Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Preiserhöhung in der Gastronomie: Das Rumpsteak ist gestrichen

Ralf Klemm von der Ziegelei will am Ende des Jahres sehen, wie die Rechnung für ihn ausfällt.
Ralf Klemm von der Ziegelei will am Ende des Jahres sehen, wie die Rechnung für ihn ausfällt.

Ob Rieslingschorle oder Schnitzel: Die Preise in Gaststätten sind gestiegen. Nun droht auch noch die Rücknahme der Reduzierung der Mehrwertsteuer. Wie Gastwirte in der Region mit der Situation umgehen.

Für die Kunden oft schon fast wieder vergessen, den Gastronomen aber noch in Erinnerung: Die langen Schließzeiten in der Pandemie. Neben staatlichen Hilfen sollte auch eine Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Speisen die Gaststätten in ihrer Existenz sichern. Doch Ende des Jahres läuft die befristete Senkung des Satzes von 19 auf sieben Prozent aus. Das sorgt nicht nur in Wanderhütten für Sorgenfalten bei den Wirten.

„Zwölf Prozent mehr, das kann ich nicht draufschlagen“, sagt Peter Bolze vom Naturfreundehaus Kandel. Für das kommende Jahr müsse sich die Branche ohnehin bereits auf steigende Kosten einstellen. „Es ist nicht nur die Mehrwertsteuer, sondern auch die CO2-Steuererhöhung, dazu kommt noch die Maut. Das wird schon hässlich werden.“ Für Bolze ist daher klar: „Die Gastronomie wird leiden.“ Im Naturfreundehaus ließe sich durch die Größe und die vielen Gäste vielleicht noch mehr ausgleichen. Doch seien Kollegen täten ihm leid. „Die kleinen Betriebe mit weniger Kundenverkehr sind die Leidtragenden.“

Höhere Kosten für Lebensmittel und Personal

Peter Gehrlein von der Rheinschänke in Leimersheim hat sich noch keine Gedanken gemacht, wie er mit der möglichen Erhöhung der Mehrwertsteuer umgehen wird. Doch schon die jetzige Preisentwicklung mache ihn besorgt. „Wir mussten die ganze Zeit schon draufschlagen, irgendwann wird das bedenklich“, sagt Gehrlein. Auch im Germersheimer Rasthaus Ziegelei musste Ralf Klemm schon in den letzten Monaten die Essenspreise erhöhen. Steigende Preise bei Lebensmitteln und höhere Personalkosten zwangen ihn zu „moderaten“ Erhöhungen.

Die vielen Kostensteigerungen könnten nicht komplett auf die Gäste umgelegt werden, sagen viele der Gastronomen in der Region. „Wir können die Preissteigerungen nicht komplett weitergeben“, sagt Klemm – nicht nur mit Blick auf den Geldbeutel der Gäste. „Die Konkurrenz greift auf billigere Produkte zurück, um den Preis zu halten. Das machen wir nicht.“ Die Wirte bleiben damit auf einem Teil der gestiegenen Kosten sitzen. Im Rasthaus Ziegelei haben viele Gäste das daraus entstehende Minus aber abfedern können, sagt Klemm. „Wir konnten das durch guten Besuch ausgleichen. Das Wetter hat uns in die Karten gespielt.“

Speisekarte reduziert

Im Kandeler Naturfreundehaus griff Bolze zu einer anderen Maßnahme. „Wir haben das Rumpsteak und den Pfälzer Handkäs von der Karte gestrichen.“ Zu teuer seien die Produkte im Einkauf gewesen. „Ich mache die Preistreiberei nicht mit. Für den Preis verkaufe ich das nicht.“ Auch das Fassbier sei den steigenden Einkaufspreisen zum Opfer gefallen. Stattdessen werde im Naturfreudehaus nur noch Flaschenbier verkauft. Der Preis für ein Bier vom Fass sei bei den Kunden nicht mehr „darstellbar“, sagt Bolze. Auf die allgemeine Preissteigerung reagiert er auch auf andere Weise. „Wir legen jetzt einzelne Servietten auf das Tablett.“ Der Preis für einen Karton Servietten sei von früher 14 auf 40 Euro gestiegen.“

In den vergangen Monaten mussten die Wirte immer wieder ihre Preise erhöhen. In der Rheinschänke kostete das Schnitzel vor Corona noch 12 Euro. „Jetzt sind wir bei 14 Euro“, sagt Gehrlein. Auch bei der Rieslingschorle sei der Verkaufspreis von einst drei Euro auf mittlerweile 4,50 Euro gestiegen. „Was vorher 11,50 Euro gekostet hat, kostet jetzt 14 Euro“, sagt auch Bolze mit Blick auf den Schnitzelpreis. Bei den Getränken habe er in den letzten Jahren auch die Preise um bis zu 15 Prozent erhöhen müssen. Auch im Naturfreundehaus wird für eine Rieslingschorle heute 4,50 Euro fällig. „Wir schauen, dass mit der Schorle nicht das Schnitzel subventioniert wird“, sagt Bolze und will eine weitere Preiserhöhung vermeiden.

Auch in der Ziegelei sind die Preise gestiegen.
Auch in der Ziegelei sind die Preise gestiegen.

„Die Gastronomie ist das erste wo gespart wird“, fürchtet Bolz bei weiter steigenden Preisen, dass seine Gäste fernbleiben. Während Gehrlein trotz der höheren Preise auf der Speisekarte noch eine „große Solidarität von den Kunden“ spürt, trifft Klemm nicht immer auf Verständnis. „Bei den Kunden muss erst ankommen, dass nicht nur sie, sondern auch die Gastronomen von den Preissteigerungen betroffen sind.“ Noch hoffe der Germersheimer Wirt, dass die Politik bei der geplanten Rückkehr zur höheren Mehrwertsteuer ein Einsehen mit der gebeutelten Gastronomie habe. Zu großem Optimismus habe er aber insgesamt wenig Anlass. „Ich werde am Jahresende ein Resümee ziehen, wie ich das hier überhaupt noch gewinnbringend weiterführen kann“, sagt Klemm.

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