Berg
Südpfälzer Kunstwerke beim Kirchentag in Dortmund zu sehen
Der Mensch befindet sich auf dem Weg in eine Sackgasse. Davon ist der international bekannte Kunstprofessor Hermann Weber überzeugt. Aber abfinden will er sich damit nicht. Mit seinen Werken zu Umweltschutz und Artensterben will er seine Zeitgenossen wachrütteln. Und das durchaus mit Erfolg. Bei dem an diesem Wochenende in der Dortmunder Pauluskirche stattfindenden evangelischen Kirchentag „Mensch – Tier – Schöpfung“ werden Arbeiten aus Webers Anthropozän-Zyklus in der Kirche ausgestellt. Und auch der 1959 in Biberach geborene und seit 2011 in Berg lebende Künstler kommt zu Wort.
„In meinem Anthropozän-Zyklus setze ich mich seit vielen Jahren damit auseinander, wie wir Menschen mittlerweile den ganzen Planeten umgestaltet und vermutlich irreversibel geschädigt haben“, betont Weber. Als Anthropozän bezeichnen Forscher das Zeitalter des Menschen. Der Mensch ist zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist. Daraus leitet sich aber auch eine besondere Verantwortung für den Planeten ab, der der Mensch aber nicht gerecht wird. „Angesichts der sich anbahnenden Umweltkatastrophe sehen und spüren wir die verheerenden Folgen eines anthropozentrischen, den Menschen in den Mittelpunkt stellenden Denkens. Die Apokalypse steht uns nicht bevor, wir sind mittendrin!“, schreibt Weber in einem Begleittext zu seiner Kunst.
Weber verzichtet auf Reise nach Dortmund
Wer sich mit den Werken aus dem Anthropozän-Zyklus auseinandersetzen will, muss aber nicht unbedingt ins Ruhrgebiet reisen. Die Bilder sind auch an Webers Outdoor Gallery an seiner Grundstücksmauer in Berg zu sehen. Für Dortmund hat er die Plakate in etwas größerem Format drucken lassen. Zudem sind dort insgesamt sieben Arbeiten Webers ausgestellt. Das Bild „Anthropozän – Das große Sterben“ hat er für die Pauluskirche überarbeitet und aktualisiert.
Die Reise nach Dortmund hatte Weber fest in seinem Terminkalender vermerkt. Doch erkrankte im Frühjahr sein Hund Bruno schwer. Mit dem Mischlingsrüden unternimmt Weber normalerweise lange Spaziergänge durch die Natur der Südpfalz, die er so sehr schätzt. Obwohl auch hier das Artensterben allgegenwärtig ist. Eine Vergiftung hat Bruno wochenlang außer Gefecht gesetzt. Zwischendurch war nicht sicher, ob er es überhaupt überleben wird. „Ich habe frühzeitig gesagt, dass ich nur zum Kirchentag reise, wenn es Bruno gut geht“, erzählt Weber. Deshalb haben die Organisatoren am Samstag ab 16 Uhr ein Online-Gespräch mit dem Künstler eingeplant. „Auch wenn es Bruno inzwischen besser geht, habe ich mich entschieden, zuhause zu bleiben“, so Weber.
Online-Gespräch auf Großleinwand
Dass er beim Kirchentag nicht vor Ort sein kann, bedauert Weber durchaus. Wollte er doch die Gelegenheit nutzen, Matthias Glaubrecht persönlich kennenzulernen. Glaubrecht ist Evolutionsbiologe und Wissenschaftshistoriker und hat mit dem Bestseller „Das Ende der Evolution. Der Mensch und die Vernichtung der Arten“ die Pflichtlektüre für alle geschrieben, die Interesse an der Rettung der Artenvielfalt und damit unseres Planeten haben. Glaubrecht wird den Hauptvortrag halten. Er schätze ihn sehr, betont Weber.
Das Online-Gespräch mit Weber, der nach einem Lehrauftrag an der Kunsthochschule in Karlsruhe unter anderem in New York, Paris und Rom gelebt hat, wird auf einer Großleinwald in der Kirche übertragen. Weber wird die Gelegenheit nutzen, seine kritische Haltung zur Kirche zu verdeutlichen. Der kritische Zustand der Erde sei auch eine Folge des „Dominium Terrae“, also des Auftrags Gottes an den Menschen, sich die Erde untertan zu machen. Und darauf aufbauend, die abendländische Philosophie, die allein dem „vernünftigen Menschen“ eine unsterbliche Seele und Empfinden zuspricht. „Wir haben uns einen Gott nach unserem Bild geschaffen und ihm die Worte in den Mund gelegt, die unser Tun legitimieren sollen“, meint Weber, der schon vor Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten ist. „Wir beuten in unserer Gier die Erde gnadenlos aus, haben jegliche Empathie und Liebe für alles Lebendige und Schöne der Natur um uns verloren und vernichten dabei nicht nur unsere eigenen Lebensgrundlagen, sondern auch die aller anderen Tiere und die der Pflanzen.“ Genau das kritisiert er mit seiner Kunst.
Info
Alle Infos zum Kirchentag unter www.mensch-tier-schöpfung.de