Kreis Germersheim Schüler im Mittelpunkt – nur manchmal nervt’s

Werden heute vom Goethe Gymnasium Germersheim verabschiedet: Christian Firlus, Michaela Emling, Karl-Heinz Petry und Siegbert Di
Werden heute vom Goethe Gymnasium Germersheim verabschiedet: Christian Firlus, Michaela Emling, Karl-Heinz Petry und Siegbert Dicke

Mit Dr. Siegbert Dicke, Michaela Emling, Christian Firlus und Karl-Heinz Petry werden heute vier Lehrkräfte am Johann-Wolfgang-Goethe-Gymnasium (GGG) in den Ruhestand verabschiedet. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ erzählten sie aus ihrem Berufsleben und über ihre Zukunftspläne.

Es stellte sich manche Gemeinsamkeit heraus. Zum Beispiel gehörte das Korrigieren von Facharbeiten wahrlich nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Korrekturen seien eine oft sehr zeitraubende Tätigkeit, die gerne aufgeschoben und dann oft am Wochenende erledigt wurde. Dies relativierte Siegbert Dicke für die Naturwissenschaften: In seinem Fach Chemie beispielsweise gibt es keinen Interpretationsspielraum. „Chemie ist eine exakte Wissenschaft. H2O ist Wasser und Wasser ist H2O.“ Diese Aussage von ihm wird den Schülern wohl noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Woran werden sich Schüler noch erinnern? An Studienfahrten nach Schottland oder Schüleraustauschreisen nach Palos Heights (Vorort von Chicago) mit Christian Firlus, an seinen „sachorientierten Unterricht“ und an das ein oder andere Späßchen, das Christian Firlus stets gerne mitgemacht habe. Ins Ausland begleitete auch Michaela Emling ihre Schüler. Sie organisierte zehn Jahre lang den Schüleraustausch mit dem Lycée Gabriel Voisin in Tournus, unternahm mit Schülern Wochenendfahrten nach Paris und eine Reise nach Moskau. Auch im Skischullandheim am Feldberg war Emling oft mit dabei. „Paddeln mit Petry“ – bezeichnet in salopper Form die Kanu-AG, die Karl-Heinz Petry zehn Jahre lang geleitet hat. In dieser Zeit hat er auch die Kooperation des GGG mit der Kanusportgemeinschaft Germersheim gepflegt. Der Naturwissenschaftler hat auch den Sonderzug organisiert, mit denen „das GGG“ zu den Planetarien nach Mannheim und Stuttgart gefahren ist, um mit den Schülern die Sonnenfinsternis dort zu erleben. „Ich konnte viele Schüler für ein Chemiestudium gewinnen“ sagt Siegbert Dicke. Das lag sicher auch am spannenden Chemieunterricht in Theorie und Praxis bei ihm. Vor allem praxisorientierter Unterricht wurde besser möglich, nachdem die Fachräume vor einigen Jahren modernisiert wurden. Auch der geänderte Lehrplan mit mehr Praxisbezug sei ein Fortschritt gewesen. Praxisbezug gab es auch durch regelmäßige Besuche in Schülerlaboren der BASF. Noch eine Gemeinsamkeit der Vier zeigt sich im Gespräch: Ihr Beruf hat ihnen Spaß gemacht. Als Gründe dafür werden die große Bandbreite an Unterrichtsstoff, immer neue Schüler, kleine und große Erfolgserlebnisse mit den Schülern, ein angenehmes Arbeitsumfeld, ein sicherer Arbeitsplatz genannt. Allerdings sei das Unterrichten anstrengender geworden. Beklagt wird – vor allem von den Sprachen unterrichtenden Lehrern – dass viele Schüler weniger lesen und sich damit oft deren Wortschatz minimiere, es Defizite in der Grammatik und beim Textverständnis gebe. Die Bereitschaft, Zeit fürs Lernen zu investieren, werde immer weniger. Alles sei schnelllebiger, viele Schüler einer Reizüberflutung ausgesetzt, was auch negative Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit habe. „Klassen mit 40 Schülern, wie es sie früher gegeben hat, sind heute nicht mehr vorstellbar“, sagt Karl-Heinz Petry. Heute erlebe er Klassen mit 20 Schülern anstrengender als die Großklassen früher. Das mag auch daran liegen, dass man heute zwar mehr Erfahrung habe, „aber doch auch älter geworden ist“, merkt er schmunzelnd an. Die Vier freuen sich auf ihren neuen Lebensabschnitt, haben unterschiedliche Pläne. „Entschleunigung des Alltags“ – so fasst Christian Firlus zusammen, worauf er sich am meisten freut. Er findet bei allen Gesprächspartnern Zustimmung.

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