Landau / Wörth
Prozess: Messerstecher macht Späße
Beim Tag vier des Prozesses vor dem Landgericht Landau gegen den mutmaßlichen Wörther Messerstecher wurden zunächst zwei Episoden aus der Vergangenheit des 19-jährigen Angeklagten thematisiert. Zum einen ging es um einen Tag, an dem Dustin H. im Haus seiner Mutter die Kontrolle verlor. Nach einem Streit hatte er begonnen, Gegenstände im Haus zu zerstören – zum Beispiel Bilder, die ihn mit seiner Mutter zeigten. Als die sich genötigt sah, die Polizei zu rufen, eskalierte die Lage weiter. Die Beamten mussten den 19-Jährigen auf den Boden drücken und fixieren. H. gibt an, dass sein Kopf dabei übermäßig hart auf den Beton geschlagen worden sei.
Auch später im Krankenhaus kam es zu Gewalt. „Ich lag gefesselt auf dem Boden, habe dann das Klicken eines Teleskop-Schlagstockes gehört. Der Beamte hat ihn mir auf den Rücken gelegt und gesagt: ,Wir können auch anders!’“, so erzählte es der Angeklagte. Im Polizeibericht wird angegeben, H. sei mit geballten Fäusten auf die Polizisten zugelaufen.
Angeklagter legt sich mit Psychologin an
Im Zeugenstand saß am Mittwoch eine Psychologin, der gegenüber H. ausfällig geworden war. Bei einer Befragung über sein Konsumverhalten hatte er angegeben, außer Cannabis und Alkohol keine weiteren Drogen probiert zu haben. Er war bei der Untersuchung davon überzeugt, dass die Therapeutin ihm nicht glaubte und das auch in ihren Notizen vermerkte. Er griff sich kurzerhand ihren Notizblock und verließ das Zimmer. „Er machte plötzlich einen Satz und griff sich den Block. Ich bin instinktiv mit meinem Drehstuhl zurückgefahren“, erinnert sich die Psychologin an den nun mehrere Jahre zurückliegenden Vorfall. Es sei das erste Mal in zwanzig Jahren Berufserfahrung gewesen, dass sie die Polizei habe alarmieren müssen.
Der Angeklagte bat sie später um Entschuldigung, sie akzeptierte. Die Aussagen des Angeklagten zu den beiden Vorfällen glichen sich mit seinem Geständnis zum eigentlichen Gegenstand des Verfahrens. Eine Mischung aus Reue und dem Fingerzeigen auf andere, die die Situationen angeblich mit herbeigeführt hätten. Dem mutmaßlichen Täter war bereits in der Grundschulzeit eine Sozialstörung und eine schlechte Impulskontrolle attestiert worden. Verschiedene Medikamente hätten nach eigenen Angaben keine Wirkung gezeigt.
Polizist kannte 19-Jährigen von früheren Vorfällen
Zur Verhandlung geladen waren am Mittwoch auch die Polizisten, die in der Nacht im Januar gerufen worden waren. Die beiden Streifenpolizisten, die den Angeklagten wenige Minuten nach der Tat in der Nähe des Bahnhofs vorfanden, sagten, H. habe sich bei der Festnahme kooperativ gezeigt. „Er war distanziert und ruhig, hat unseren Anweisungen Folge geleistet. Später war seine Stimmung verspielt, er versuchte Witze zu reißen“, sagte ein Polizist der Wörther Dienststelle. Der Angeklagte sei ihm bereits von einem früheren Vorfall bekannt gewesen, sodass er den Jugendlichen gleich erkannt habe. Sein Partner gab an, der mutmaßliche Täter habe sich bei den Polizisten „anfreunden wollen, hat kleine Späße gemacht. Das hat uns schon gewundert, wenn man bedenkt, was kurz davor passiert war.“ Der 19-Jährige habe zwar zunächst nichts zur Tat sagen wollen, hätte aber später aus der Ausnüchterungszelle gerufen, dass es doch alles nicht so schlimm gewesen sei.
Ebenfalls im Zeugenstand war die Gerichtsmedizinerin. Sie attestierte dem zweiten Opfer, in Lebensgefahr geschwebt zu haben. Der Mann hatte demnach rund 1,2 Liter Blut verloren. Der Messerstich hatte seine Milz getroffen. Er musste notoperiert werden.