Kreis Germersheim
Praxen im Urlaub, Wartezimmer voll: Was Patienten erleben
Wer um die Weihnachtstage oder zwischen den Jahren krank wird, erlebt das Gesundheitssystem im Ausnahmezustand: Arztpraxen im Ferienmodus, überfüllte Wartezimmer, im schlimmsten Fall eine überlastete Notaufnahme. Während die einen spontan in einer der letzten offenen Praxen behandelt werden, hängen andere in endlosen Warteschleifen in Telefonleitungen fest. Was man erlebt, wenn man an diesen Tagen einen Arzt sucht und was die Kassenärztliche Vereinigung (KV) rückblickend sagt.
Bereitschaft am Brückentag
Ein RHEINPFALZ-Leser benötigte am 2. Januar, dem Brücken-Freitag, ein Rezept, weil er kurzfristig sonntags wegfahren wollte. Die Hausarztpraxis war, wie viele andere, geschlossen. Verständlicherweise. Ärzte, die nicht selten eine 50-Stunde-Woche oder mehr haben, dürfen sich, wie viele Arbeitnehmer auch, ein paar Urlaubstage zum Jahresende gönnen. Anrufbeantworter mehrerer Ärzte verwiesen auf die Patientenservice-Nummer 116 117. Das ist die zentrale Anlaufstelle der KV, die einen ärztlichen Bereitschaftsdienst vermittelt. „Dort schätzen Fachkräfte die Beschwerden ein und leiten die Patientinnen und Patienten in die passende Versorgungsebene“, teilt die KV auf Nachfrage mit. „Je nach Dringlichkeit alarmieren sie den Rettungsdienst, verweisen an eine Notaufnahme oder eine Bereitschaftspraxis.“ Falls nötig, bieten sie eine ärztliche Beratung per Telefon, Videosprechstunde oder einen Hausbesuch an.
In diesem Fall verwies die Ansage auf die Liste der Bereitschaftspraxen im Internet (www.116117.de). Dort waren allerdings für diesen Werktag nur Kliniken aufgeführt – ein Irrtum? Offenbar nicht: „So war die Ärztliche Bereitschaftspraxis an der Asklepios Südpfalzklinik in Germersheim am 2. Januar von 9 bis 17 Uhr geöffnet“, teilt die KV auf Nachfrage mit. „Die auf der Website genannten Öffnungszeiten an Wochenenden gelten auch für Feier- und Brückentage.“
Rechtzeitig Rezepte besorgen
Der Bereitschaftsdienst kümmere sich außerhalb der Praxiszeiten um Beschwerden, die zwar nicht lebensbedrohlich sind, aber aus medizinischer Sicht nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können, erläutert die Pressestelle der KV Rheinland-Pfalz. Patienten könnten dazu beitragen, die Bereitschaftspraxen zu entlasten. Chronisch Kranke, die auf Medikamente angewiesen sind, sollten sich rechtzeitig vor den Feiertagen um Nachschub kümmern. „Der Vorrat sollte auch die ersten Tage nach dem Praxisurlaub abdecken, da nach der Wiedereröffnung erfahrungsgemäß mit einem erhöhten Patientenaufkommen zu rechnen ist.“
„Nach Urlaubsphasen steigt erfahrungsgemäß der Patientenandrang, was zu längeren Wartezeiten führt“, so die Pressestelle der KV. Diesen Fall hat eine RHEINPFALZ-Leserin erlebt, die nach 14 Tagen Husten, Schnupfen und Halsweh am 5. Januar, dem ersten Montag im neuen Jahr, eine Gemeinschaftspraxis mit mehreren Ärzten aufsuchen wollte. Es war der erste Tag nach deren zweiwöchigem Urlaub. „Zwei Stunden, von 8 bis 10 Uhr ständig besetzt und Warteschleife“, berichtet sie. „Dann hat man mir gesagt, es gibt heute keine Termine mehr. Ich solle morgen am späten Vormittag vorbeikommen oder mir noch besser einen Termin bei einem Facharzt holen.“ Eine Praxis mit mehreren Ärzten zwei Wochen komplett zu schließen und dann kranke Patienten auf den nächsten Tag zu verschieben, findet die Leserin verantwortungslos, insbesondere im Hinblick auf ältere nicht mobile Leute. Lob hat sie hingegen für einen Facharzt in Kandel: Dort habe sie um 10 Uhr angerufen und eine Stunde später einen Termin bekommen. Gute Erfahrung bei der Arztsuche hat eine andere Patientin, mit Kieferschmerzen, gemacht: Sowohl beim HNO-Arzt als auch beim Vertretungszahnarzt waren zwischen den Jahren unkompliziert und schnell Termine zu bekommen.
Mit Wartezeiten rechnen
Was den ärztlichen Bereitschaftsdienst betrifft, sind der KV keine Engpässe zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel bekannt. „Alle Patientinnen und Patienten, die sich dort vorstellten, wurden ambulant gut versorgt“, heißt es. In stark frequentierten Zeiten ließen sich Wartezeiten nicht vermeiden und gelten als zumutbar. „Für medizinisch dringende Fälle sind der Rettungsdienst (unter 112) und die Notaufnahmen zuständig.“