Landau / Wörth
Schlägerei unter Familienangehörigen
Drei junge Männer zwischen 31 und 43 Jahren sollen Anfang September 2017 gewaltsam in die Wohnung eines Mannes in Wörth eingedrungen sein und ihn mit Schlägen und Tritten schwer misshandelt haben. Darüber hinaus sollen sie ihm mit Klebeband den Mund zugebunden haben und Bargeld, Schmuck, ein Handy und einen Laptop entwendet haben. Deswegen müssen sie sich nun vor einer Strafkammer des Landgerichts in Landau verantworten.
Dass der Prozessbeginn erst fast fünf Jahre nach der Tat angesetzt werden konnte, ist vor allem Corona geschuldet: mehrere frühere Termine mussten verschoben werden.
Schwierige Familienverhältnisse
Zwei der drei Angeklagtem sind die Söhne des heute 60-jährigen Mannes, der überfallen wurde. Der Dritte ist der Sohn einer seiner Lebensgefährtinnen, der eine Zeit lang ebenfalls in seinem Haushalt gelebt hatte. Die drei Angeklagten hatten bei Prozessauftakt die Tat eingeräumt. Sie berichteten von schwierigen, unsteten Familienverhältnissen, in denen Gewalt immer eine Rolle gespielt habe.
Bei der Vernehmung des Opfers waren die drei Angeklagten auf dessen Bitte hin nicht im Saal anwesend. Sie konnten der Vernehmung per Video-Aufzeichnung in einem anderen Raum folgen. Unter Tränen und häufig schluchzend berichtete der Mann von dem Überfall: Es habe gegen 13 Uhr mehrfach laut an seiner Tür geklopft, da habe er Angst bekommen – ein normaler Besucher hätte doch geklingelt. Er habe nach einem zu seiner Sicherheit neben der Tür hängenden bearbeiteten Spatenstil gegriffen, als die Tür bereits aufgegangen und die drei Männer hereingestürmt seien und ihn angegriffen hätten. Den Spatenstil hätten sie ihm sofort abgenommen und ihn damit geschlagen. Er sei zu Boden geworfen und weiter mit Schlägen und Tritten traktiert worden. Einer der Männer soll gesagt haben: „Wenn du uns anzeigst, bringen wir dich um.“
Angreifer knebeln Opfer
Einer der Angreifer habe ihm seine Uhr, ein anderer seine Kette abgenommen. Sein älterer Sohn habe den Jüngeren, den er bis dahin gar nicht wahrgenommen hatte, aufgefordert, Klebeband zu holen. Das sei ihm dann mehrfach um den Mund gewickelt worden. Er habe Todesangst ausgestanden, so der Mann unter Tränen. Nach einem Schlag gegen den Kopf sei er bewusstlos geworden. Als er wieder aufgewacht sei, seien die Männer weg gewesen, ebenso seine Geldbörse, ein Handy und sein Laptop. Er habe dann das Klebeband vom Mund heruntergezogen und die Polizei angerufen, die umgehend gekommen sei. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Bis nach Weihnachten sei er zur Genesung in verschiedenen Kliniken gewesen. „Mein Leben ist vorbei“, kommentierte er das Geschehen schluchzend.
Danach, ruhiger geworden, schilderte der Mann das frühere Familienleben, das wohl immer problematisch war. Schon früh habe seine Frau mit dem jüngeren Sohn die Familie verlassen. Der Ältere blieb zunächst bei ihm, wobei er überwiegend von seinen Eltern betreut worden sei; er habe ja arbeiten müssen. Erst Jahre später hätten sich die Brüder, stets unter Aufsicht des Jugendamtes, wieder gesehen. Kurz darauf sei sein älterer Sohn auch zu seiner Mutter gezogen; er habe ihn erst Jahre später wieder getroffen. Trotzdem habe er ein ganz besonderes Verhältnis zu seinem älteren Sohn, der für ihn immer sehr wichtig gewesen sei.
Geschlagen, aber nicht mit Fäusten
Auf Nachfragen der Verteidiger stritt der Mann nicht ab, dass für ihn Ohrfeigen normale und notwendige Mittel bei der Erziehung gewesen seien. Er bestritt aber, seine Frau geschlagen zu haben – zumindest nicht mit Fäusten. Als Grund für den Angriff auf ihn hatte er erklärt, es sei vermutlich seine Weigerung gewesen, dem älteren Sohn Geld zu geben beziehungsweise eine Bürgschaft für ihn zu leisten. Es sei auch nicht richtig, dass er seinem Sohn und dessen Frau zu einer Abtreibung geraten hatte, als die Familie ein weiteres Kind erwartet habe. Er habe lediglich zum Ausdruck gebracht, dass nach seiner Ansicht die finanzielle Belastung wohl zu hoch sei.
Die Verhandlung wird am Montag, 27. Juni, um 9 Uhr fortgesetzt.