Kandel
Ratssaal ist zum Französisch lernen gerade groß genug
Mit „Freizeit statt Corona-Frust“ wirbt die Volkshochschule Kandel für ihr Herbst-/Winterprogramm. Die Kursangebote sind weniger, „doch der Aufwand dafür ist wesentlich höher“, beschreibt Geschäftsführer Heinz Wüst. Die „Corona-Schließung“ traf fast nur auf verständnisvolle Kunden und Dozenten, verursachte aber „eine Zeit des wilden Telefonierens“ mit anschließend aufwendigen Organisations- und Hygienemaßnahmen. Deshalb startet das ausgedünnte Herbst-Winter-Programm, das nur per Amtsblatt verteilt wurde mit einem „Ernsten Aufruf in eigener Sache“. Die VHS Kandel ist von der Pandemie finanziell schwer getroffen, da im Frühjahr fast keine Kurse stattfanden, gab es kaum Einnahmen. Schließlich laufen aber Ausgaben, wie zum Beispiel Gehälter zweier Mitarbeiterinnen weiter. So schaut sich Wüst prüfend die täglichen Kassenstände an, „genaue Zahlen wird es erst bei der Endabrechnung geben, doch das Wellentief kratzt stark an den Rücklagen“.
Die Stadt Kandel biete zwar Unterstützung, wie Vorsitzender Werner Esser und Wüst lobend erwähnen, doch die VHS Kandel muss sich als gemeinnütziger Verein selbst finanzieren. Gegründet wurde er als Volksbildungswerk im Oktober 1955 von dem damaligen Bürgermeister Oskar Böhm zusammen mit dem Gewerbestudienrat Helm Magold, mit dem vorrangigen Ziel, Schul- und Allgemeinbildung nachzuholen, die in den Kriegszeiten nicht erreicht werden konnte. Seither ist die VHS Kandel eigenständig und nicht der Kreisvolkshochschule Germersheim angeschlossen, somit ist auch ihr Programm dort nicht veröffentlicht.
Mehr Teilnehmer für stabile Kassenlage
Es kommen zwar auch Teilnehmer aus umliegenden Gemeinden wie Hagenbach, Wörth oder dem Raum Bergzabern, „doch es gilt dringend unsere Teilnehmerzahl zu steigern“, rechnet Wüst. Erst ab acht Teilnehmer kann ein Kurs stattfinden, mehr Kunden seien aber dringend notwendig für eine stabile Kasssenlage. Derzeit spüre man allerdings Zurückhaltung bei Kursbesuchen, wohl aus Angst vor Ansteckung.
Den Hygieneregeln entsprechend mussten daher inzwischen, trotz angespannter Raumsituation in Kandel, großzügigere Unterrichtsräume gefunden werden, um vor allem bei Sport- und Sprachkursen Abstand zu gewährleisten. Im Haus am Plätzel, in dem viele Sprachkurse stattfanden, schätzten viele Teilnehmer bisher die gemütliche Atmosphäre, doch die Räume sind zu klein.
Deshalb wird nun selbst im Kandeler Ratssaal „französisch parliert“. Engpässe bei den Räumlichkeiten sind auch ein großes Hemmnis für weitere Angebote. Nicht stattfinden können derzeit auch Einzeltermine und Kochkurse, so dass die bisher über 100 Kursangebote zu den hauptsächlichen Themen Sprachen, Gesundheit und Kultur auf etwa 60 reduziert werden mussten. „Leider trifft das auch unsere Dozenten zum Teil hart“. Und all diese Sorgen treffen viele Volkshochschulen im Land, weiß Werner Esser, der seit 25 Jahren Vorstand des Vereins ist. Vom Land und dem VHS-Verband kommen zwar Zusagen für Unterstützung, doch es gebe derzeit allgemein zu viele Unwägbarkeiten in der Planung, darunter leide auch die Kreativität, neue Kurse und Aktivitäten zu starten.
„Waldbaden“ wird jetzt nachgeholt
Neu im Angebot – und im Frühling vor dem Lockdown gut nachgefragt – ist das Angebot „Waldbaden“, das von Karin Stattmüller-Ehrhardt am Sonntag 11. Oktober, von 10 bis 13 Uhr stattfindet.
„Muss ich da Bäume umarmen, oder legt man sich etwa ins Laub“, solch neckische Fragen erlebt Karin Stattmüller-Ehrhardt schon mal zu Beginn des „Waldbadens“. Doch die meist weiblichen Kursteilnehmerinnen lassen sich gerne erwartungsvoll auf diese drei Stunden Walderlebnis mit „absichtslosem Schlendern“ ein. Damit unterscheidet sich „Shinrin Yoku“ von Wandern, einer Naturführung oder gar Survival-Training. Nach einem kurzen Kennenlernen ihrer Teilnehmer samt deren Wünsche und Probleme wird die Referentin erste Übungen bereithalten. „Für Huddelige habe ich ein Fadenspiel und Stressgeplagte werde ich zur Langsamkeit hinführen“. Auch für das sich ständig kreisende Sorgenkarussell, für hohen Blutdruck oder hohe Zuckerwerte verspricht sie hilfreiche Rituale.
Mit großem Respekt vor der umgebenden Natur und in Ruhe, möglichst ohne Handy oder Uhr werden alle Sinne aktiviert, wenn die Achtsamkeit auf die Geräusche des Waldes, das Vogelgezwitscher oder Rauschen der Bäume gelenkt wirdMit Atemtechniken lässt es sich prima zur Ruhe kommen und bewusst die würzige Waldluft einatmen. Es gilt Baumrinden oder Blätter zu fühlen, Tannennadeln zu riechen oder im Sommer Brombeeren zu schmecken.
Die Besucher kommen zur Ruhe, Ängste werden kleiner. Von sehr positive Erfahrungen bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten berichtet Regina Fabian, die Waldbaden bei der VHS Bellheim anbietet. „Der Wald hat magische Wirkung auf Menschen, sehr berührend erlebte sie ein achtjähriges russisches Mädchen, das ganz innig einen Baum umarmte, „weil sie von der Oma gelernt hatte, dass dies Kraft gibt“.
Kontakt
Die Geschäftsstelle ist im Rathaus Hauptstr. 61 und Montag bis Donnerstag von 8 bis 12 Uhr geöffnet. E-Mail: Anmeldung@vhs-kandel.de.
Anmeldungen zu „Waldbaden“, Sonntag 11. Oktober, von 10 bis 13 Uhr, werden noch entgegen genommen