Kandel
Rund achteinhalb Hektar Wald verbrannt
Kein Zweifel, die jüngsten Regenfälle täuschen über einen viel zu trockenen Sommer hinweg: „Das hört ja niemand gerne, aber eigentlich müssten wir mal durchgehend vier Wochen lang einen Landregen haben“, kommentiert Astrid Berens die Wetterlagen. Die monatelange Trockenheit hat die Vegetation im Südwesten vielerorts ausgezehrt. Dazu seien Waldbrände jahrzehntelang in der Region kein Thema mehr gewesen und so habe sich die Natur die vor langer Zeit angelegten Löschwasserteiche sogar wieder zurückholen lassen, sagt Berens.
Sechs Mal hat es in diesem Jahr im Bienwald bereits gebrannt. Rund achteinhalb Hektar Wald sind betroffen gewesen, was einer Fläche von etwa 12 Fußballfeldern entspricht. Dort wolle man nun in den nächsten drei, vier Jahren sich über natürlichen Samenflug etablierenden Pionierbaumarten Raum geben. Man hoffe auf einen Mischwald, „der für Klimawandel und Brandgefahr gewappnet ist“, sagt Berens.
Feuer gerade noch rechtzeitig bemerkt
Dabei kann es im Bienwald selbst nach Bränden recht bald wieder idyllisch aussehen, wie eine Ortsbegehung unweit von B9 und Kalksandsteinwerk im Revier Berg zeigt. Die Sonne scheint und auf dem Waldboden sprießt längst wieder das erste Grün. Ein in der Nähe wohnender Landwirt habe das Feuer im Juli gerade noch rechtzeitig bemerkt und die Feuerwehr informiert, erinnert sich Alexander Kraus. Zudem sei „überhaupt kein Wind gegangen“, der das Feuer hätte weiter anfachen können. Am Waldboden liegen verkohlte Buchenstämme. „Totholz“, erläutert sagt Kraus, wie es längst überall im Bienwald liegt. Für mögliche Flammen ist das ein gefundenes Fressen. Für Kraus ist es der erste Brand in einem von ihm verantworteten Revier gewesen. Die Power der Frauen und Männer der Einsatzkräfte hätten ihn positiv überrascht, sagt er.
Einige Kilometer weiter nördlich unweit der S-Bahnhaltestelle „Alte Römerstraße“ in Rheinzabern war die Signalwirkung eines Waldbrandes ungleich höher. Erst vier Wochen ist es her, dass es am Waldrand zu brennen begonnen und der Wind „das Feuer in den Wald hineingedrückt“ hat, wie es Matthias Reis schildert. Auch er weist auf die Leistung eines „gigantischen Aufgebots von Kräften von Feuerwehr, DRK, Leitendem Notarzt oder Katastrophenschutz“ hin, die gegen den Brand gearbeitet haben. Reis zeigt auf Baumskelette, bei denen die Hitze die Rinde hat absprengen lassen. Oder auf den hartkantigen Übergang noch grüner Bäume zu jenen, die zu nahe bei oder im Feuer gestanden hätten und nun einen regelrechten Herbstwald bilden. Nur wird sich in ihnen im nächsten Frühjahr kein neues Leben mehr bilden können.
Im Herbst müssen Bäume gefällt werden
„Man sieht an den Stämmen, wie hoch die Flammen standen. Das waren drei, dreieinhalb Meter“, sagt Reis: „Für die Bevölkerung wird sich im Herbst dann ein betrübliches Bild zeigen, wenn wir zur Schaffung der Verkehrssicherheit der Bahnstrecke die Bäume werden fällen müssen. Aber in zwei oder drei Jahren wird es schon wieder ganz anders aussehen“, hofft er. Auf die Natur und das Verständnis von Erholungssuchenden und Waldbesuchern aller Art, die sich zu früh empören und dem Forst rein wirtschaftliche Gründe unterstellen könnten.
Berens weist darauf hin, dass man im Forstamt Bienwald gemeinsam mit Experten der Feuerwehren bereits frühzeitig ein Waldbrandschutzkonzept entwickelt habe, das viele Aspekte mit einbezieht. Hierzu zählen regelmäßige Treffen mit Verantwortlichen der Feuerwehren mitsamt deren Übungen im Wald, ein Offenhalten der Hauptwege für Einsatzfahrzeuge oder auch die Reaktivierung dreier Löschteiche. „Ein Traum“ wäre zudem, dass auf dem alten Wasserturm von Büchelberg ein digitales Frühwarnsystem eingerichtet werden könnte. „Das ist aber sehr teuer und wird gerade geprüft“, sagt Berens.
Ein neuer Wald wird entstehen
Die Einnahmen aus dem Verkauf des brandgeschädigten Holzes werden hierzu sicher nicht reichen. Sofern noch geeignet, würden die Stämme tatsächlich laut Reis der Brennholzverwertung zugeführt: „Die Nachfrage ist in diesem Jahr exorbitant hoch.“ Dessen ungeachtet wird hier einstweilen dennoch ein neuer Wald entstehen. Reis rechnet mit Birken und vor allem Robinien als Pionierbäume: „Dazu kann ich mir vorstellen, dass sich auch Kiefern einsamen werden.“ Trotz dieses hoffnungsvollen Bildes bleibe die Waldbrandgefahr laut Astrid Berens auch künftig akut und jeder Waldbesucher dazu aufgerufen, diese gar nicht erst entstehen zu lassen. Das Forstamt Bienwald werde das Thema zudem verstärkt in den Fokus nehmen.