Kreis Germersheim Sanierung der alten Stadtmauer
Ein Abschnitt der alten Jockgrimer Stadtmauer ist seit mehreren Wochen hinter einem großen Schutznetz verborgen. Es ist das besonders gut sichtbare Teilstück unterhalb der alten katholischen Kirche St. Dionysius, entlang der Landesstraße, dessen Eigentümerin die katholische Kirchenstiftung der Pfarrgemeinde Mariä Heimsuchung ist. Sie hat mehrere Handwerksbetriebe beauftragt, das historische Bauwerk, dessen älteste Steine im 13. Jahrhundert aufeinander gemauert wurden, zu sanieren.
Bei einem Baustellentermin vor Ort erklärte Architekt Achim Stadter, welche Arbeiten an der Mauer anstehen und zum Teil schon ausgeführt wurden. Unterstützt wurde er dabei von Claus Sternberger, der als Gebietsarchitekt des bischöflichen Bauamtes der Diözese Speyer das Projekt mit betreut. Was sich in den letzten Jahren als romantische Laune der Natur darstellte, nämlich in den Mauerritzen wachsende Blumen und Kletterpflanzen, richtete oft deutliche Schäden an der Mauer an. Der Fugenmörtel zerbröckelte, alte, gebrannte Ziegelsteine gaben unter dem Druck der Pflanzen und wegen der Witterungseinflüsse von Frost bis Hagel nach und zerfielen immer wieder zu Staub. Zwar sei die Statik der Mauer trotz der Schäden nicht gefährdet, die Kirche möchte aber vermeiden, dass die Schäden größer werden oder mit noch mehr Aufwand repariert werden müssen. Deshalb schrieb das Architekturbüro die notwendigen Arbeiten für Fachfirmen aus, die Zuschläge erhielten „Die Bauwerkstätte“ aus Ilbesheim und „bbr-Bausanierungen“ aus Eppelborn. „Die Arbeiten sind so speziell, dass nur Fachfirmen sich damit richtig gut auskennen“, urteilte Stadter bei einem Rundgang. Deshalb wurde auch als Fachberaterin Dr. Petra Egloffstein hinzugezogen. Sie ist Mineralogin und eine profunde Kennerin von Verfahren, wie Steine konserviert und alte Mauern erhalten werden können. In Jockgrim wurden auf der Mauerkrone die Abdeckplatten und die obersten Steinreihen abgenommen. Falls nötig, wurden schadhafte Ziegelsteine ersetzt und mindestens vier bis fünf Reihen neu, wenn möglich mit alten Steinen, gemauert. „Wir legen viel Wert darauf, die alte Optik zu erhalten“, dies sei jedoch nicht so leicht, denn in der alten Mauer stecken ganz unterschiedliche Steinformate aus mehreren Epochen. Immer wieder wurde die Mauer geflickt oder bei Bedarf einfach aufgestockt. Jeder Stein, der es wert ist, wird gesäubert und zwischengelagert. Trotzdem werden zwischen 600 und 800 Ersatz-Backsteine gebraucht. Deshalb schauen Architekt und Baufirmen zuerst bei Händlern, die historische Baustoffe anbieten, ob dort passende Steine zu bekommen sind. Neben dem neuen vermauern der lockeren Steine wurden an der Maueraußenseite bereits alle Fugen tief ausgekratzt und der Bewuchs penibel entfernt. Manchmal traten sogar Wurzeln außen hervor, die von Hecken stammten, die innerhalb der Mauer gestanden waren. Bevor die Fugen überall neu gefüllt werden, werden mehrere Mörtelfarben als Muster zwischen den Steinen aufgetragen. Erst, wenn der Mörtel wirklich gut zu den Mauersteinen passe, werden alle Fugen gefüllt. „Wir sind fast so was wie eine Pilot-Sanierungsstelle“, sagt Achim Stadter. Die jetzt angewandten Verfahren könnten bei Bedarf auf andere Mauerabschnitte übertragen werden. Sie gehören oft Privat-Eigentümern, deren Grundstücke durch die Mauer begrenzt werden, bei einem Teil der Mauer ist auch die Ortsgemeinde Eigentümerin. Auf die Frage, was denn die ganze Maßnahme kosten werde, konnte Claus Sternberger noch keine Antwort geben, auch nicht genau sagen, wie lange die Baustelle bestehen werde. Es hänge davon ab, wie aufwendig sich die Arbeiten gestalten und ob ein zweiter Mauerbereich anschließend ebenfalls restauriert werde.