Kreis Germersheim „Schüler spüren, wenn sie gemocht werden“

GERMERSHEIM. Studiendirektor Hans Gedrat geht nach 37 Jahren als Lehrer am Germersheimer Goethe-Gymnasium in den Ruhestand. Nicht von Anfang an war Lehrer die erste Berufswahl des ehemaligen Leistungssportlers. Kinder zu motivieren sieht er als wichtigste Aufgabe eines Lehrers.
Anfangs strebte Hans Gedrat einen anderen Weg an. Genauer gesagt wollte er Chemie studieren. Doch nach zwei Semestern Chemiestudium war ihm klar, dass die Arbeit im Labor nichts für ihn ist und er eigentlich mit Menschen arbeiten möchte. Aus diesem Grund entschied er sich für ein Lehramtsstudium. Für den Leichtathleten war klar, dass er Sport unterrichten möchte. Die Kombination Sport und Erdkunde war relativ häufig, weswegen er sich noch zu einem Erdkundestudium entschied. Gedrat machte sein Referendariat am Hans-Purrmann-Gymnasium in Speyer und kam 1978 an das Goethe-Gymansium in Germersheim. Ein Jahr darauf bekam er eine Planstelle an der Schule und unterrichtete bis heute Sport und Erdkunde. Gedrat war vor seiner Karriere als Lehrer Leistungssportler und auch Übungsleiter im Sportverein – später auch bei der Turnerschaft in Germersheim. 1978 wurde er Zweiter bei den deutschen Meisterschaften und war Mitglied der Nationalmannschaft des Deutschen Leichtathletikverbands. Gedrat hatte die Möglichkeit als Stabhochspringer bei den Olympischen Spielen in Moskau (1980) teilzunehmen. Gleichzeitig wurde ihm aber eine Planstelle am Goethe-Gymansium in Germersheim angeboten. Er entschied sich für das Sichere: die Stelle am Gymnasium. Das bedeutete, dass er vom Leistungssport Abschied nehmen musste. Bereut hatte er diese Entscheidung dennoch nicht, da die deutsche Olympiamannschaft letzten Endes aufgrund eines Boykotts nicht an den Spielen teilnahm. „Die Schule war mein Zuhause“, sagt Gedrat heute. Für ihn war das Goethe-Gymnasium eine feste Bank. Er hat sich immer sehr wohl gefühlt. Die Schule war nicht nur ein Gebäude oder eine Institution für ihn, wichtig waren ihm vor allem die Menschen, die an der Schule waren. Gedrat ist ein sehr beliebter Lehrer bei den Schülern. Mit vielen pflegte er ein gutes Verhältnis. „Ich habe die Schüler als meine Kinder gesehen“, sagt er. Die Beziehung zu Schülern war sein Schlüssel zum Unterrichten. „Sie spüren, wenn sie gemocht werden. Und das kriegt man wieder zurück.“ An seinem Beruf am meisten gefallen hat ihm, die Schüler zu motivieren. Das war aus seiner Sicht die Aufgabe eines Lehrers. Als Mittelstufenleiter hat er in den letzten zehn Jahren, versucht Schüler stabil zu halten, ihnen zu helfen und sie anzuspornen. Zudem gefiel ihm die Unbeschwertheit der Schüler, der Unterrichtsalltag und die Arbeit mit Jugendlichen. Das Einzige, was er überhaupt nicht mochte, war das Korrigieren, vor allem von 30 Arbeiten über das Wochenende. Hans Gedrat, der auch in der Koordination des Vertretungsplanes und Präventionskonzeptes involviert war, wird weiterhin den Umgang mit Kindern pflegen. Er möchte nun noch mehr Zeit mit seinen Enkelkindern verbringen. „Ich bringe ihnen jeden möglichen Quatsch bei. Als Opa darf ich das“, lacht Gedrat verschmitzt. Nach seiner Pensionierung hat der passionierte Sportler vor auf Reisen zu gehen. Ein Spanienurlaub steht demnächst auf dem Stundenplan. Da er nicht mehr an die Hauptreisezeit gebunden ist, kann er nun reisen, wann er will. Außerdem hat sich Gedrat einen Motorroller geholt, mit dem er mit einem Freund eine Fahrt zum Wörthersee in Österreich machen möchte. „Ich fühl mich wie 16, als ich mir ein Kleinkraftrad kaufte“, sagt er lachend. Ob er die Schule und das Unterrichten vermissen wird, weiß er noch nicht. Stattdessen versucht er das letzte Jahr in vollen Zügen zu genießen. Er war letztmals auf Klassenfahrt in Berlin, trainierte Schüler für das Sportabzeichen und das Kreissportfest und ging auf Wandertage.