Was Leser ärgert RHEINPFALZ Plus Artikel Radwege: Klaffende Lücke zwischen Marketing und Realität

Verschmutzter Radweg bei Hatzenbühl.
Verschmutzter Radweg bei Hatzenbühl.

Radweg ist noch lange nicht Radweg. Vielfach sind in der Südpfalz Radwege auf Wirtschaftswegen ausgewiesen – und entsprechend verschmutzt. Darüber ärgert sich August Ochsenreither und nennt Beispiele.

„Die Region Südpfalz macht viel Werbung mit einem gut ausgebauten Radwegenetz, um Touristen anzulocken. Doch die Realität sieht leider anders aus. Zu einem Großteil handelt es sich um Wirtschaftswege, auf denen Radfahrer im besten Fall geduldet sind.“ Zu diesem Urteil kommt August Ochsenreither aus Leimersheim. Der 64-jährige Rentner ist begeisterter Radfahrer. Nach eigenen Angaben legt er seit dem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 10.000 Kilometer mit seinem Drahtesel zurück, seine Ehefrau schafft immerhin 5000 Kilometer jährlich.

Ochsenreither nennt zahlreiche Beispiele von Radverbindungen, wo der Dreck festgefahren ist und sich teilweise eine bis zu 15 Zentimeter hohe Schmutzschicht angesammelt habe: Die Verbindungen zwischen Kuhardt und Rülzheim, Hördt und Bellheim oder Kandel und Steinweiler. Kürzlich war der Radweg von Rheinzabern nach Kandel in Höhe des Adamshofes sehr verschmutzt. Als Verursacher macht er die Landwirte verantwortlich, die ihrer Reinigungspflicht nach der Arbeit auf ihren Äckern nicht oder nur teilweise nachkommen würden. Mit den Landwirten selbst Kontakt aufnehmen will er aus Furcht vor massiven Reaktionen nicht.

Verwaltung verspricht Abhilfe – erfolglos

Dafür habe er schon mehrfach erfolglos die zuständigen Verbandsgemeindeverwaltungen in Rülzheim und Kandel kontaktiert. Einmal habe ihn Hubert Dudenhöffer, Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Rülzheim, zurückgerufen. Dabei ging es um die Verschmutzung des asphaltierten Weges zwischen Rülzheim und Bellheim im Bereich der B9. „Er hat mir versichert, mit dem betroffenen Landwirt persönlich gesprochen zu haben, und dieser die Reinigung zugesagt habe. Doch gebracht hat es nichts“, so Ochsenreither.

Zudem kritisiert er, dass die Löcher neben den Wegen immer wieder mit grobem Schotter zugeschüttet werden. Die großen Steine würden durch die schweren Maschinen herausgefahren und sich dann auf der ganzen Fahrbahn verteilen. Auf dem Weg zum Jockgrimer Polder hat der Leimersheimer einen dieser großen Steine übersehen. Er fuhr darüber und hat sich die Carbonfelge seines Fahrrads ruiniert, den Schaden beziffert er auf rund 800 Euro.

Wirtschaftswege können nicht picobello sein

Kai Scherrer ist beim Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Kandel für die Radwege zuständig. Er bringt den Landwirten mehr Verständnis entgegen: „Die Radfahrer können nicht erwarten, dass alle Wege stets picobello sind. Wenn Landwirte ihre Felder bestellen, entsteht einfach Dreck. Doch wir gehen Bürgerbeschwerden stets nach, in der Regel gibt es mit den Bauern keine Probleme.“ Bei der angesprochenen Stelle am Adamshof handele es sich um einen kombinierten Rad- und Wirtschaftsweg. Für diese Kategorie sei die Verkehrssicherungspflicht nicht so stringent wie bei reinen Radwegen.

Ähnlich schildert es Moritz Wolff vom Rülzheimer Ordnungsamt: „Die meisten von den Bürgern als Radweg wahrgenommenen Wege zwischen den Ortschaften sind straßenrechtlich eigentlich Wirtschaftswege, auf denen durch Beschilderung das Befahren mit Fahrrädern nach Straßen-Verkehrsordnung zugelassen ist.“ Wolff versichert, dass auch in Rülzheim diesen Beschwerden nachgegangen und mit dem Vorsitzenden der jeweiligen örtlichen Bauernschaft gesprochen werde. Es gebe nur sehr vereinzelt Beschwerden und diese seien meist saisonal bedingt.

Zu wenig Geld für Bienwald-Radweg

Ochsenreither spricht sich gegen den geplanten Bau eines Radwegs zwischen Steinfeld und Scheibenhardt durch den Bienwald aus. Er meint: „Das dafür veranschlagte Geld reicht sicher nicht aus, um das Vorhaben richtig und ordentlich umzusetzen.“ Er schlägt eine Verbesserung der bestehenden Trassenwege im Wald als Alternative vor.

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