SCHAIDT RHEINPFALZ Plus Artikel Schatz für viele Familiengeschichten

Die Autoren des Schaidter Familienbuchs ( v.l.): Manfred Bouquet, Ute Keppel und Werner Esser.
Die Autoren des Schaidter Familienbuchs ( v.l.): Manfred Bouquet, Ute Keppel und Werner Esser.

Ordner, nicht nur ein Regal, und nicht nur eine ganze Wand voll. Fein säuberlich beschriftete und mit dem Computer erstellte Ordnerrücken, die sofort ein System erkennen lassen. Und das ist wichtig, denn das „Privat-Archiv M. Bouquet“ soll ja als Fundgrube dienen für alle, die sich mit Familien- und Heimatgeschichte beschäftigen. Doch am „Ortsfamilienbuch Schaidt“ hat er nicht alleine gearbeitet.

Alphabetisch sortierte Familiennamen, von Abt bis Zahnenbenzer, mit Stamm- und Seitenlinien, ermöglichen eine schnelle Suche. Was der Schaidter Heimat- und Familienforscher da in seiner Freizeit seit mehr als 35 Jahren zusammengetragen hat, ist ein wertvoller Schatz mit erstklassigen Quellen. Und dieser Schatz, gesammelt in rund 110 Leitz-Ordnern, war jetzt auch eine ganz große Hilfe, als sich ein Team daran machte, das „Ortsfamilienbuch Schaidt“ zu erstellen.

Mit Werner Esser und Ute Keppel (beide aus Kandel) gingen zwei Familienforscher ans Werk, die in der Südpfalz schon viel Erfahrung gesammelt haben. Immerhin ist das „Ortsfamilienbuch Schaidt“ ihr elftes Werk, das sie jetzt an die Druckerei gegeben haben. „Die Familien aus Schaidt aus Kirchenbüchern, Zivilstandsregistern und privaten Unterlagen“ wurden darin zusammengetragen. Vieles fanden sie im Privat-Archiv von Manfred Bouquet, dem Dritten in diesem Team. Bouquet hatte im Jahre 2010 bereits das Buch über „Schaidt – eine Geschichte für sich“ geschrieben. Nun also wurde die Geschichte von 3395 Familien und 12.535 Personen dargestellt. Alle, die in Schaidt lebten und vor dem Jahre 1910 geboren sind, finden sich auf den 891 Seiten des Werkes wieder. Kurze Abrisse gelten auch der Dorfgeschichte und informieren über die Quellenlage, die den drei Familienforschern zur Verfügung standen.

Viele Quellen als Grundlage

So stellte der aus Schaidt stammende Heimatkundler, der später in München lebende und 1989 verstorbene Professor Erich Getto sein Archiv als Schenkung für Manfred Bouquet zur Verfügung. Der ehemalige Gemeindesekretäre Hugo Burckhart und der Hobbyforscher Johannes Krauß hatten ihm zugearbeitet. Viele Dokumente stammen aus dem Archiv der Stadt Wörth, die von Manfred Bouquet nach einem Wasserschaden in einem längeren Zeitraum wieder „getrocknet und zum Großteil restauriert“ werden mussten. Auch der verstorbene Familienforscher Albert Weigel aus Hatzenbühl, der die Kirchenbücher der katholischen Pfarrei abgeschrieben hat, leistete damit wichtige Vorarbeit. „Vieles wartete geradezu darauf, systematisch erfasst, in den Primärquellen überprüft und zu einem Buch zusammen gestellt zu werden“, schreiben die drei Autoren in ihrem Vorwort. Mit Unterstützung durch die Datenbank der „Pfälzisch-Rheinischen Familienkunde e.V.“ konnte dieses nun in Angriff genommen werden.

Das „Ortsfamilienbuch Schaidt“ gibt viele Antworten, etwa auf die Frage, „wer bin ich, wo komme ich her“. Eltern, Geschwister und weitere nahe Verwandte sind den meisten bekannt, wie deren Vorfahren aber hießen, wo und wie sie lebten, entzieht sich oft der gesicherten Kenntnis. Dem will das Buch Abhilfe schaffen. Aus Gründen des Datenschutzes werden Personen, die nach 1910 geboren sind, nicht aufgeführt. Aber nahezu alle Familien, die vorher in Schaidt lebten, sind erwähnt. Das Buch ist eine hervorragende und höchst zuverlässige Quelle zum Eigenstudium, denn vieles ist den meisten Menschen unserer Zeit wohl doch nicht so vertraut. Auch Besitzverhältnisse werden angesprochen. Wer wohnte in welchem Haus? Eine Fotosammlung mit Bildern von 1850 bis 2000 illustriert diese Zusammenstellung, statistische Angaben bereichern das Werk und zeigen Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte auf.

Station einer Durchreise

So fällt auf, dass es schon früher „Patchworkfamilien“ gab, allerdings oft aus anderen Gründen als heute. Und deutlich wird auch, dass Schaidt für viele Menschen nur eine Station auf ihrer persönlichen „Durchreise“ war. Deren Kommen und Gehen wird beschrieben. Bouquet, Esser und Ute Keppel haben in akribischer Feinarbeit ein Werk geschaffen, das viele auch zum eigenen Weiterforschen ermuntern dürfte. Die drei kamen selbst auf unterschiedlichen Pfaden zur Beschäftigung mit der Familiengeschichte.

Bei Manfred Bouquet etwa hat der Opa das Interesse geweckt. Der 80-jährige frühere Verwaltungsleiter beim Bundesamt für Zivildienst in Karlsruhe hat im Laufe der Zeit eine Leidenschaft für die Orts- und Familiengeschichte entwickelt, die auch in Beiträgen für die „RHEINPFALZ“ dokumentiert ist. Werner Esser und Ute Keppel haben ähnliche Werke nicht nur für die Stadt Kandel oder die Orte der Verbandsgemeinde Kandel, sondern auch für Barbelroth und zuletzt für Dierbach erstellt. Für Schaidt haben die drei jetzt ein Werk geschaffen, das vermutlich im Mai in gedruckter Form zum Preis von 45 Euro vorgelegt werden kann.

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