Westheim RHEINPFALZ Plus Artikel Raser sollen ausgebremst werden

Lkw, die nicht ins Dorf gehören, sollen auf Bundesstraßen ausweichen.
Lkw, die nicht ins Dorf gehören, sollen auf Bundesstraßen ausweichen.

Immer mehr Raser: Weil Fahrer vor allem an den Westheimer Ortseingängen immer öfter deutlich zu schnell fahren und für gefährliche Situationen sorgen, schafft die Kommune nun zwei Geschwindigkeitsanzeigetafeln an. Die Gemeinde will nicht nur an das Gewissen der Verkehrsteilnehmer appellieren, sondern strebt damit ein noch viel wichtigeres Ziel an.

Beim Thema Verkehr – die anvisierte Öffnung des Hirschgrabens ausgenommen – ist sich der Ortsgemeinderat Westheim einig: FWG, SPD und CDU wollen Raser bremsen, Bürger dadurch schützen. Immer wieder klingt das Problem bei Sitzungen an. Getan hat sich aber noch nicht viel. Grund: Die betroffenen Straßen sind Landesstraßen. Für diese ist das Land, also der Landesbetrieb Mobilität (LBM) zuständig. Auf Antrag der FWG hatte der Rat bereits im November einstimmig beschlossen, dass 2020 zwei Geschwindigkeitsanzeigetafeln angeschafft werden sollen. Nun hat der Rat den Auftrag ebenfalls einstimmig erteilt. Kosten: knapp 4500 Euro.

Weil auch Schwegenheim zwei Geräte will, haben sich beide Gemeinden zusammengetan und vier Anzeigetafeln bestellt. Vorteil: 30 Prozent Rabatt. Laut Michael Kolesnikow vom Ordnungsamt zeigen und speichern die Tafeln gefahrene Geschwindigkeiten, reagieren bei Überschreitung und zählen zudem die Autos: „In Lustadt wurden 2019 solche Tafeln installiert und nur gute Erfahrungen mit diesem System gemacht“, führt er auf der Sitzungsvorlage aus. Ortsbürgermeisterin Susanne Grabau (FWG) will die Daten mit Unterstützung des Beigeordneten Sascha Gießler und eventuell eines Gemeindebediensteten regelmäßig auswerten. Die Standorte der Geräte sollen „durchaus mal gewechselt werden“, betonte sie.

FWG-Sprecher Serafettin Yöndem hält die Anschaffung für „sinnvoll und gut“: „Es schreckt ab, wenn man es blinken sieht.“ Wegen sichtbarer Tempoüberschreitungen befürwortet auch Heinz Rankel (CDU) den Kauf. Sein Vorschlag, den der zuständige Beigeordnete Sascha Gießler (FWG) aufnahm: die ermittelten Daten bei den Behörden vorzulegen – mit dem Ziel, Tempo 30 zu bekommen. „Am Ball bleiben!“, bekräftigte Markus Simon (SPD): „Es kann so nicht weitergehen!“ SPD-Sprecher Alexander Dietz bestätigte: „Wir müssen etwas machen, um den Verkehr in Westheim zu stoppen, zu verlangsamen.“ Kritik übte er erneut an der „gefährlichen Bushaltestelle“ in der Unteren Straße am Ortseingang aus Lingenfeld kommend: „Ich muss feststellen, dass im letzten halben Jahr noch nichts gemacht wurde.“ Grabau informierte, dass dort ein Großplakat installiert werden soll. Mittlerweile steht das Plakat. Es fordert Fahrer dazu auf, den Fuß vom Gas zu nehmen.

KOMMENTAR: Druck machen!

Innerorts Tempo 30 und Lkw-Durchfahrtsverbote müssen endlich zur Regel werden: Gesundheit ist wichtiger als Mobilität!

Der Durchgangsverkehr in vielen Kommunen nimmt zu: Fußgänger und Radfahrer fühlen sich unsicher. Vor allem aber Bürger, die an Durchfahrtsstraßen leben, müssen das ausbaden, werden oft krank oder dazu genötigt, wegzuziehen: Sie sind nicht nur lärmgeplagt, sondern durch rücksichtslose Raser und zunehmenden Lkw-Verkehr auch immer stärker gefährdet.

Auch im Kreis Germersheim wenden sich viele Kommunen hilfesuchend an das Land, das für Landesstraßen zuständig ist – und fordern Tempo 30. Zurecht! Zugegeben: Es gibt Erfolge: Bellheim, Knittelsheim, Ottersheim. Oft dürfen Kommunen Tempo 30 aber nur in bestimmten Bereichen – und meist dann nur temporär, nachts, anordnen, weil nur dann Lärmwerte überschritten werden. Ein Problem: Die Unteren Straßenverkehrsbehörden, die Verbandsgemeinden und Städte, können Tempo 30 anordnen, sind bei Kreis- und Landesstraßen dazu aber nicht befugt. Schreibtischkompetenz ist also offenbar entscheidender als Vor-Ort-Kompetenz! Ein Unding!

Ebenfalls ein Unding: Dass vorhandene Gefahrenlagen immer noch eine untergeordnete Rolle bei der Bewilligung spielen. Nicht nachvollziehbar ist zudem, dass richtigerweise vor Schulen, Kitas, Altenheimen und Krankenhäusern Tempo 30 möglich ist, an Bushaltestellen aber nicht. Hilfeschreie von Kommunen nach Tempo 30 generell verhallen. Innerorts diese abgesenkte Regelgeschwindigkeit einzuführen, um Fahrer dazu zu bringen, auf außerörtliche Straßen auszuweichen – und zudem Lkw, die nichts im Ort zu suchen haben, aus Kommunen zu verbannen, wäre aber genau der richtige Weg. Dazu muss die Straßenverkehrsordnung geändert werden. Die nächsten Wochen bieten eine günstige Gelegenheit, richtig Druck auf Landes- und Bundespolitiker zu machen. 2021 sind Landtags- und Bundestagswahlen. Ein Umdenken ist überfällig: Die Gesundheit und der Schutz der Bürger muss endlich Vorrang vor grenzenloser Mobilität haben!

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