Was Leser ärgert
Putzaktion am Erlenbach sorgt für Unmut
Der Erlenbach plätschert zwischen dem Altort und dem Hardtwald dahin. Die Böschung auf der Seite Richtung Hardtwald ist deutlich höher als das gegenüberliegende Bachufer. „Das ärgert mich dermaßen“, sagt der Neupotzer Georg Trapp. Würde das abgetragene Material auf der dorfnahen Seite aufgefüllt, wäre dies nach Meinung des Feuerwehrmanns ein zusätzlicher Schutz für die Anwohner bei Starkregen: „Das kostet uns nichts, aber wir haben zusätzliche Sicherheit.“ Schon zweimal stand ein landwirtschaftlicher Hof unter Wasser, als der Bach über sein Ufer trat, zuletzt 2016, erinnert sich Trapp.
Es würde – zumindest auf dem Abschnitt in Fließrichtung hinter der Brücke am Ortseingang – immer nur die ein- und dieselbe Seite aufgeschüttet, erzählt Trapp, der 30 Jahre lang Wehrführer im Ort war. „Das versteht bei uns im Ort niemand.“ Vor der Brücke werde das Material auf der anderen Seite abgelegt. „Da geht es und da nicht.“ Er plädiert dafür, dass die Dämme auf beiden Uferseiten gleich hoch sind. Im November, kurz nachdem der Erlenbach wieder gesäubert und ausgebaggert worden war, habe sich auch der Gemeinderat mit dem Thema beschäftigt. Und sich laut Trapp dafür ausgesprochen, dass das Material künftig dort aufgeschüttet wird, wo die Böschung am tiefsten ist.
Drei Neupotzer rufen den Bürgermeister
Anfang der Woche traute Georg Trapp dann seinen Augen nicht: Der Schlick landete wieder auf der seiner Ansicht nach „falschen“ Seite. Richtung Hardtwald, der ja ohnehin viel höher als der alte Ortskern liegt. Trapp hat daraufhin den Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Karl Dieter Wünstel, zum Ort des Geschehens gerufen. Dieser sei sofort zum Erlenbach gekommen und habe „lange verhandelt mit dem Arbeiter“. Der Baggerfahrer habe dann aber unbeirrt mit seiner Arbeit weitergemacht.
Sogar drei Neupotzer hätten ihn innerhalb kurzer Zeit verständigt, bestätigt Wünstel auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Da waren die Arbeiten aber schon weit fortgeschritten. Der Fahrer führe Anweisungen des Entwässerungsverbands Obere Rheinniederung mit Sitz in Hagenbach durch. Dieser untersteht wiederum der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd Neustadt. Mit beiden Stellen hat Wünstel das Gespräch gesucht. Das Ergebnis: Laut SGD bestehe am Erlenbach keine Gefahr durch Überflutung und die Aufschüttung erfolge bewusst auf der ortsabgewandten Seite.
SGD sieht keine große Gefahr
„Es wurden lediglich Mäharbeiten durchgeführt mit dem Ziel, die Abflussfähigkeit des Gewässers zu erhalten“, teilt die SGD-Pressestelle auf Anfrage mit. Das Material werde auf der Seite abgelegt, auf der die Arbeiten ausgeführt werden – denn da verlaufe auch der Gewässerunterhaltungsweg. Die unterschiedliche Uferhöhe sei die natürliche Topographie. Die soll nicht verändert werden, zumal das Schnittgut „nicht für die Geländemodellierung geeignet“ sei. Es handele sich dabei um kleine Anhäufungen, die ein Mähgerät, das auch unter der Wasseroberfläche arbeitet, herausholt. In dem Korb sammle sich auch Sediment und Erdreich, das auf der Böschung abgelegt werde, „damit Kleinstlebewesen wieder ins Wasser zurückwandern können“, sagt eine Pressesprecherin.
Bei einem 100-jährigen Hochwasser – ein statistischer Mittelwert – besteht laut SGD keine Gefahr, dass der Erlenbach auf dem entsprechenden Abschnitt ausufert und die Ortslage überflutet. „Insofern ist davon auszugehen, dass ein Damm (...) auch keinen Schutz vor Starkregen bietet“, so die Behörde. Die Frage nach zusätzlichem Schutz bei Starkregen könne die Gemeinde in dem Hochwasserschutz-Konzept erörtern, das derzeit erarbeitet werde.
Eine schnelle Lösung soll her
Die Arbeitsgruppe, die sich um das kommunale Hochwasserschutz-Konzept kümmert, suche bereits nach Schwachstellen im Ort, sagt Karl Dieter Wünstel. „Ich kann die Sorgen der Neupotzer Bürger nachvollziehen, und für mich steht der Schutz des Ortes an erster Stelle.“ Ob der Erlenbach-Abschnitt Überflutungsgebiet sei oder nicht, werde die Verwaltung gegenprüfen. Der Bürgermeister rechnet künftig noch häufiger mit Starkregen. „Mir ist daran gelegen mit der SGD schnell eine Lösung zu finden, die Schutz für Neupotz bietet.“ Wie die letztlich aussieht, ist auch für Georg Trapp zweitrangig. Hauptsache es tue sich was.