein Plus hier von fast 44 Prozent. Die PI Wörth verzeichnete 161 Tatverdächtige und auch ein Plus von knapp 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die 848 tatverdächtigen Zuwanderer im gesamten PD Bereich Landau begingen allerdings 150 Straftaten, „die nur durch Zuwanderer begangen werden können (Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz). Bei einem Großteil der von Zuwanderern begangenen Straftaten handelt es sich um einfach gelagerte Delikte, wie Körperverletzungs-, Diebstahls- und Vermögens- und Fälschungsdelikte“. Häufig „begehen Zuwanderer Straftaten (wie z.B. Körperverletzungen, Beleidigungen, Nachstellung) untereinander“, so die Polizei.
Das AfD-Stadtratsmitglied hat den Facebook-Post seiner Partei eigenen Aussagen zufolge weiterverbreitet, weil sie durch Statistiken gedeckt und für ihn Fakt seien.
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