Kreis Germersheim Profi-Hilfe für die Helfer

Der Kreis Germersheim wird fünfeinhalb Stellen für drei Jahre finanzieren, um damit die Flüchtlingshilfe vor Ort effizienter organisieren zu können. Entsprechende Zuschussanträge beim Bund sind gestellt. Allerdings werden die Stellen auch geschaffen, wenn die Anträge abgelehnt werden sollten. „Die Welle der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist sehr groß“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Seiter (Wörth). Da seien Stellen zur Koordination dieser Hilfsbereitschaft besonders wichtig. In jeder der acht Verbandsgemeinden wird der Kreis für drei Jahre eine Viertelstelle finanzieren, die sich um Flüchtlinge vor Ort kümmert. Darüber hinaus werden je zwei halbe Stellen bei Caritas und Internationalem Bund (IB) sowie bei der Leitstelle Integration der Kreisverwaltung eingerichtet. Die Stelleninhaber sollen sich nach deren Ankunft um die Asylbewerber kümmern und ihnen Möglichkeiten der Unterstützung sowie Pflichten der Bürokratie aufzeigen. Weitere 1,25 Stellen werden für die bessere Integration von anerkannten Asylbewerbern in Bildungs- und Arbeitsmarkt aufgewendet. In diesem Bereich arbeiten die Leitstelle Integration des Kreises, Ausländerbehörde, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Wirtschaftsförderungsgesellschaft und Profes GmbH zusammen. Insgesamt rechnet die Kreisverwaltung mit jährlichen Kosten von rund 140.000 Euro für diese zusätzlichen Stellen. Dass das gut angelegtes Geld ist, waren sich fast alle Fraktionen einig. Auch darin, es selbst aufzubringen, falls die Zuschussanträge abgelehnt werden. Zentrales Coaching für Ehrenamtliche, Betreuung von Familien mit minderjährigen Kindern und den Übergang von ehrenamtlichen zu professionellen Sprachkursen mit Zertifikaten nannte Uwe Schwind (Rheinzabern/SPD) als wichtigste Aufgaben der neuen Stellen. Freie Wähler, Grüne, FDP und Linke waren einig, was sowohl Aufgaben als auch Finanzierung der Projekte angeht. „Wasser in den Wein gießen“, nannte Heiko Wildberg (Kandel/AfD) seinen Beitrag, der heftigen Widerspruch auslöste. Wildberg warf dem Kreis vor, nicht konsequent abzuschieben und so selbst für eine hohe Zahl vom Asylbewerbern zu sorgen. Hier sieht die AfD auch eine Störung des sozialen Friedens, wenn zu viele Asylbewerber in den Kreis kommen und die Unterbringungsprobleme immer größer werden. Dem hielt Landrat Fritz Brechtel (CDU) entgegen, dass voriges Jahr drei Personen abgeschoben wurden und 36 freiwillig ausreisten. Derzeit werde die freiwillige Ausreise für 8 Personen vorbereitet. Zudem, so Brechtel, kritisiere die AfD den Kreis für etwas, das er gar nicht beeinflussen könne. Über Asylanträge und Abschiebung entschieden Bund und Land. Der Kreis sei gesetzlich verpflichtet, diese Entscheidungen umzusetzen. Zu Wildberg: „Mit ihrer Kritik an Bund und Land lehnen Sie die Hilfe des Kreises für Flüchtlinge hier vor Ort ab.“ Mit Mehrheit gegen zwei AfD-Stimmen wurden die Stellen vom Kreistag genehmigt. (tom)