KANDEL RHEINPFALZ Plus Artikel Schlecker-Markt als Mensa-Standort angeboten

Der Eigentümer des ehemaligen Schlecker-Gebäudes schlägt vor, dieses für eine Mensa zu nutzen.
Der Eigentümer des ehemaligen Schlecker-Gebäudes schlägt vor, dieses für eine Mensa zu nutzen.

Paukenschlag im Verbandsgemeinderat: Kurz vor der Entscheidung über einen Mensa-Neubau auf dem Grundschulhof trifft eine E-Mail ein: Ein Architekt bietet den ehemaligen Schlecker-Markt als Mensa-Gebäude an. Also zurück auf Los – die Zeit drängt.

Eigentlich hätte der Verbandsgemeinderat in seiner Präsenzsitzung am Donnerstag in der Bienwaldhalle zwei wichtige Entscheidungen für das Vorhaben „Mensa-Neubau bei der Grundschule Kandel“ treffen sollen. Die Entwurfsplanung der „zwo-elf Architekten“ aus Karlsruhe war laut Sitzungsvorlage zu beschließen, den Architekten hätte man Mittel genehmigen müssen für die Leistungsphase 4. Eigentlich, denn daraus wurde nun vorerst einmal nichts.

Drogerie-Gebäude und Garten stehen derzeit leer

Der Grund: Vor wenigen Tagen, genau am 14. Mai, da war die Einladung bereits verteilt, hatte Bürgermeister Volker Poß eine E-Mail erhalten. Das Schreiben ging auch an die Schulleitung und die Elternvertreter. Der Absender: Bender-Architektur aus Kandel. Philipp Bender bietet in der E-Mail an, das von ihm vor etwa einem halben Jahr erst erworbene Gebäude, in dem früher der Schlecker-Markt untergebracht war, für die Einrichtung einer Grundschul-Mensa zur Verfügung zu stellen. Nicht zu verkaufen, sondern zu verpachten.

Das Gebäude und der ebenfalls angebotene Garten schließt an das Grundstück der Grundschule an und steht derzeit leer. Seine Argumente fasste er im Anschluss an die Sitzung, an der er als Zuhörer teilnahm und sich am Ende auch in der Einwohnerfragestunde zu Wort meldete, gegenüber der RHEINPFALZ so zusammen: Der Schulhof bliebe in seiner ganzen Fläche erhalten, könnte noch um das Gartengrundstück erweitert werden. Außerdem würde man eine vorhandene Bausubstanz nutzen, könnte so sehr viel Geld sparen.

Geschätzte Kosten für Neubau: Rund 6,2 Millionen Euro

Gerade die Baukosten hatten in der Sitzung auch eine große Rolle gespielt. Immerhin beläuft sich die aktuelle Kostenberechnung der „zwo-elf Architekten“ auf nunmehr rund 6,2 Millionen Euro. Noch im Februar 2021 waren die Baukosten mit einer Summe von 5,6 Millionen Euro angegeben. Zu Beginn der Diskussion über die Ergebnisse eines Architektenwettbewerbes stand zunächst die Zahl 2,9 Millionen Euro im Raum. Allerdings begründet das Planungsbüro die jüngste Erhöhung auch mit der „Freiflächenplanung“, nachdem die Stadt einer Überlassung der Parkfläche zugestimmt hatte.

Ein Vergleich der Zahlen verbiete sich allerdings. Bei der Zahl 2,9 Millionen habe es sich nur um eine Kostenschätzung für die Bauwerkskosten gehandelt, und zwar entsprechend der Vorplanung. Zu diesem Zeitpunkt sei die Überplanung des kompletten Schulhofes und die Einbeziehung des Parkplatzes beim früheren Finanzamt noch kein Thema gewesen, ist von der Verwaltung auf Anfrage zu hören. Die Zahl 6,2 Millionen Euro enthalte jedoch alles, was für das Projekt erforderlich ist, etwa auch die Kosten für Einrichtung und die Baunebenkosten. Der Schulhof würde, so Andreas Reininger von der Bauabteilung der Verbandsgemeinde auf Anfrage, nur 65 Quadratmeter kleiner als bisher, weil Flächen des Parkplatzes künftig als Schulhof genutzt werden könnten.

Erstaunen über Zeitpunkt des neuen Angebots

Bürgermeister Volker Poß zeigte sich zu Beginn der Sitzung doch etwas überrascht über dieses neue Angebot. Schließlich hatte man vor Jahren schon intensiv nach Alternativen im Umfeld der Grundschule gesucht. Geprüft wurde damals auch die Nutzung von Räumen der Firma Möbel-Bischoff oder des Kellers im protestantischen Gemeindezentrum. Auch mit dem Voreigentümer des Schlecker-Gebäudes habe man verhandelt. Poß bezeichnete es als befremdlich, dass diese Offerte jetzt kommt, nachdem man bereits Geld für einen Architektenwettbewerb ausgegeben habe. Er wolle sich weiteren Gesprächen überhaupt nicht verschließen, so der Bürgermeister.

Allerdings müsse man spätestens Ende September Pläne vorlegen, um einen Landeszuschuss beantragen zu können. Es sei 5 vor 12 für dieses Angebot, meinte etwa Norbert Knauber (CDU). Sein Fraktionskollege Michael Gaudier verwies auf sprunghaft steigende Baupreise und wollte eine Vergabe nicht mittragen. Für die Freie Wählergruppe bat Manfred Foos um eine Überprüfung des Angebotes. Martin Volz, ebenfalls FWG, erinnerte daran, dass die Planung immer ein Kompromiss gewesen sei – zwischen den Wünschen der Schule, der Eltern und den Gegebenheiten vor Ort. Mit der neuen Alternative, so Volz, käme man dem Wunsch von Eltern und Lehrern nach einem größeren Schulhof entgegen. Für SPD-Sprecher Hellmuth Varnay sind noch viele Dinge ungeklärt. Gegen eine weitere Verschiebung sprach sich Kerstin Jordan (SPD) aus. Schließlich habe man drei Jahre an diesem Projekt gearbeitet. Und die Änderungen gehen ihrer Meinung nach nicht in wenigen Wochen über die Bühne, was eine weitere Verzögerung mit sich brächte. „Man sollte die Sache jetzt zu Ende bringen“, meinte die Beigeordnete Jordan.

Die Entscheidung wurde schließlich vertagt, einmütig. Bürgermeister Poß sagte zu, schnell Gespräche zu führen.

Bisher wurde geplant, einen Mensa-Neubau im Pausenhof der Grundschule zu errichten.
Bisher wurde geplant, einen Mensa-Neubau im Pausenhof der Grundschule zu errichten.
x