Jockgrim Photovoltaik für Kita: Bürger investieren in Projekt

Während die Kinder im Sommer draußen spielen, soll auf dem Dach der Kita Strom produziert werden.
Während die Kinder im Sommer draußen spielen, soll auf dem Dach der Kita Strom produziert werden.

Auf dem Dach der Kita Albertino wird eine Photovoltaik-Anlage gebaut. Bürger können investieren. Das Modell ist neu in der Südpfalz. So funktioniert es.

Die Gemeinde Jockgrim und die Bürger-Energiegenossenschaft Südpfalz arbeiten zusammen, um die kommunale Kindertagesstätte mit Photovoltaik (PV) auszurüsten. „Die Genossenschaft investiert mit Hilfe der Gemeindebürger und baut die Anlage“, erklärt Winfried Schürmann, Mitglied im Vorstand der Genossenschaft. Anschließend pachtet die Gemeinde die Anlage für 20 Jahre und bewirtschaftet sie eigenständig. Nach Ablauf der Vertragszeit baut die Genossenschaft die Anlage ab oder überlässt sie „für ein geringes Entgelt“ der Gemeinde. Für die Kommune bedeute das so genannte Smart-Pacht-Modell, dass sie ohne eigene Investition Stromkosten senken kann.

Müssen Bürger Mitglied der Energiegenossenschaft werden, um zu investieren?
Ja, nur Mitglieder der Genossenschaft können investieren. Die Mitgliedschaft bringt nicht nur finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten, sondern auch Mitspracherechte: Das oberste Organ ist die Mitgliederversammlung und jedes Mitglied hat unabhängig von Anteilen eine Stimme in der demokratisch organisierten Genossenschaft. Die einzige Verpflichtung für die Mitgliedschaft bestehe darin, mindestens einen Geschäftsanteil von 100 Euro eingezahlt zu haben. Die Mitglieder, auch Vorstand und Aufsichtsrat, arbeiten ehrenamtlich.

Welche Investitionsmöglichkeiten gibt es für Bürger bei dem Kita-Projekt?
Das Mitglied stellt der Genossenschaft ein Darlehen mit fester Verzinsung zur Verfügung. „Im Falle des Projekts Kita Albertino ist der Mindestbetrag des Darlehens 2000 Euro“, erläutert Winfried Schürmann. Der Betrag ist in 1000-Euro-Schritten aufstockbar. Die Laufzeit beträgt 15 Jahre, und die Verzinsung liegt bei 3 Prozent pro Jahr. Auch Mitgliedsanteile können Renditen erbringen, wenn das Bilanzergebnis der Genossenschaft eine solche erlaube.

Können sich nur Jockgrimer Bürger beteiligen?
Vorrangig richtet sich das Angebot an die Eltern der Kinder der Kita Albertino und an die Bürger der Gemeinde Jockgrim. Schürmann: „Wir wollen vorzugsweise ihnen die Möglichkeit geben, in das Projekt auf ,ihrer' Kita zu investieren und damit auch eine gewisse Identifikation zum Ausdruck zu bringen.“ Sollte das Interesse in diesen Gruppen nicht ausreichen, können weitere Mitglieder der Genossenschaft einsteigen. Man wolle nicht nach Postleitzahl vorgehen: „Wenn Hamburger Großeltern in die Kita ihrer Enkel investieren wollen, sind sie uns auch willkommen“, so das Vorstandsmitglied.

Gibt es Risiken?
„Genossenschaften gelten wegen der Kontrollmechanismen als relativ insolvenzsichere Gesellschaftsform“, antwortet Schürmann. Solange die Genossenschaft nicht insolvent ist, seien auch die Nachrangdarlehen sicher.

Wie hoch sind die Gesamtkosten und wie viele Bürger müssen mitmachen?
Die PV-Anlage hat eine Leistung von knapp 100 Kilowatt-Peak und soll jährlich mehr als 80.000 Kilowattstunden Strom produzieren. Aufgrund des Batteriespeichers soll die Kita 60 bis 80 Prozent ihres Energiebedarfs eigenständig decken. Die Anlage kostet laut Schürmann „einen niedrigen sechsstelligen Betrag, und wir halten nach unseren Erfahrungen die Finanzierung durch die Jockgrimer Bürger und gegebenenfalls die Mitglieder der Genossenschaft für gesichert.“

Welche Vorteile hat die Gemeinde?
„Die Kostensenkung beim Strom ohne eigenen Invest ist der wesentliche Vorteil.“ Gleichzeitig kann die Gemeinde einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Der Pacht stehen bilanziell die eingesparten Stromkosten und die Überschusserlöse gegenüber. „Es soll sich für die Gemeinde rechnen“, so Winfried Schürmann. Von dem Beitrag zur Energiewende profitiere auch die Genossenschaft und das Geld bleibe in der Region.

Gibt es Vorbilder für das Projekt in anderen Gemeinden?
Das Modell wurde von einer bayrischen Genossenschaft übernommen. „In unserer Region sind wir nach meinem Wissen die ersten, die dieses Modell für kommunale Dächer anbieten“, sagt das Vorstandsmitglied. Das Smart-Pacht-Modell soll weiteren Gemeinden vorgestellt werden. So könnten auch klamme Kommunen mit Hilfe ihrer Bürger etwas für die Energiewende tun.

Wann soll die PV-Anlage in Betrieb gehen?
Die Inbetriebnahme ist für Januar 2026 geplant.

Info

Die Bürger-Energiegenossenschaft (BEn) Südpfalz ist im Oktober 2023 gestartet. Mittlerweile hat sie mehr als 250 Mitglieder. Ziel ist die Energiewende mit Projekten in der Region zu fördern. Aktuell engagiert sich die BEn unter anderem für Freiflächen-PV-Anlagen in Knöringen und Vorderweidenthal.

Termine

Infoveranstaltungen zur PV-Anlage auf der Kita Jockgrim finden zu folgenden Terminen statt: Donnerstag, 13. November, 20.30 Uhr - Online-Veranstaltung (Einwählen unter: ben-suedpfalz.de/jockgrim); Mittwoch, 19. November, 19 Uhr vor Ort im Ziegeleimuseum Jockgrim.

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