Leimersheim Pumpenleistung verdoppelt: Schöpfwerk Leimersheim übergeben

Das Schöpfwerk in Leimersheim: Vier Förderschnecken erbringen eine Pumpleistung von 14 Kubikmetern Wasser pro Sekunde.
Das Schöpfwerk in Leimersheim: Vier Förderschnecken erbringen eine Pumpleistung von 14 Kubikmetern Wasser pro Sekunde.

Das Schöpfwerk Leimersheim, ein Baustein des Reserveraums für Extremhochwasser in der Hördter Rheinaue, hat den Besitzer gewechselt. Der nächste Schritt folgt bald.

Das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Seit Jahren plant das Land Rheinland-Pfalz den Reserveraum für Extremhochwasser im Hördter Auwald. Mit seinen 35 Millionen Kubikmetern Fassungsvermögen wäre dies der größte zusätzliche Rückhalteraum des Landes, wenn alle Polder ausgeschöpft sind. Damit einher gehen verschiedene Projekte, wie das Ausbaggern des Fischmals oder Arbeiten am Erlenbach und der Bau des neuen Schöpfwerks. Dies wurde nun am Mittwochnachmittag offiziell übergeben.

14 Kubikmeter Wasser pro Sekunde

Seit September 2020 wurde an dem Schöpfwerk gebaut. In Betrieb genommen wurde es im Februar vergangenen Jahres. Das bisherige Werk aus dem Jahr 1931 hatte eine Pumpenleistung von rund 6,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Das neue Schöpfwerk mit seinen vier Förderschnecken hat eine Leistung von 14 Kubikmetern pro Sekunde – wenn der geplante Reserveraum einmal geflutet wäre. Im Normalbetrieb soll die Förderleistung 7 Kubikmeter pro Sekunde betragen, also etwas über der bisherigen Leistung des alten Schöpfwerks. Mit der Inbetriebnahme des neuen Werks am Fischmal wurde im vergangenen Jahr das alte Gebäude abgerissen.

Umweltministerin Katrin Eder und Bürgermeister Matthias Schardt bei der Übergabe des Leimersheimer Schöpfwerks.
Umweltministerin Katrin Eder und Bürgermeister Matthias Schardt bei der Übergabe des Leimersheimer Schöpfwerks.

Acht Schöpfwerke entwässern

Betreiber der Schöpfwerke von der französischen Grenze bis Lingenfeld ist der Entwässerungsverband Obererheinniederung (EOR) mit Sitz in Hagenbach. Dessen Vorsteher, Reinhard Scherrer, erinnerte daran, dass der Verband für die Landwirtschaft und die Menschen einst gegründet wurde, heute aber auch die Natur eine wichtige Rolle spiele. Es allen recht zu machen, sei nicht möglich. Der Verband sei für acht Schöpfwerke zuständig. Die größte Leistung hat das Schöpfwerk Sondernheim Süd, das 18 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Rhein pumpen kann. Die Länge der betreuten Entwässerungsgräben bezifferte Scherrer mit 240 Kilometer.

Das ehemalige Schöpfwerk existiert nicht mehr.
Das ehemalige Schöpfwerk existiert nicht mehr.

17 Millionen Euro Baukosten

Umwelt- und Klimaschutzministerin Katrin Eder (Grüne) erinnerte daran, dass das Land in den vergangenen 25 Jahren rund 1,2 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investiert habe. Ein Großteil des Geldes sei in Projekte am Oberrhein geflossen. „Zu den zentralen Bausteinen dieser Schutzmaßnahmen zählt der Neubau des Schöpfwerkes Leimersheim“, sagte Katrin Eder bei der Schlüsselübergabe. Sie bezifferte die Baukosten, die sich Bund und Land teilen, mit rund 17 Millionen Euro. Bürgermeister Matthias Schardt (CDU) nannte das Schöpfwerk einen Super-Contentcreator in den sozialen Netzwerken. Nichts sei so häufig geklickt worden wie die Geschichten und Bilder um die Entstehung dieses Schöpfwerks. Er dankte dabei den Mitarbeitern der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD), die mit der Gemeindeverwaltung „auf Augenhöhe verhandelt haben, obwohl sie das gar nicht gemusst hätten“.

So sieht eine der Förderschnecken aus. Heute sind sie unter begrüntem Beton verschwunden.
So sieht eine der Förderschnecken aus. Heute sind sie unter begrüntem Beton verschwunden.

Fischverträgliche Förderschnecken

Die Vorteile des neuen Schöpfwerks in Leimersheim liegen nicht nur in der Pumpenleistung, sondern auch darin, dass die vier Schneckenpumpen fischverträglich sind. Der Auslass des Bauwerks wurde Schardt zufolge verschwenkt, nachdem der Leimersheimer Angelsportverein interveniert hatte. Das zeuge von der guten Kooperation der Behörden mit den Menschen vor Ort. Außerdem wurden laut SGD 23 Fledermauskästen als Sommer- und Winterquartier am Gebäude eingebaut. Damit die Leimersheimer vom Geräusch der Pumpen weniger gestört werden, wurden die Förderschnecken mit begrünten Betonplatten abgedeckt.

Das Schöpfwerk im April 2024.
Das Schöpfwerk im April 2024.

Anfang des Reserveraums

Das Schöpfwerk Leimersheim ist nun der Anfang des Reserveraums Hördter Rheinaue. Neue Schöpfwerke werde es am Klingbach und am Brandgraben geben. Die Schöpfwerke in Sondernheim Süd und Nord werden ebenfalls erneuert werden müssen. Doch bevor deren Umbau beginnt, werde der Bau des Reserveraums beginnen. Das Planfeststellungsverfahren, mit dem Baurecht erreicht wird, soll in den kommenden zwei bis vier Wochen beendet sein, sagte Jürgen Decker (SGD Süd) auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Danach werde mit der Planung der Baustraße begonnen.

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