Kreis Germersheim Polizei macht Jagd auf Obsträuber

Die Spaziergängerin fühlt sich unbeobachtet, als sie genüsslich in eine reife Mirabelle beißt. Es ist Abend, die Frau um die 50 Jahre bedient sich an einem Baum an einem Feld bei Heidelberg. Den Stein spuckt sie auf den Boden. Wie aus dem Nichts taucht eine Polizeistreife auf, sie ist Obst- und Gemüsedieben auf der Spur. Die Polizisten Silke Breitsch und Alexander Willwert kommen der naschenden Frau uniformiert entgegen und stellen die Mirabellendiebin zur Rede. „Was Sie gerade getan haben und noch tun, ist Diebstahl. Die Früchte sind Privateigentum“, sagt Polizeihauptmeister Willwert streng. Die Frau gibt sich zerknirscht. „Das habe ich nicht gewusst“, beteuert sie, in der Hand noch fünf Mirabellen. Die Polizisten verwarnen sie mündlich. Macht sie es noch einmal, muss die Frau damit rechnen, dass ihre Personalien aufgenommen werden und sie eine Anzeige bekommt. Von solchen Einsätzen sind die Polizisten der Inspektionen Germersheim und Wörth noch verschont – aber sie kennen die Geschichten ihrer „Feldstreife“-Kollegen im Badischen. „Bei uns gibt es bis jetzt noch keine solchen Anzeigen“, sagt der Sprecher der Polizeiinspektion Germersheim, Franz Heinz. Und vorbeugende Feldstreifen seien schlichtweg aus Personalmangel nicht möglich. „Wenn so etwas gemacht wird, dann als Reaktion auf entsprechende Hinweise oder Anzeigen.“ Sein Kollege Olaf Molzberger von der Inspektion Wörth kann sich an einen einzigen Fall von Salatdiebstahl vor längerer Zeit erinnern, „sonst war nichts“. Polizeistreifen würden im Inspektionsbereich – der südliche Landkreis Germersheim – nur bei Bedarf in die Felder geschickt. Und den gibt es bis jetzt nicht. Mundräuber machen Landwirten vor allem dort zu schaffen, wo der Tourismus stark ausgeprägt sei, sagt Hans-Dieter Stallknecht vom Deutschen Bauernverband. Welcher Schaden entstehe, sei von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. „Wenn 200 Menschen pro Tag die gleiche Mirabellenzahl einfach so vertilgen, ist der Baum rasch abgeerntet“, sagt Polizistin Silke Breitsch. „Das Ärgerliche für die Landwirte oder Besitzer von nicht eingezäunten Grundstücken ist, dass viele kleine Obstdiebe dabei immer wieder auch Äste beschädigen.“ Zusammen mit ihrem Kollegen ist sie regelmäßig zu Fuß oder mit dem Dienstwagen auf Feldstreife. Auch die Südpfälzer Obst- und Gemüsebauern hatten in den Vorjahren mit dem Gelegenheitsdiebstahl am Wegesrand zu kämpfen, so der Vorsitzende des Bauern- und Winzerverbandes im Kreis Germersheim, Roland Bellaire (Neupotz), gegenüber der RHEINPFALZ. Dieses Jahr gebe es bisher keine besonderen Vorkommnisse; in der aktuellen Kreisverbandssitzung sei das Thema von den Mitgliedern auch gar nicht angesprochen worden. Möglicherweise habe sich aber auch herumgesprochen, dass jeder Diebstahl zur Anzeige gebracht wird. Viele der Gelegenheitsdiebe im Rhein-Neckar-Kreis haben es auch auf Tomaten abgesehen. „Wenn aus einer Rispe eine Frucht abgerupft wurde, kann sie nicht mehr verkauft werden“, sagt der Heidelberger Gärtnermeister Hans Hornig. Er selbst erwische von der Studentin bis zum Rentner immer wieder Menschen, die sich ungeniert auf den Feldern bedienen. Blumenkohl oder Lauch verschmähten die Diebe allerdings meist, erzählt Hornig - aus einem einfachen Grund: „Diese Gemüsesorten müssen zuerst noch gekocht werden.“