Kandel
Schwerer Unfall am unbeschrankten Bahnübergang
Ein Bahnübergang ohne Schranke wird dem jungen Fahrer eines Transporters am Donnerstagvormittag zum Verhängnis. Offensichtlich will der 22-Jährige den unbeschrankten Bahnübergang zwischen dem Ortsteil Kandel-Höfen und Kandel auf einem Wirtschaftsweg überqueren. Dabei übersieht er einen Zug, der sich gerade auf dem Weg von Winden nach Kandel befindet.
Der Zugführer leitete zwar sofort eine Notbremsung ein, kann den Zusammenstoß aber nicht mehr verhindern. Der Aufprall muss mit voller Wucht erfolgt sein. Denn der Zug fährt auf diesem Teil der Strecke mit Höchstgeschwindigkeit, heißt es von der Feuerwehr. Deshalb kommen die beiden Zugabteile erst 400 Meter von der Unfallstelle entfernt zum Stehen. Der Transporter wird durch die Luft geschleudert und bleibt etwa 30 Meter vom Bahnübergang entfernt auf dem Dach im Gebüsch liegen.
Um 10.49 Uhr geht der Notruf bei der Feuerwehr ein: „Verkehrsunfall mit Zug – Person eingeklemmt“. Der Rettungsdienst befreit den schwerverletzten Fahrer aus dem Fahrzeug und versorgt ihn medizinisch. Dann wird der 22-Jährige mit dem Hubschrauber in eine Klinik gebracht. In ersten Meldungen ist noch von lebensbedrohlichen Verletzungen die Rede. Am Nachmittag heißt es, dies sei zwar nicht der Fall, der Fahrer sei aber schwer verletzt.
Zug und Gleisbett beschädigt
In den beiden Zugteilen befinden sich zum Zeitpunkt des Unfalls einschließlich des Zugpersonals 132 Menschen. Der Aufprall ist so stark, dass die Verglasung der vorderen Tür zu Bruch geht und Passagiere in näherer Umgebung verletzt. Doch so leicht ist für die Rettungskräfte kein Durchkommen: An dieser Stelle ist die Strecke dicht begrünt. Die Feuerwehr muss den Rettungskräften erst mit der Kettensäge einen Weg bahnen.
Ein Fahrgast wird schwer verletzt und mit dem Rettungswagen in eine Klinik gebracht. Danach werden noch fünf Leichtverletzte von einem Arzt überprüft, bevor sie auf Krankenhäuser der Umgebung verteilt werden.
Die Spuren des Aufpralls sind im vorderen Bereich des Zuges deutlich zu sehen: Schleifspuren, ein Lock im Rumpf, eine demolierte Tür. Durch den Aufprall wurde die vordere Achse des Nahverkehrszugs aus den Gleisen gehoben und bis zum Standort des Zugs das Gleisbett beschädigt. Der Gesamtschaden wird auf mehrere Zehntausend Euro geschätzt. Mitarbeiter der Bahn laufen die Strecke ab, um den Schaden am Gleisbett zu sichten.
Der Zugführer habe einen Schock erlitten, hieß es in der ersten Meldung der Polizei Wörth. „Er macht einen gefassten Eindruck“, heißt es vor Ort von der Feuerwehr. So habe der Zugführer zum Beispiel bei mehreren Durchsagen im Zug unterstützt. Die beiden Zugteile werden nach und nach evakuiert. Doch bevor die 132 Menschen die Wagen verlassen dürfen, werden sie alle noch einem „von einem Arzt gesichtet“, wie es im Einsatzdeutsch heißt. Unter den Zuginsassen sind auch Kinder einer Klasse der Integrierten Gesamtschule (IGS) Kandel. Sie waren in Begleitung von drei Lehrkräften unterwegs. Ob Schüler oder Lehrer unter den Verletzten sind, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt.
Besondere Betreuung für Schüler und Lehrer
Während die Fahrgäste auf ihre Evakuierung warten, werden sie von Ehrenamtlichen der Feuerwehr betreut. Mit Schülern und Lehrern hat schon die Psychosoziale Notfallversorgung des Deutschen Roten Kreuzes Kontakt aufgenommen. Das Geschehen soll auch am Freitag, dem letzten Schultag vor den Ferien, in der Schule noch einmal aufgearbeitet werden.
Immerhin haben die Fahrgäste etwas Glück: Die Temperaturen sind am Donnerstag zumindest etwas niedriger als an den beiden Tagen zuvor. Und: „Die Klimaanlage im Zug funktioniert noch“, heißt es von der Feuerwehr. Wäre dem nicht so gewesen, hätte man noch die schnelle Einsatzgruppe „Sanitär“ hinzuziehen müssen. So reicht es aus, die gestrandeten Reisenden mit Getränken zu versorgen. Neben dem Weg stehen Kästen mit Wasserflaschen und Cola. Das Feuerwehrgerätehaus der Kandeler Wehr befindet sich in Minderslachen, quasi direkt gegenüber von einem Wirtschaftsweg, der zum Unfallort führt. Nach und nach hilft die Feuerwehr den Passagieren, mittels verlegter Holzbretter die Züge über das Gleisbett zu verlassen. Zuvor wurde der Weg durch die Büsche freigeschnitten.
Im Einsatz sind neben der Polizei ein Rettungshubschrauber mit Notarzt und sieben Rettungswagen, die die Verletzten in umliegende Krankenhäuser bringen. Die Feuerwehr Kandel ist mit sechs Fahrzeugen und 25 Einsatzkräften vor Ort und leistet technische Hilfe. Es komme weiter zu Zugausfällen und Verspätungen, teilt die Deutsche Bahn per Twitter mit. Wie lange die Strecke zwischen Kandel und Landau gesperrt bleibt, ist derzeit offen.