Was Leser ärgert RHEINPFALZ Plus Artikel Radtouristen zur Weiterfahrt gezwungen

Nach einem langen Tag auf dem Fahrrad sind Radtouristen oft froh ihr Ziel erreicht zu haben.
Nach einem langen Tag auf dem Fahrrad sind Radtouristen oft froh ihr Ziel erreicht zu haben.

Nicht überall, wo ein Campingplatz sein soll, gibt es auch einen. Radfahrer, die nach einem langen Tag erschöpft ankommen, müssen weiterfahren. Aus Sicht der Dauercamper gibt es durchaus Möglichkeiten.

Regelmäßig treffen am Campingplatz in Sondernheim Radreisende ein, sagt Ernst Schramm. Er ist einer der Dauercamper auf dem Sondernheimer Campingplatz am Baggersee. Meist seien es Deutsche, Schweizer, Franzosen, Belgier, Holländer, Engländer, Dänen und Schweden. Sie kämen nach einem langen Tag auf dem Fahrrad „meistens in der Zeit von 17 bis 20 Uhr“. Teilweise haben sie viele Kilometer in den Beinen und freuen sich endlich am Tagesziel zu sein, erzählt Schramm. Erholen von ihrer Reise können sie sich jedoch nicht. „Sie werden wieder weggeschickt.“ Das geschah auch der Familie, „die um 19 Uhr, mit zwei Kindern ankam“, berichtet der Dauercamper. Wie vielen anderen in den vergangenen Tagen auch.

Der Grund? Campen wird auf dem weitläufigen Wiesengelände des Campingplatzes in Sondernheim nicht geduldet. Immer wieder gebe es Diskussionen: „Wir wollen doch nur über Nacht bleiben!“, „Wir sind fix und fertig!“, berichtet Schramm – auch im Namen anderer Dauercamper. Das Problem sei, dass diese Leute zum Campingplatz gelockt werden. Einfach ins Internet gehen und „Campingplatz Sondernheim“ bei Google eingeben. Es kommen Treffer zum Beispiel von gocampingplatz.de: Zeltplatz Campingplatz Sondernheim sei ein Campingplatz in Germersheim. Bei mapcarta.com heißt es: Campingplatz Sondernheim ist ein Campingplatz in Rheinland-Pfalz in der Germersheimer Straße und liegt in der Nähe des Schützenhauses am See. Der häufig von Radtouristen genutzte Routenplaner von Google Maps weist auf den Platz ebenfalls hin.

Fehlende Voraussetzungen

Aus Schramms Sicht gibt sich Germersheim gerne bunt und weltoffen. „Zeigt aber hier das genaue Gegenteil. Germersheim ist sogar zynisch und schickt die ermüdeten Menschen in eine ungewisse Weiterfahrt“, sagt Schramm. Peter Bumiller, dessen Mutter zum größten Teil Besitzerin des Dauercampingplatzes ist, den kleineren Teil haben die Sondernheimer Schützen gepachtet, kennt das Problem und sagt, dass die Situation nicht befriedigend ist, „sollte so nicht sein“. Es könne eigentlich nicht sein, dass jemand übermüdet weiterfahren muss. Doch würde man die Radtouristen aufnehmen wollen, müsste eine Rezeption her, denn dort müssten die Karten für die Nutzung der Sanitäranlagen ausgegeben, Formalitäten erledigt werden. Seien die Radfahrer bereit, ihren Personalausweis für die Karten zu hinterlegen? Dürfe man das rein rechtlich überhaupt fordern?, fragt sich Bumiller. Ebenfalls müsste ein Bereich geschaffen werden, wo die Übernachtungsgäste ihr Geschirr waschen können. „Die Dauercamper machen dies auf ihren Plätzen“, sagt Bumiller. Es gebe Vorschriften.

Aus seiner Sicht lohne sich das alles nicht, da der Campingplatz, der nur aus Dauercampern besteht, zu einem Wochenendgebiet umgestaltet werden soll. Dass das keine Lösung für das Problem mit den Radfahrern ist, sieht Bumiller auch. Eine Lösung hat er aber ebenfalls nicht. Es sei auch schon vorgekommen, dass Dauercamper Radfahrern erlaubt hätten, auf ihren Parzellen zu campen und sie ihnen ihre Sanitärkarte zur Verfügung gestellt hatten. „Das weiß ich auch und das geht nicht“, sagt Bumiller. So etwas sei nicht gewollt. Entsprechend habe die Platzwartin die Dauercamper auch ermahnt.

Stadtrat gefordert

Ernst Schramm fordert den Germersheimer Stadtrat auf, sich der Sache anzunehmen und eine Lösung zu schaffen. Denkbar für Schramm und einige Dauercamper ist, die „Eintragung im Internet zu löschen“. „Das haben wir schon versucht“, sagt Bumiller. Mehrmals seien die entsprechenden Seitenbetreiber angeschrieben worden. Doch deren Bereitschaft sei nicht groß, einen Eintrag zu löschen. Schließlich sei eine große Zahl von Campingplätzen deren Geschäftsmodell förderlich. Die großen Anbieter wie der Campingclub Europa oder der ADAC weisen für Germersheim und Sondernheim übrigens keinen Campingplatz aus.

Schramm sieht als weitere Möglichkeit, eine Campingmöglichkeit für die Gruppe der Radfahrer zu schaffen. Das wäre vielleicht auch beim VfR am Sportplatz in nächster Nähe möglich, der ebenfalls eine Wiese habe. Dann würden die Stadt oder Vereine gemäß dem Motto handeln, „wir freuen uns auch auf Radtouristen“. Die schlechteste Möglichkeit sei es jedenfalls, die Leute nach Lingenfeld zurückzuschicken oder sie nach Karlsruhe oder Lauterbourg weiterfahren zu lassen.

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