Kandel
Radfahren für bessere Luft
Beim Klimaschutz sind alle gefordert. Energie sparen und Abgase vermindern heißt die Devise. Dass hierbei das Fahrradfahren einen guten Beitrag leisten kann, zeigt das Projekt „Stadtradeln“ auf wunderbar anschauliche Weise. Wer mitmacht, dokumentiert seine geradelten Kilometer online über App oder Homepage, wo dann umgerechnet wird, wie viel Kilogramm CO2 dadurch im Verhältnis zu entsprechenden PKW-Strecken vermieden wurden.
Das öffnet Augen. Denn ein mit dem Rad gefahrener Kilometer, der eine Autofahrt ersetzt, spart durchschnittlich etwa 147 Gramm CO2-Emissionen ein, was sich über längere Zeit hübsch summiert. Wenn zudem mehrere Menschen aufs Rad umsteigen, werden rasch einige Tonnen an Emissionen eingespart. „Klimaschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, sagt die Klimaschutzmanagerin der Verbandsgemeinde, Victoria Singler, und erklärt, dass man beim Stadtradeln deshalb im Team, das aus mindestens drei Leuten besteht, teilnimmt. Entweder bildet man selbst eine Gruppe oder man schließt sich einer bestehenden an. Anmeldung ist ab sofort möglich.
Die Personenwagen machen den meisten Dreck
Los geht es am 1. September. Dann zählt jeder Kilometer bis einschließlich 21. September, wenn Bilanz gezogen wird. „Kandel macht dieses Jahr zum ersten Mal mit“, sagt Singler und sie betont, dass das Stadtradeln eine Art Motivationsschub sein soll. Denn die Verbandsgemeinde hat in puncto Klimaschutz ehrgeizige Ziele. Im bilanzierten Mittelwert verursachte noch 1990 jeder Kandeler 7,9 Tonnen der schädlichen CO2-Emissionen. Sie sollen bis 2030 um 55 Prozent auf 3,8 Tonnen gedrosselt werden, wie es die Verbandsgemeinde in ihrem Klimaschutzkonzept formuliert hat.
Der mit Daten aus 2017 erstellte Abschlussbericht dieses Konzepts legt offen, dass der Autoverkehr in Kandel und seinen Kommunen mit 107.300 Megawattstunden (MWh) pro Jahr einen erheblichen Anteil am Gesamtenergieverbrauch hat. Zum Vergleich: Industrie, Gewerbe, Handel, Dienstleistung verbrauchen 32.000 MWh pro Jahr. Demnach ist Energiesparen bei der Mobilität dringend notwendig. Von allen 12.676 zugelassenen Kraftfahrzeugen in der Verbandsgemeinde hat der Pkw einen Anteil von 81,6 Prozent. Die allermeisten Pkw verbrennen Diesel oder Benzin, so dass die Luftverschmutzung zu einem großen Teil auf ihr Konto geht.
Bewusstsein für den Klimaschutz wecken
Wie viele Pkw-Fahrten privat oder geschäftlich sind, wie viele zwingend notwendig oder unnötig und ersetzbar sind – dazu gibt es keine Statistik. Und es wäre auch problematisch zu definieren, welche Kilometer als unnötig oder ersetzbar einzuordnen wären. Das müssen alle für sich selbst herausfinden. Das ökologische Gewissen ist hier gefragt und genau darauf zielt das Stadtradeln. „Das Bewusstsein für den Klimaschutz muss sich ändern“, sagt Singler, die vor allem auf Information setzt und deshalb das aufklärerische Betreiben des in 27 europäischen Ländern aktiven Klima-Bündnis e. V. so überzeugend findet.
Ratsmitglieder fehlen noch als Vorbilder
Beim Stadtradeln gibt es innerhalb der Verbandsgemeinde einerseits die Gewinner, die am meisten Kilometer geradelt sind. Andererseits wird auch ein Ranking unter den Kommunen erstellt und das Klima-Bündnis zeichnet das fahrradaktivste Kommunalparlament aus. Wobei: Von insgesamt 128 Parlamentariern hatten sich Ende Juli erst 5 angemeldet. Da hat Kandel also noch Potenzial. Die Kommune Wörth am Rhein macht auch mit. Dort ist mit 5 von 39 Parlamentariern die Quote etwas besser.
Das Stadtradeln hat aber noch einen weiteren Effekt. Über das Tool RADar können Teilnehmer melden, wo Radwege nicht vernünftig geführt werden oder Schlaglöcher das Fahren gefährlich machen. Für die Verwaltung ist das eine günstige Informationsquelle. So weiß sie, wo die Verkehrsführung überprüft und Schlaglöcher ausgeteert werden müssen. Wer übrigens nicht so internetaffin ist, kann seine Radkilometer auch über Meldebögen an die Verwaltung geben. Klimaschutzmanagerin Victoria Singler trägt es dann online ein.