Wochen-Spitze
Prima Klima
Getroffen hat es schon zum zweiten Mal eine Grünen-Politikerin im Kreistag. Ein Mandatsträger der AfD warf ihr vor einigen Monaten öffentlich vor, zwar über Klimaschutz zu reden, aber das eigene Haus nicht energetisch sanieren zu lassen. Der vermeintliche Beleg: veraltete Google-Fotos. Auch Grüne kriegen Geld nicht zu Sonderkonditionen und müssen dafür sparen, konterte die Ökopartei auf ihrer Homepage. Und räumte mit den Fake-News auf: Das Haus verfüge über Vollwärmeschutz, Wärmepumpe und Solarthermie, eine Photovoltaikanlage sei geplant.
Die Alternativen haben eine merkwürdige Lesart der Klarstellung, denn am Montag kam im Kreistag eine neue verbale Spitze: Es sei der Grünen-Politikerin wohl zwischendrin das Geld ausgegangen. Eigentlich ging es bei dem Punkt auf der Tagesordnung, der in einem lauten Eklat endete, nur darum, dass der Kreistag einer Stelle für einen Objektmanager zustimmt, der den Energieverbrauch der Kreisgebäude im Blick haben und reduzieren soll. Da etwa viele Schulen schon energetisch saniert seien und die CO2-Ausstöße bei Kreisliegenschaften nach AfD-Ansicht gering sind, sei der weitere Personalaufbau in Klimaschutz-Dingen nicht gerechtfertigt. Nicht gerechtfertigt ist in jedem Fall der Seitenhieb gegen die Kreistagskollegin. Er war übergriffig. Und vollkommen fehl am Platz.
Dann war da noch der Schülerklimagipfel, an dem sich die Alternativen aufreiben. 800 Jugendliche hatten in Wörth daran teilgenommen und mit Fachleuten über Ursachen und Folgen des Klimawandels diskutiert. Sieben Fragen hatte die AfD vorab formuliert, denn sie witterte Indoktrination hinter der Veranstaltung. Zweifeln am menschengemachten Klimawandel ist ja Partei-Programm. Ein kurzer Einspieler über den Wörther Klimagipfel lieferte gute Argumente gegen diese Skepsis – nicht jedoch dezidierte Antworten auf die Fragen der AfD, beispielsweise nach welchen Kriterien die Gäste ausgewählt wurden. Die sollten nur schriftlich nachgeliefert werden. Hm. Kann man machen, kann man aber auch besser machen und direkt liefern. Allzu leicht sollte die Opferrolle, in der sich die AfD gerne sieht, nicht befeuert werden.
Dass der Klimawandel vorwiegend menschengemacht ist, gilt als wissenschaftlicher Konsens. Ob menschengemacht oder nicht, ist aber nicht die dringlichste Frage, über die diskutiert werden muss. Entscheidend ist, was wir jetzt tun können, um zu überleben und wie es gelingt, international an einem Strang zu ziehen, um eine drohende globale Katastrophe abzuwenden. Dass der Planet brennt, sich rasant verändert und es der Menschheit an den Kragen geht, spürt doch jeder gerade am eigenen Leib.
Kühlen Kopf und ein schattiges Wochenende wünscht Natascha Ruske