Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Praxis Löwer schließt zum Jahresende

Dass Traude Löwer für ihre Praxis keinen Nachfolger gefunden hat, führt sie auch darauf zurück, dass der Beruf des Hausarztes üb
Dass Traude Löwer für ihre Praxis keinen Nachfolger gefunden hat, führt sie auch darauf zurück, dass der Beruf des Hausarztes über Jahre hinweg schlecht geredet wurde.

Ende 2022 ist für die Medizinerin Traude Löwer Schluss. Dabei bedauert die Ärztin, für ihre Praxis keine Nachfolge gefunden zu haben. Für sie hat der Beruf des Allgemeinarztes noch immer viele Vorteile.

Zum Ende des Jahres schließt nun auch die Praxis Traude Löwer. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin, Anästhesie und Notfallmedizin beendet nach über 40 Jahren ihre Berufstätigkeit. Ihre Hoffnung, für die Übernahme ihrer Praxis in der Scheffelstraße eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden, ist geplatzt. Trotz aller Bemühungen, wie Traude Löwer erzählt.

Die Praxis besteht seit 1972 und wurde zuvor von den Ärzten Jürgen Martin und Martin Wronka geführt. Viele Patienten wurden seit dieser Zeit hier versorgt und wussten über Jahrzehnte, die familiäre Atmosphäre in diesen Praxisräumen zu schätzen. Damit ist nun Schluss. Traude Löwer war vor Übernahme der Praxis im Jahre 2006 über 20 Jahre hinweg in der Anästhesie tätig, davon zehn Jahre lang als Oberärztin, Chefarztvertretung und Notärztin im Krankenhaus Kandel. Berufsbegleitend studierte sie in den Jahren 1997 und 1998 in Hannover Krankenhausmanagement und erwarb den Abschluss MHM (Medical Hospital Manager). Danach berief man sie zur Qualitätsbeauftragten der Asklepios-Südpfalz-Klinik. Als solche hielt sie auch Vorträge an Universitäten und bei Klinikkongressen.

Mangel schon bei Übernahme klar

Schließlich entschloss sie sich 2004, den Bereich der Anästhesie zu verlassen und eine zweite Facharztausbildung zur Allgemeinmedizinerin zu absolvieren. Schon damals, sagt Löwer zur RHEINPFALZ, sei eine Überalterung der Hausärzte deutlich erkennbar gewesen. Als sie 2006 schließlich die Praxis von Martin Wronka übernahm, sei ihr klar gewesen, dass es durchaus passieren könnte, für sich selbst einmal keine Nachfolge zu finden. Dies sei nun leider eingetreten.

Dafür gebe es wohl mehrere Ursachen, so Löwer. Neben der Politik, die die Studienplätze für Medizin in den 1990er Jahren drastisch reduziert habe, gibt es ihrer Ansicht nach auch weitere Gründe für den Mangel an Hausärzten. Schaue man sich in Kandel um, dann sei der Generationswechsel in anderen Fachbereichen wie Chirurgie, Gastroenterologie, Kardiologie, Gynäkologie, Orthopädie, Urologie durchaus erfolgreich gewesen. Nicht so bei den Hausärzten.

„Unschätzbarer Vorteil“ der Selbstständigkeit

„Unser eigener Berufsstand und dessen Vertretung, der Hausarztverband, und auch viele Kollegen haben über Jahre bis heute die Tätigkeit als Hausarzt schlecht geredet: viel zu viel Arbeit, viel zu wenig Verdienst, viel zu hohe Kosten“, sagt sie. Leider ließen sich viele junge Kollegen von solchem „Schlechtreden“ beeinflussen und verkennen damit Löwer zufolge den unschätzbaren Vorteil der Selbstständigkeit mit eigener Organisation, Unabhängigkeit und auch einem unbestreitbar höheren Einkommen.

Wer heute eine Praxis übernehme, der springe nicht mehr ins kalte Wasser, sagt Löwer. Kaum eine Selbstständigkeit sei besser abgesichert als die junger Ärzte. Monatlich gebe es Vorauszahlungen durch die Kassenärztliche Vereinigung. Und auch zum Thema Arbeitszeit vertritt die Fachärztin eine eigene Position, die sich durchaus von anderen Meinungsäußerungen abhebt, sich aber wie folgt bestätigt: Laut dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland, das jährlich über 1700 Hausärzte befragt, liegt die Wochenarbeitszeit bei maximal 50 Stunden inklusive Fortbildung und 40 Fehltagen inclusive Urlaub.

Traude Löwer bekennt, dass sie es bis heute noch keine einzige Stunde bereut habe, sich als Hausärztin selbstständig gemacht zu haben. Sowohl finanziell, als auch besonders von der Freizeit her, ginge es ihr wesentlich besser als in den Jahren ihrer Kliniktätigkeit. Am wichtigsten aber sei ihr die Wertschätzung durch ihre Patienten gewesen, denen sie auch auf diesem Wege für ihre Treue danken möchte.

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