Kreis Germersheim Protest Auge in Auge

Teilnehmer der Aktion „Wir sind Kandel“ ließen 200 Luftballons als Zeichen für ein friedliches Miteinander steigen.
Teilnehmer der Aktion »Wir sind Kandel« ließen 200 Luftballons als Zeichen für ein friedliches Miteinander steigen.

Rund 4000 Menschen demonstrierten im südpfälzischen Kandel am Samstag gegen die Flüchtlingspolitik. Zwei Gegendemonstrationen brachten es auf etwa 700 Teilnehmer. Bis zum Abend blieb es friedlich.

Unter dem Motto „Kandel ist überall“ protestierten laut Polizei am Samstag 3500 bis 4000 Menschen gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Angemeldet hatte diese Versammlung die baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Christina Baum. Die Demonstranten kamen aus vielen Teilen Deutschlands. In Reden wurde der Bundesregierung vorgeworfen, sie spiele „fahrlässig mit dem Leben der Bürger“. Die Demo fand in Kandel statt, weil dort Ende Dezember eine 15-Jährige von ihrem Ex-Freund erstochen worden war. Er ist ein afghanischer Flüchtling, der als unbegleiteter 15-jähriger Jugendlicher einreiste, dessen Alter aber heute auf um die 20 Jahr geschätzt wird.

"Wollen, dass Kandel brennt wie eine Fackel"

Die Größe der Demo wurde von einer Rednerin als der „Durchbruch im Westen“ gewertet: „Wir wollen, dass Kandel brennt wie eine Fackel. Lasst es einen Flächenbrand werden in ganz Deutschland.“ Die Reden wurden vor allem von zwei Sprechchören unterbrochen: „Widerstand“ und „Merkel muss weg.“ Etwa 500 Teilnehmer zählte die Polizei bei der von der „Kurfürstlichen Antifa“ angemeldeten Gegendemo. Der Großteil der Teilnehmer kam aus der Region. An einem Kreisel standen sich Demonstranten und Gegendemonstranten eine Weile Auge in Auge gegenüber. An einer dritten Kundgebung nahmen 250 bis 300 Menschen teil. Sie richtete sich gegen die Flüchtlingspolitik. Anmelder Marco Kurz macht die Bürgermeister von Kandel für die Bluttat verantwortlich. Zwei Teilnehmer dieser Demo wurden festgenommen, weil sie „vermummt und renitent waren“, so die Polizei.

Luftballons als Zeichen für friedliches Miteinander

Vor Beginn der Demonstrationen ließen etwa 200 Menschen Luftballons als Zeichen für ein friedliches Miteinander steigen. Initiiert hatte dies ein Bündnis Kandeler Bürger. Zu den Teilnehmern zählten Alexander Schweitzer, SPD-Fraktionschef im Mainzer Landtag, die beiden Bundestagsabgeordneten Thomas Gebhart (CDU) und Thomas Hitschler (SPD) sowie die SPD-Landtagsabgeordnete Barbara Schleicher-Rothmund. In der Stadt brach für Stunden das mobile Internet zusammen, so konnten zum Beispiel keine oder nur vereinzelt Whatsapp-Nachrichten verschickt werden. 

„Flüchtlinge abschieben“ und „Merkel muss weg“ waren Parolen auf der Demonstration „Kandel ist überall“ mit bis zu 4000 Teilnehm
»Flüchtlinge abschieben« und »Merkel muss weg« waren Parolen auf der Demonstration »Kandel ist überall« mit bis zu 4000 Teilnehmern.
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