Steinweiler
Seifenmanufaktur setzt auf Naturprodukte
Kleine Manufakturen, die regionale Produkte anbieten, haben mittlerweile einen festen Stand am Markt. Sie erfreuen sich immer größer werdender Beliebtheit. Doch wie steht es um sie in der Pandemie? Wie halten sich diese Geschäfte über Wasser? Welche Probleme sind aufgetaucht? Lohnt sich das alles noch zwischen den Lockdowns?
Für die Geschäftsführer der Steinweilerer Seifenmanufaktur, das Ehepaar Michelle und Udo Zahneissen, sowie Markus Scherrer aus Steinweiler, ist der Lockdown schmerzlich. Die Präsenz auf den Märkten in der Region – mit einem Schlag vorbei. Ob Speyer, Bellheim oder Bad Bergzabern, ob Frühlings-, Oster-, Advent -, oder Weihnachtsmarkt, sie waren das ganze Jahr fast überall vertreten. Es fehlen, so Michelle Zahneissen, der direkte Kundenkontakt, die Freundschaft unter den Marktbeschickern sowie die typischen Momente, die nur ein Markt bieten kann. Und natürlich die Einnahmen.
Onlinehandel ausgebaut
Das war für die Geschäftsleute der Moment, um ein Resümee zu ziehen, wie es weitergehen soll, nach 16 Jahren Aufbau eines zweiten beruflichen Standbeins. Doch den bis zu zehn Prozent Umsatzeinbußen stand die Weiterführung im neu ausgebauten Online-Handel entgegen, erzählen sie. Etwa 55 naturbelassene Artikel rund ums Thema Seife biete die Steinweilerer Seifenmanufaktur an. In der Hauptstraße gibt es neben der Seifenherstellung auch einen kleinen Verkaufsladen.
Vor allem jüngere Leute interessierten sich verstärkt für die angebotenen Naturprodukte. Junge Männer wollten Seife und Pflege nicht nur für den Bart. Die Frauen möchten Körperpeeling und Haarseife. Im Moment noch ein bisschen ein Internet-Geheimtipp, hoffen die Betreiber des Ladens mit der Zeit mehr Interessenten an zu locken. Laut Seifenhersteller Zahneissen stehen die Dinge gut.
Natürliche Stoffe statt Cortison
Eigentlich sind Udo Zahneissen und seine Frau von Beruf Physiotherapeuten. Die Praxis ist in Steinweiler. Bis zu 30 Mal am Tag Händewaschen sei Pflicht. Doch irgendwann habe die Haut der Hände gestreikt. Risse und Schmerzen, die nur mit Cortison-Salbe zu lindern waren, haben ihm schwer zugesetzt, blickt der Physiotherapeut zurück. Von einer Bekannten sei der Tipp gekommen, es doch einmal mit naturbelassener Ringelblumensalbe zu probieren. Der Hinweis war damals viel wert, so Zahneißen. Nicht nur die Haut der Hände sei besser geworden. Vielmehr sei ihm spontan auch die Idee gekommen, aus Ringelblumen eine rückfettende Seife zu machen. Er habe sich in die Literatur des Seifenmachens eingelesen und sich mit dem Handwerk der Seifenherstellung auseinandergesetzt. Allerdings wollte er dazu keine tierischen Fette verwenden, betont Zahneissen.
Reise nach Grasse inspiriert
Als zusätzliche Inspiration, erklärt der 54-Jährige, empfand er eine Reise in die Provence nach Grasse in Südfrankreich – in die Welt der Düfte und Seifenherstellung. Diesen „Koffer der Ideen rund um die Seife“ nahm er mit nach Hause. „Ich fing einfach mal an“, sagt er schmunzelnd. Das Ergebnis habe sowohl ihn, als auch seine Familie und Bekannten beeindruckt, die er als Tester einspannte.
Auf die Historie verweisend erzählt Udo Zahneissen: „Nach dem Hauskauf im Jahre 2005 erfuhren wir, dass in den 1864er Jahren dort eine Pottasche-Siederei war. Hier wurde schon zur damaligen Zeit traditionell Seife gesiedet. Ein Kreis schließt sich.“ Wenn das Hoftor offen ist, startet der Verkauf, so das Motto. Das gelte für Besucher, die sich die Seifen-Variationen selbst anschauen wollen. Sie dürfen ihren kleinen Handwerksbetrieb mit Laden offenhalten, da sie Drogerieartikel verkaufen, so Michelle Zahneissen.
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