Maximiliansau
Schiff bleibt an Rheinbrücke hängen: Deshalb ist es passiert, so groß ist der Schaden (mit Bildergalerie)
Ein rheinabwärts fahrender Schubverband ist am Mittwochnachmittag an der Straßenbrücke Wörth/Karlsruhe hängen geblieben. Der Verband transportiert augenscheinlich große Stahlteile. Sie sind Elemente einer Brückenkonstruktion und wurden im Elsass gefertigt. Die Teile passten nicht unter der Wannenkonstruktion der Brücke durch, auf der die Fahrbahn liegt. Zunächst wurde geprüft, ob und wie die Brücke beschädigt ist, so Michael Knust von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Karlsruhe zur RHEINPFALZ. Danach gelang es gegen 18 Uhr zwei Schiffen, den havarierten Schubverband rheinaufwärts frei zu schleppen.
Ans Maximiliansauer Rheinufer gedrückt
Zunächst musste die Zodiac aber zurück in die Fahrrinne gebracht werden. Denn nach der Kollision mit der Brücke hatte die Strömung den hinteren Teil des Verbands an das Maximiliansauer Rheinufer gedrückt. Der Rumpf befand sich nur noch einen halben Meter vom Ufer entfernt, der Kiel lag auf Steinen auf. Die Zodiac macht sich anschließend auf den Weg in den Karlsruher Rheinhafen; dort soll sie einen niedrigeren Rheinpegel abwarten.
Bei dem Zusammenstoß wurde eine Schiene des Brückenuntersichtgeräts, die am Brückenüberbau befestigt ist sowie der Brückenüberbau beschädigt. „Die Standsicherheit der Brücke ist jedoch weiterhin gegeben“, so das Regierungspräsidium Karlsruhe. Der normale Verkehr könne weiter über die Brücke fahren. Für den genehmigungspflichtigen Schwerlastverkehr mit über 44 Tonnen Gesamtlast wird die Brücke dagegen gesperrt. Die Antragsteller werden benachrichtigt, der Schwerlastverkehr wird umgeleitet werden.
Reederei auf schwere Transporte spezialisiert
Die havarierte Zodiac ist in den Niederlanden registriert und fährt für die Reederei Muller in Dordrecht. Die Reederei ist ein Familienbetrieb und auf den Transport von schweren und großen Lasten spezialisiert. Muller Dordrecht wollte gestern gegenüber der RHEINPFALZ Fragen zum Abfahrtshafen, zur Ladung und zur möglichen Ursache für die Havarie nicht beantworten. Das Schubschiff Zodiac wurde 2020 gebaut, darf also als modern gelten. Es ist knapp 20 Meter lang, 10 Meter breit und hat einen Tiefgang von 2,40 Meter. Ihre beiden Motoren leisten 1450 PS.
Dritte Havarie in knapp 15 Jahren
Die Havarie am Mittwoch ist die dritte in knapp 15 Jahren. Anfang Januar 2022 hatte ein mit 158 Containern beladenes Schiff die Rheinbrücke Wörth/Karlsruhe gerammt. Der Güterschubverband fuhr flussaufwärts. Er kam aus den Niederlanden, sein Ziel war Basel. Ein Teil der oberen Containerlage kollidierte mit der Brücke. Erkennbar beschädigt wurde dabei der Träger der Wartungswagenschiene an der Unterseite des Stahlkastens, der ein wesentliches Element der Brücke ist. Die Polizei schätzte damals den Schaden auf rund 60.000 Euro. Menschen wurden bei der Havarie nicht verletzt. Die Container an Bord wurden durch den Unfall lediglich leicht verschoben.
Ein ähnlicher Unfall mit einem sehr ähnlichen Schadensbild ereignete sich Mitte November 2010. Ein ebenfalls flussaufwärts fahrender Schubverband mit einem Baggerschiff rammte damals die Rheinbrücke. Der Grund war eine Unachtsamkeit: Ankerstreben standen während der Fahrt zu weit nach oben. Diese werden zum Baggern in den Fluss gerammt.
