Steinweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Seniorinnen in Steinweiler turnen seit 50 Jahren gemeinsam

 Sportlerinnen der ersten Stunde: Herta Rapp, Klärle Bohlender und Dorle Bohlender berichten aus den 50 Jahren der „Seniorengymn
Sportlerinnen der ersten Stunde: Herta Rapp, Klärle Bohlender und Dorle Bohlender berichten aus den 50 Jahren der »Seniorengymnastik«.

Kerzen und Sektgläser stehen auf den Tischen, die im Vorraum der Turnhalle aufgestellt sind. Nicht immer natürlich, sondern erst am Ende der Turnstunde jüngst an einem Dienstag. Gar nicht lange dauert es, ehe die Damen ihre wöchentliche Übungseinheit beenden und sich auf den aufgestellten Sitzbänken niederlassen. Die Gruppe mit 15 bis 20 Frauen hat allen Grund zu feiern. Denn die „Seniorengymnastik“ im Turnverein darf auf ihr 50-jähriges Bestehen zurück blicken.

Seit 50 Jahren schon trifft man sich immer dienstags zur Gymnastik- oder Turnstunde, sagt der TV-Vorsitzende Gerald Claus. Von Anfang an dabei sind auch Dorle Bohlender, ihre Schwägerin Klärle Bohlender und Herta Rapp. Damals, die drei waren und sind bis heute auch Mitglieder beim Landfrauenverein, gab es so etwas wie eine Trimm-Dich-Bewegung.

Sich körperlich fit halten, war in Mode gekommen am Ende der 1960er Jahre. Innerhalb des Landfrauenvereins, wo man neuen Ideen gegenüber stets recht aufgeschlossen war, wurde hin und wieder der Wunsch nach einer „sportlichen“ Betätigung aufgekommen. Zum einen gab es zwar eine Turnhalle im Dorf, doch die gehörte dem Turnverein, bis zum Neubau der Halle vor einigen Jahren. An Leistungssport, gar an Turnen am Gerät, war eigentlich nicht zu denken, und so kam der Wunsch nach einer Sportstunde.

Zunächst organisierte der Landfrauenverein die ersten Treffs, die schon 1969 dienstags stattfanden. Eine erste Übungsleiterin war mit einer Frau Hechler gewonnen. Nach gut einem halben Jahr kamen Fragen auf, zum Beispiel hinsichtlich Versicherung und Bezahlung. So entschloss man sich zum Anschluss an den Turnverein.

Für Landfrauen war Sportstunde noch nicht üblich

Bald übernahm Rita Staudt aus Rohrbach die Übungsleitung. Ihr machte die Arbeit mit den Frauen so viel Freude, dass sie stolze 30 Jahre immer dienstags nach Steinweiler fuhr, um die Gruppe anzuleiten. Kläre Bohlender erinnert sich noch gut daran, dass es in jener Zeit nicht so üblich war, dass Landfrauen in die Sportstunde gehen. Manchmal gab es auf dem Hof oder im Haushalt ja auch abends etwas zu tun! „Unsere Männer zeigten aber viel Verständnis“, ergänzt Dorle Bohlender.

Zwar ging es allen einerseits um die Geselligkeit, die Kameradschaft, aber auch um die sportliche Betätigung. Denn „Bewegung tut gut“, so Herta Rapp. „Ich freue mich immer auf die Übungsstunde am Dienstag“, sagen sinngemäß alle drei Damen, die zusammen auf mehr als 240 Lebensjahre blicken dürfen. An die Anfänge vor 50 Jahren erinnern sie sich noch gut, auch an das Turnerstübchen, das im Obergeschoß der alten Turnhalle untergebracht war. Hier traf man sich, um zu feiern. Herta Rapp erinnert auch an das Schifferklavier, das die Übungsleiterin Rita Staudt zu solchen Gelegenheiten mitgebracht hatte. Oder man besuchte eine der Gaststätten im Dorf. Es gab ja immer einen Anlass zum Feiern.

Älteste der Gruppe ist 90 Jahre alt

Wenn sich die Gymnastikgruppe heute zur Weihnachtsfeier trifft, dann findet diese meist in einer Weinstube statt. Älteste der Gruppe, so Vorsitzender Gerald Claus, ist mit 90 Jahren übrigens Irma Knierim. Auch sie ist jede Woche aktiv und ein Beweis dafür, dass Sport ein langes Leben fit hält.

Die Damen wollen sportlich gefordert werden, sagt auch Vorsitzender Gerald Claus, der den Übungsleiterschein in der Tasche hat und schon mehrfach eingesprungen ist. Seit einigen Jahren betreut Silvia Virgulto aus Wörth die Truppe, bei der „frau“ sich gerne einfinden darf. Voraussetzungen sind nicht zu erfüllen, Normen werden nicht erwartet, „vorturnen“ entfällt ebenso wie bei den Gesangvereinen das früher so übliche „vorsingen“. Lust auf Bewegung sollte „frau“ schon haben – und gute Vorbilder gibt es ja genug in der Gruppe. Männer, die Lust auf Bewegung bekommen haben, dürfen sich, so TV-Boss Claus, gerne donnerstags in der neuen Turnhalle einfinden.

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