ZEISKAM RHEINPFALZ Plus Artikel Putenfleisch fürs Weihnachtsmenü

Margit und Lisa Günther arbeiten für mehr Tierwohl auf ihrem Klosterhof.
Margit und Lisa Günther arbeiten für mehr Tierwohl auf ihrem Klosterhof.

Pute, Ente, Gans, Reh, Hirsch, Wildschwein, Rind, Kalb, Lamm, Fisch – heute, vor allem aber an den Weihnachtsfeiertagen, landen viele köstliche Gerichte auf Tellern. Weihnachtszeit ist ja auch Genusszeit. Wer Pute auf seinem Speisenplan hat, könnte ein Produkt des Zeiskamer Klosterhofs auf dem Tisch haben. Der Betrieb will sich künftig verstärkt ums Tierwohl kümmern.

Bis heute Mittag herrscht auf der Putenfarm noch Hochbetrieb. Nur vor Weihnachten, manchmal auch noch zu Silvester, können Bürger vorbestellte ganze Puten dort direkt abholen. Die Resonanz ist gut: „Wir haben Kunden aus der ganzen Südpfalz, der Vorderpfalz und dem Badischen, viele Stammkunden“, freut sich Andreas Günther, der mit seinen Eltern Margret und Wilfried sowie Ehefrau Lisa den Zwei-Generationen-Betrieb führt. Zudem helfen eine fest angestellte Kraft und 20 Saisonmitarbeiter.

50.000 Tiere im Stall

„Der, der bei uns privat kauft, weiß, was er hat“, sagt Günther. Und verweist darauf, dass die Tiere vor der Schlachtung „keine langen Strecken fahren, den Stress nicht erleben müssen“. Einen Blick in die Ställe gewährt der Landwirt vor allem Familien mit Kindern gerne: „Wir haben nichts zu verbergen.“ Den Großteil der jährlich 50.000 Puten verkaufen die Günthers an die Heidemark GmbH und die Süddeutsche Truthahn AG, die zur Bell-Food-Group gehört. Diese verarbeiten das Fleisch und bringen es in den Handel.

Bereits 1986 hat Wilfried Günther den ersten Stall errichten lassen. „Die Nachfrage nach Geflügelfleisch ist ständig gestiegen – und wir sind langsam mitgewachsen“, berichtet der Sohn. Folge: 1989 stand der zweite Stall. 2001 sorgte dann die BSE-Krise für „große Nachfrage nach deutschem Geflügelfleisch“. Ein dritter Stall wurde gebaut. 2011 stieg Andreas Günther, der zuvor eine kaufmännische Ausbildung absolvierte, Gemüsebauer lernte und den Gärtnermeister gemacht hatte, als Gesellschafter in den elterlichen Betrieb mit ein. Seitdem gibt es vier Ställe. Jeder beherbergt 5000 Tiere, also 20.000 Puten finden Platz.

Aldi macht Druck auf Geflügel-Haltung

Die Putenfarm produziert Fleisch, das der Haltungsform 2 (Stallhaltung Plus) entspricht. Die Tiere haben somit etwa zehn Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben (je Quadratmeter dürfen bis zu 53 Kilo Hähne oder bis zu 48 Kilo Hennen gehalten werden) – und es muss Beschäftigungsmaterial wie Stroh oder Picksteine vorhanden sein. Die Günthers versorgen ihre Tiere mit gentechnikfreiem, überwiegend selbst produziertem Futter und ließen 2017 dafür eine Lagerhalle für Getreide und Stroh errichten. Sie verfüttern eigenes Getreide und Bruchmais der Freimersheimer Cornexo GmbH: „Das ist sehr positiv für die Vitalität der Tiere. Oft wird in Futtermitteln schlechte Qualität verarbeitet“, sagt Günther.

Künftig will der Betrieb, der einen Bauantrag für einen neuen Stall mit zwei Futtersilos und Flüssiggastank gestellt hat, „den nächsten Schritt gehen“, Fleisch der Haltungsform 3 (Außenklima) erzeugen: Die Tiere haben dann mindestens 30 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben, mehr Beschäftigungsmaterial ist nötig – und sie erhalten einen Außenklima-Bereich, einen Wintergarten, von dem aus sie nach draußen blicken können. Hintergrund der etwa eine Million Euro teuren Investition: der Vorstoß von Aldi, ab 2030 nur noch Frischfleisch der Haltungsformen 3 und 4 (Premium/Bio) zu verkaufen. Bei Magdeburg besichtigte Günther einen Betrieb, der jetzt bereits die Vorgaben für Haltungsform 3 erfüllt – und stellte fest: „Das ist auch etwas für uns.“

Deutsche Preise für deutsche Qualität

Ihm ist wichtig, auch künftig eine stabile wirtschaftliche Grundlage zu haben und etwas Gutes zu bewirken: „Tierwohl wird immer wichtiger. Mehr Tierwohl ist auch ein positives Zeichen für die Gesellschaft. Wir wollen weiter Menschen mit deutschen Produkten versorgen.“ Seine Forderung: „Die deutsche Landwirtschaft muss unterstützt werden, sonst wird woanders, in China und Rumänien, produziert.“ Man müsse froh sein, wenn es junge Leute gebe, die weitermachen wollten. Ein potenzieller Nachfolger für den Klosterhof kam übrigens vor dreieinhalb Monaten zur Welt: Sohn Jakob. Angesichts vieler Vorgaben und hoher Ausgaben ist für Günther aber auch klar: „Deutsche Qualität braucht deutsche Preise!“ Der Landwirt geht davon aus, dass der fünfte Stall frühestens 2023, vielleicht erst auch 2024 errichtet werden kann. Und was geschieht mit den vorhandenen vier Ställen? Laut Günther ist es kein Problem, diese „Louisiana-Ställe“ baulich auf Außenklima umzustellen.

Ackerbau ergänzt Geflügelzucht

Klassischen Ackerbau betreiben die Günthers übrigens auch, vermarkten unter anderem Knollensellerie, Lauch, Karotten und Feldsalat. Der Putenmist dient als Dünger: „Dann stinkt es halt mal zwei Tage.“ Zurück zum Essen: Beide Generationen nehmen täglich gemeinsam das Mittagessen ein. Schweinefleisch gibt es nicht. Pute in verschiedenen Variationen steht dagegen sehr oft auf dem Speisenplan – unter anderem als Keule, Gulasch, Hackfleisch und Geschnetzeltes. Andreas Günther isst fast täglich Pute, besonders Putenbrust – auch wenn sie den Ruf hat, etwas trocken zu sein: „Sie ist leicht“, entgegnet der Jungbauer, der dazu Nudeln und Soße mag. Auch paniertes Putenschnitzel mit Kartoffeln sowie Erbsen und Karotten lässt er sich gerne munden. Wenn heute der letzte Kunde seine Pute abgeholt hat, werden beide Generationen wieder gemeinsam speisen: Obligatorisch gibt es eine unter anderem mit Leber, Herz und Magen gefüllte, „große und dieses Jahr besonders gut gewachsene“ Spezialität. Pute!

Der Klosterhof in Zeiskam.
Der Klosterhof in Zeiskam.
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