Landau / Hagenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Reiterhof in Flammen: Angeklagter muss sich nun vor Gericht verantworten

August 2024: Der Reiterhof steht lichterloh in Flammen.
August 2024: Der Reiterhof steht lichterloh in Flammen.

Seine Sucht zerstörte die Leben aller um ihn herum. Ein Mann steht nun vor dem Amtsgericht Landau, weil er einen Reiterhof in Hagenbach in Brand gesteckt haben soll.

Rund 80 Feuerwehrleute waren vor einem Jahr im Einsatz, als bei einem Pferdestall in Hagenbach die Flammen loderten. Das Feuer war von Heuballen auf zwei Reitstallungen übergesprungen. Schnell machte im Dorf das Gerücht die Runde, dass es sich um Brandstiftung gehandelt haben könnte. Denn der Ex-Partner der Besitzerin hatte im Vorfeld via Whatsapp nicht sehr subtile Drohungen veröffentlicht.

Dabei ist der Brand nur eines von vielen Vergehen, die dem Mann vorgeworfen werden. Sein Leben scheint geprägt von Suchtproblemen, Aggressivität und krankhafter Eifersucht. Bei Konflikten mit aktuellen und ehemaligen Partnerinnen wird er laut Anklageschrift jähzornig und brandgefährlich. So soll er seine Freundin bei einer Autofahrt bezichtigt haben, bei einer Feiernacht in Karlsruhe mit anderen Männern getanzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, der Frau im fahrenden Auto ins Gesicht geschlagen und sie dann mit einem Messer bedroht zu haben. Der Frau sei es schließlich gelungen, in Todesangst die Flucht zu ergreifen, als er gerade ihr Handy auf mögliche Hinweise auf Untreue überprüft habe. Vor Gericht verweigerte die Frau allerdings die Aussage, die beiden sind inzwischen wieder ein Paar und verlobt.

Partnerinnen bedroht und geschlagen

Bei zwei Ex-Partnerinnen, Mütter gemeinsamer Kinder mit dem Angeklagten, sieht es anders aus. Eine äußerte sich nun vor Gericht zu Beleidigungen und Todesdrohungen des Angeklagten. Auslöser dafür sei sein Wunsch gewesen, seine beiden Söhne an seinem Geburtstag bei sich zu haben. „Grundsätzlich wäre das für mich in Ordnung“, erklärt die Zeugin. „Es war mir nur nicht Recht, dass seine Freundin dabei ist. Die schlagen sich regelmäßig die Köpfe ein.“ Und davon wolle sie die Kinder fernhalten. Der Angeklagte habe darauf mit wüsten Beleidigungen reagiert, und der Drohung, er würde ihr die Kehle aufschlitzen.

„Ich habe gelernt, dass ich mir das nicht anhören muss“, so die Frau. Den Angeklagten kennt sie seit gut 20 Jahren. In dieser Zeit sei er eigentlich durchgehend alkohol- und kokainabhängig gewesen, mit nur ganz wenigen Pausen von je ein paar Monaten. An den Aussagen des Angeklagten, er sei inzwischen seit einigen Monaten nüchtern, äußerte sie Zweifel. „Er postet ja ständig Bilder vom Ballermann, von Ibiza und von Festivals, da sieht er nicht sehr nüchtern aus“, begründete sie das.

Drohmails und Psychoterror

Die Besitzerin des Pferdehofs nahm ebenfalls auf dem Zeugenstand Platz. Auch sie hat ein Kind mit dem Angeklagten. Ihre Erfahrungen scheinen sich mit denen der anderen Zeugin zu decken. Nachdem sie Mitte 2020 mit ihm zusammenkam, sei sie relativ schnell schwanger geworden. Seine Sucht habe er zunächst vor ihr verheimlicht. Nachdem sein Verhalten immer unmöglicher geworden sei, habe sie ihn Anfang 2022 aus dem Haus geworfen.

Die Frau erzählte von den schmerzhaften Nachwehen ihrer Beziehung, die in dem Brand ihres Reiterhofs gegipfelt seien. Von Drohmails und Psychoterror, mit denen sie zu kämpfen hatte. Da gab es zum Beispiel ein Foto vom Grab ihres Vaters, mit der Bildunterschrift: „Neben deinem Papa ist noch ein Platz frei.“ Eine frühere Anklage habe sie fallen gelassen, nachdem die Übergriffe temporär nachgelassen hätten. „Ich dachte mir: Hoffentlich hört es jetzt einfach auf. Es hilft dir ja eh keiner.“ Ihr Kind versuche sie nach wie vor, von den traumatischen Vorgängen abzuschirmen. Die Eskalation im August 2024 blieb diesem aber nicht erspart.

Brandstiftung quasi angekündigt

Der Auslöser war laut der Zeugin derselbe wie bei der anderen Ex-Partnerin: Die Forderung des Angeklagten, sein Kind beim Geburtstag dabei zu haben. Doch hier ließ er es laut der Zeugin nicht bei Beleidigungen und Drohungen bewenden. Die Brandstiftung auf dem Reithof kündigte er allem Anschein nach auf dreisteste Art und Weise an. In den sozialen Medien teilte er ein Bild, auf dem ein Feuer zu sehen ist, mit dem Kommentar: „Im Umgang mit Feuer muss man vorsichtig sein, ruckzuck ist alles Asche.“ Und ein weiteres mit dem Untertitel: „Immer einen Feuerlöscher bereithalten.“ Bereits vor der Tat habe sie die Beiträge hundertfach von besorgten Dorfbewohnern zugeschickt bekommen. Die Polizei sei informiert gewesen und habe regelmäßig die Umgebung patrouilliert. Doch es half nichts.

Der letztlich entstandene Schaden ist schwer zu beziffern. „Das gerade erst geerntete Heu und Stroh wird um die 4500 Euro wert gewesen sein. Die Reithallen hatte mein Vater damals ohne Baugenehmigung, aber vom Amt geduldet, errichtet. Deswegen waren sie auch nicht versichert. Damals wird das etwa 30.000 Euro gekostet haben, ein Neubau heute ist deutlich teurer.“ Besonders tragisch ist dabei, dass es sich bei dem Hof um ein Ort für Reittherapie handelt, bei dem viele Kinder in Behandlung sind. Der Betrieb ist inzwischen wieder notdürftig möglich. Einen Unterstand bei schlechtem Wetter etwa gibt es jetzt aber nicht mehr. Die Frau versucht, durch Spenden die Mittel für einen Wiederaufbau zusammenzubekommen.

Der Angeklagte setzte sein Verhalten wohl auch nach der Tat fort. So postete er in den sozialen Medien spöttische Songtitel der Band Rammstein, die auf ihren Konzerten für große Feuershows bekannt sind: „Feuer Frei“ und „Mein Herz brennt“. Die Zeugin will den Mann auch am Folgetag entdeckt haben, wie er die Aufräumarbeiten beobachtete und sich dabei betrank. Die Ex-Frau gab weiter zu Protokoll, bei einem früheren Streit am Reiterhof habe der Mann versucht, eine Polizistin zu überfahren. Der Fall steht bei diesem Prozess aber nicht zur Verhandlung an. Sehr wohl aber ein Vorfall, bei dem der Angeklagte am Wörther Bahnhof einen Jugendlichen verprügelt haben soll, der angeblich seinen Sohn beleidigt hat. Das Verfahren wird am 9. Dezember fortgesetzt.

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