Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Polder im Elsass geflutet: Hochwasser sinkt um 10, 20 Zentimeter

Etwa 100 Personen haben am Freitagnachmittag 5000 Sandsäcke gefüllt, mit denen im Notfall bis zu acht Sickerstellen bekämpft wer
Etwa 100 Personen haben am Freitagnachmittag 5000 Sandsäcke gefüllt, mit denen im Notfall bis zu acht Sickerstellen bekämpft werden könnten.

Das Hochwasser auf dem Rhein kommt schneller als am Donnerstag erwartet: Der Scheitelpunkt mit 8,60 Meter wird am Pegel Maxau bereits für die Nacht zum Samstag prognostiziert. Dafür fließt das Wasser aber auch schneller ab. Für Entlastung sorgte die Flutung eines Rückhalteraums südlich von Strasbourg. Die Belastung der Dämme wird mittlerweile als „immens“ eingeschätzt.

„Den leichten Rückgang des Hochwassers in den nächsten Stunden verdanken wir der Flutung des Polders Erstein“, sagt der Hagenbacher Wehrleiter Oswald Wagner am Freitagmittag: „Das bringt etwa 10 bis 20 Zentimeter.“ Der Polder Erstein (600 Hektar) kann in knapp 15 Stunden bis zu 7,8 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Derzeit fließen um die 4000 Kubikmeter in der Sekunde den Rhein bei Maxau hinunter – diese Wassermenge würde den Polder Erstein in einer guten halben Stunde füllen.

Laut Mike Schönlaub, Katastrophenschutzinspekteur für den Kreis Germersheim, ist der Druck auf die Deiche derzeit „immens“. Die Prognose für die Scheitelwelle pendelt sich bei etwa 8,60 Meter ein. Immerhin ein Hochwasser, wie es im Durchschnitt nur alle 10 Jahre vorkommen soll. Aber die aus Kies und Lehm aufgebauten Deiche sind auf jeden Fall hoch genug. Allerdings sind sie mittlerweile aufgeweicht. Dafür gibt es zwei Gründe:

die starken Regenfälle der letzten Zeit; die lange Dauer des Hochwassers – der Pegel bewegt sich seit rund 2 Wochen über 6,50 Meter

Kontrolltrupps aufgestockt

Sickerstellen, bei denen das Wasser durch den Deich gedrückt wird, gebe es dennoch bisher nur wenige, so Schönlaub und Wagner. Probleme bereite lediglich der derzeit an vielen Stellen hohe Grasbewuchs, so Wagner. Die Deichläufer, die die Dämme überprüfen, müssten deshalb sehr genau hinsehen, um kein Rinnsal zu übersehen. Deshalb wurden die Kontrolltrupps aufgestockt, von zwei auf drei Leute. „Einer läuft auf dem Bermenweg am Deichfuß landeinwärts, einer auf der Schräge und einer mit Schwimmweste auf der Dammkrone.“

Stoßen die Deichläufer auf Sickerstellen, macht es einen großen Unterschied, welche Farbe das Wasser hat. Ist es klar, dann wird in der Regel nichts unternommen. Ist es aber eingefärbt, dann wird Erdreich ausgeschwemmt. Das kann auf Dauer den Deich destabilisieren. Deshalb halten die Feuerwehrleute in solchen Fällen mit Sandsäcken dagegen.

Sandsäcke gefüllt

Genügend Sandsäcke liegen seit Freitagnachmittag auf Lager. Jede der 36 Feuerwehren im Landkreis schickte 2 Männer zum Sandsack-Füllen nach Leimersheim. „Wir haben in 2 Stunden 5000 Sandsäcke gefüllt“, so die Bilanz von Schönlaub. Das reiche für 8 Sickerstellen. Bisher sei im Kreis nur eine bei Germersheim gefunden worden. „Die ist unbedenklich“, so Schönlaub.

Wenn trotz sicherer Dämme und eines sinkenden Wasserstandes im Rhein in den nächsten Tagen zunehmend Wasser auf Äckern und Wiesen hinter dem Deich steht, dann liegt das am sogenannten Druckwasser. Denn die Wassermasse im Rhein drückt nicht nur auf die Deiche, sondern auch auf das Grundwasser im Boden hinter den Deichen. Das Wasser wird dabei langsam aber stetig gegen den Widerstand des Erdreichs durch den Boden gepresst. „Das kann sich auch auf Häuser auswirken“, so Wagner. „Keller können auch wegen des Druckwassers voll laufen.“

Die Sandsäcke wurden in Leimersheim befüllt.
Die Sandsäcke wurden in Leimersheim befüllt.
Auch Familien halfen mit.
Auch Familien halfen mit.
Der Bolzplatz in Neuburg steht unter Wasser.
Der Bolzplatz in Neuburg steht unter Wasser.
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