Gegenüber
Robert Schneider: Vom Schicksalsschlag zum Vorbild für Inklusion
Bei einem Trike-Unfall in Kandel im Juni vor 17 Jahren verletzte sich Schneider zwei Brustwirbel so stark, dass er seitdem von der Taille ab querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt. „Ich hatte wie eigentlich jeder, dem Ähnliches passiert, erst einmal jeden Lebensmut verloren, verfiel in tiefe Resignation“, erinnert sich der IT-Spezialist- und Trainer noch gut. Nach einem Klinikaufenthalt kam er in eine Reha-Einrichtung, erst gut eineinhalb Jahre nach dem Unfall ging es für ihn wieder heim. „Bis zu meinem Unfall hatte ich ein tolles Leben, war beruflich oft und viel in der ganzen Welt unterwegs, habe zwei wohl geratene Kinder und bin ein leidenschaftlicher Rockmusiker.“
In Reha-Klinik gearbeitet
Er habe aber großes Glück gehabt, dass die Reha-Klinik ihm während seines Aufenthaltes anbot, sein berufliches Wissen in der Klinik einzubringen. Und so war er „morgens IT-Trainer und nachmittags Reha-Patient“. Andere, neu eingelieferte Patienten, die sich in einer Lage wie er befanden, habe er aufbauen können. Auch sein bisheriger Arbeitgeber in Karlsruhe hielt ihm die Stange, zurück blieb die dauerhafte Lähmung seiner unteren Körperhälfte. Erst vor einem Jahr ging er nach einer Teilzeitphase in den Ruhestand.
Als anpackender Charakter nahm er sein verändertes Leben an. Der heute 67-Jährige kaufte sich ein neues Auto und ließ es für seine Bedürfnisse umbauen. „Das kostet alles in allem rund 104.000 Euro“, eine Summe, die er nicht alleine stemmen konnte. Also sah er sich nach Zuschuss-Möglichkeiten um, und fand sie in Form einer Stiftung. Immer mehr lernte er, wo er sich für seine neue Lebenssituation als Mensch mit Behinderung Hilfe holen kann. „So erfuhr ich von einem PS-Stammtisch für gehandicapte und trotzdem mobile Menschen in Kandel, dem ich mich anschloss.“
Für „Mobil mit Behinderung“ engagiert
Heute heißen diese Treffen „Mobil-Treff“ und finden regelmäßig in Karlsruhe statt. Bei den Treffs in Kandel lernte Schneider auch Heinrich Buschmann kennen, der ebenfalls in Rollstuhl sitzt und sich im Verein „Mobil mit Behinderung“ (MBB) engagiert. „Buschmann hat mich sofort ’verhaftet’, als er erfuhr, was ich beruflich mache. Und so wurde der Verein Mobil mit Behinderung zu einem wichtigen Teil meines Lebens.“ Robert Schneider kümmert sich seit 2009 um die digitale Infrastruktur des Vereins, er betreut die Homepage und pflegt die Kontakte von MBB.
Seit zehn Jahren ist er darüber hinaus Leiter des Kuratoriums der gemeinnützigen Stiftung zur Förderung der Inklusion durch Mobilität. Er verfasste Publikationen für die Stiftung, verwaltet die Stiftungsgelder mit und möchte Inklusion voranbringen. In seiner Wohnung in Rheinzabern, in die er nach seinem Unfall mit seiner Ehefrau zog, hat er sich ein eigenes Büro eingerichtet. Es ist nicht nur seine ehrenamtliche Arbeitsstätte, sondern auch sein Musikstudio. Denn er sei leidenschaftlicher Rockmusiker und spielt immer noch gerne auf seiner E-Gitarre. Die Begleitband habe er sich am Computer dazu programmiert.
Dorf: Positiver Umgang mit Behinderung
Über seine Auszeichnung habe er sich sehr gefreut, er sieht sie eher als einen Orden an und nicht nur als eine Medaille, erklärte er. „Solange es gesundheitlich geht, werde ich mich weiter engagieren“, blickt er nach vorne. Oder dann aufhören, wenn er abgewählt würde, was jedoch nicht zu erwarten sei. Eine Sache liege ihm noch sehr am Herzen, ergänzt er. „Hier in Rheinzabern wird anders, positiver mit Menschen im Rollstuhl umgegangen als anderswo. Ich werde als Mensch wahrgenommen, mit wird Hilfe angeboten, ich und nicht mein Rollstuhl stehe im Vordergrund.“ Als Beweis für das gute Miteinander steht während des Interviews plötzlich die Nachbarin mit Blumen im Zimmer und gratuliert Robert Schneider mit einer herzlichen Umarmung zum Geburtstag, wünscht ihm noch ein langes Leben und weiter eine so angenehme Nachbarschaft wie bisher.