Kreis Germersheim
Schnelltests an Schulen: Nasepopeln vor dem Unterricht
„Grundsätzlich finde ich Schnelltests sinnvoll. Sie bringen für alle eine gewisse Sicherheit“, sagt Judith Kuhn, Leiterin der Grundschule Rülzheim. „Unser Ziel ist es in eine gewisse Normalität zurückzukehren. Wenn das der Weg ist, warum nicht?“ So viel zur Theorie. Allerdings sollten die Schulen frühzeitig mit ins Boot genommen werden, um die Abläufe in der Praxis gut und ihren jeweiligen Voraussetzungen entsprechend zu planen, meint Kuhn. Lange Schlangen, die sich morgens vor den Klassensälen bilden, sind nicht die Idealvorstellung der Schulleiterin. Die Tests sollten in separaten Schulräumen mit Begleitpersonen laufen, ohne den Unterricht zu beeinträchtigen.
Mit dem Vorschlag, Grundschüler zweimal in der Woche vor dem Unterricht einem Antigen-Schnelltest zu unterziehen hatten sich Landrat Fritz Brechtel und Schuldezernent Christoph Buttweiler (beide CDU) ans Mainzer Bildungsministerium gewandt, nachdem die Schulen im Kreis wegen der hohen Inzidenzzahl am Montag doch nicht geöffnet wurden. Geplant ist eine vierwöchige Projektphase mit rund 40.000 Tests. Die könnten, so die Idee der Politiker, von geschulten Lehrern, Elternvertretern, Apothekern und ehrenamtlichen Hilfsorganisationen durchgeführt werden.
Lehrer können nur unterstützen
„Für mich sind Schnelltests der Schlüssel, wie man Schulen trotz hoher Inzidenzzahlen öffnen kann“, sagt Andreas Gensheimer, Rektor an der Tullaschule in Maximiliansau. Das Szenario des Landrats, alle Kinder und Lehrer zweimal wöchentlich zu testen, decke sich mit seinen Vorstellungen. Lehrer könnten durchaus in den Ablauf einbezogen werden, meint Gensheimer. Vorstellbar sei, dass die Kinder unter Aufsicht eines Lehrers den sogenannten „Popel-Test“ selbst machen. Der Test heißt so, weil das Stäbchen nicht durch die komplette Nase geschoben werden muss. Es genügt ein Abstrich im vorderen Bereich. Schüler in Österreich werden so an zwei Tagen die Woche getestet.
Für Gensheimer wäre es in Ordnung, wenn die Lehrer beim Ablesen der Testergebnisse helfen und „Sorge tragen, dass die Kinder es richtig durchführen“. Dass die Lehrer am Körper des Kindes hantieren und die Abstriche machen, sei nicht verantwortbar - und nicht realistisch. Gehe es um den Körper des Kindes, entstehe ein Riesendruck der Eltern. „Es wird ja schon heiß diskutiert, ob wir Lehrer ein Pflaster kleben dürfen.“
Den Satz „Es geht keiner an mein Kind“ hat auch Nataly Rumler, Leiterin der Jockgrimer Lina-Sommer-Schule, schon gehört – etwa bei Massentestungen, die nach Corona-Fällen an der Schule, durchgeführt wurden. „Die Einverständniserklärung der Eltern wäre Grundvoraussetzung für Schnelltests von Schülern“, sagt sie. „Mit Sicherheit wäre das nicht verkehrt. Die Frage ist nur, wo und wer sie durchführt.“ Lehrer seien kein medizinisches Personal.
Arzt kommt an die Schule
Die Schnelltest-Strategie erhöhe die Sicherheit an Schulen, meint Andreas Gensheimer. Für seine Kollegen hat er bereits ein eigenes Konzept umgesetzt: Einmal in der Woche kommt ein Zahnarzt aus Kandel, der Vater eines Schülers, an die Schule und testet das Personal. Beim ersten Mal hätten dieses freiwillige Angebot rund ein Drittel der 40 Beschäftigten angenommen. Zum zweiten Termin diese Woche hatten sich fast die Hälfte angemeldet, berichtet der Schulleiter.
Lehrer in Rheinland-Pfalz können seit Anfang Februar jederzeit einen kostenlosen Schnelltest erhalten. Die meisten müssen dazu aber in ein Testzentrum gehen. „Als sich abgezeichnet hat, dass die Schulen öffnen, habe ich überlegt, was liegt in meiner Macht, um mehr Schutz zu bieten“, erläutert Gensheimer. Daraufhin kam er auf das niedrigschwellige Schnelltest-Angebot an der Schule. In der Grundschule Schaidt, die er derzeit ebenfalls leitet, hilft eine Apotheke aus Wörth. Andreas Gensheimer hat die Idee gestreut. Seines Wissens bieten mittlerweile auch die anderen Wörther Grundschulen Testungen für die Lehrer an. „Ein Test wöchentlich klingt erstmal nach Schmalspur. Es ist aber besser als nichts“, sagt der Schulleiter.