Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Seit 65 Jahren hält Paar eisern zusammen

Beim Tanz haben sie sich kennengelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie hielt 65 Ehejahre: Werner und Magdalena Kehrt.
Beim Tanz haben sie sich kennengelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie hielt 65 Ehejahre: Werner und Magdalena Kehrt.

Heute feiern Magdalena und Werner Kehrt ihre Eiserne Hochzeit. Zeit, zurückzublicken auf ein ereignisreiches (Ehe-)Leben.

Gar nicht viel Aufsehen machen möchten sie. Und dann stellt sich heraus, dass die 84-jährige Magdalena Kehrt doch viel Interessantes aus ihrem Leben zu erzählen hat. Weder sie noch ihr Ehemann Werner (86) stammen aus Kandel, das ihnen seit 1956 zur neuen Heimat geworden ist. Denn in diesem Jahr haben die beiden geheiratet, heute, genau vor 65 Jahren und dürfen daher heute das Fest der Eisernen Hochzeit feiern – in der Schillerstraße, wo sie seit acht Jahren wohnen.

Zuvor waren sie in Oberkandel zuhause. Ehe Magdalena, von Bekannten Leni genannt, nach Kandel kam, musste sie als Kind mit ihren Eltern die Vertreibung aus ihrer ursprünglichen Heimat im früheren Jugoslawien erleben. Als deutsch-stämmige Donauschwaben wurden sie 1944 zur Flucht gezwungen. In einem Viehwaggon wurden sie nach Österreich transportiert, wo die Familie ohne den Vater, der in Gefangenschaft war, einige Jahre in einem Lager für Heimatvertriebene zubrachte. Dort lernte sie auch kennen, was Hunger und Durst bedeuten können. „Einmal zählte man in der Erbsensuppe ganze zwei Erbsen“, weiß sie noch heute.

Viele Wünsche blieben unerfüllt

Das war kein leichter Start für Magdalena, die älteste von fünf Geschwistern. Da blieben viele Wünsche auf der Strecke, auch der nach einer Berufsausbildung, die sich die Familie einfach nicht leisten konnte. Schließlich durfte die Familie in die Südpfalz umziehen, nach Kandel, wo bereits Verwandte wohnten. Magdalena erinnert sich noch genau an die Ankunft Ende Juli 1951. Auch die war nicht einfach, sei man als „Heimatvertriebene“ doch ganz und gar nicht mit „offenen Armen“ begrüßt worden. Noch heute erinnert sich Magdalena Kehrt an die eine oder andere Beschimpfung, aber auch daran, dass man ihre Familie nach einiger Zeit des näheren Beschnupperns ganz gerne im Haus behalten wollte. In der Waldstraße fand man bald eine Wohnung, und schon zwei Monate nach ihrer Ankunft bekam sie bei Eichenauer einen Arbeitsplatz. Den gab sie erst nach 40 Jahren auf – als sie in Rente ging.

Ab und zu ging die junge Frau auch zur Tanzmusik, die sonntags im legendären Gasthaus „Zum Pflug“ in Minderslachen zu hören war. Dort traf sie 1954 auch den jungen Mann, der sie näher interessierte: Werner Kehrt aus Insheim, ein junger Zimmermann. „Wir sahen uns einmal, und blieben das ganze Leben zusammen“, erinnert sie sich noch ganz gut an jenen Abend. Schon zwei Jahre später wurde geheiratet. Karl Eck war der Standesbeamte auf dem Kandeler Rathaus. Nur der katholische Pfarrer Heinrich Ohmer hatte ein Problem: Gleich vier Hochzeitspaare wollten an diesem 25. August getraut werden. Schließlich einigte man sich darauf, dass Magdalena und Werner eine kirchliche Trauung am Nachmittag in der St. Georgskirche bekommen sollten. Ein viertes Hochzeitsamt war dann doch zu viel für einen Tag.

Kaum Zeit für Hobbys

Die Braut trug ein selbstgenähtes Jackenkleid, auf das sie heute noch stolz ist. Zu gerne hätte sie den Beruf der Schneiderin erlernt. Gefeiert wurde daheim bei ihren Eltern in der Waldstraße. Werner Kehrt war als Zimmermann die ganze Zeit über bei der Papierfabrik Holtzmann beschäftigt und oft auf Montage unterwegs. Für Hobbys blieb da nicht viel Zeit. Und die karge Freizeit nutzten die beiden zusammen mit ihren Töchtern Gabi und Bärbel für Urlaubsreisen. Oft waren sie mit dem Wohnwagen unterwegs, nach Spanien zumeist, aber auch in ihre alte Heimat bis hinunter nach Belgrad. Werner fuhr sein Leben lang gerne Auto, erzählt seine Frau, und er wollte immer am Abend sein Ziel erreicht haben. Das führte dazu, dass sie oft mitten in der Nacht in Kandel losfuhren. Später unternahm man dann auch Flugreisen. Werner, der seit einiger Zeit an Parkinson leidet, und seine Leni haben in den 65 Jahren ihres gemeinsamen Lebensweges vieles erlebt. Erinnert daran werden sie auch beim Blick in ein sehr liebevoll gestaltetes Album mit Bildern und Texten, in dem auch Enkeltochter Eileen alles über die Geschichte ihrer Familie erfahren kann.

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