Kreis Germersheim Pflegeprojekt wird ausgedehnt

Auf den Inklusionstagen in Berlin, wo Mitte Oktober der Film über die Bellheimer Außenpflegeeinrichtung des Pfalzklinikums Klingenmünster gezeigt werden soll, haben Klinikvertreter 2011 von dem in Baden-Württemberg angewandten Modell erfahren. Dessen Motto lautet „betreuen, fördern, wohnen nach einer Erkrankung“, berichtet Gaby Kuntz; sie ist beim Pfalzklinikum Fachbereichsleiterin Eingliederungshilfe Südpfalz. Ziel sei es, die Klienten in die Selbständigkeit zurückzuführen, was in einem Ort, unter Menschen, besser gelinge, als abseits in einer Klinik. Zudem müssten die bisher für diese Betreuungsform genutzten Räume wegen eines Straßenbauprojekts abgerissen werden. Ein weiterer Grund, warum das im vergangenen Oktober realisierte Projekt auf Wörth ausgedehnt werden soll. In Klingenmünster sollen nur die bleiben, die öfter ärztliche/klinische Hilfe brauchen. An den 68 Plätzen werde sich durch die Ausgliederungen nichts ändern. Vor dem Projektstart sind laut Kuntz für die in Bellheim angebotene Form der aufsuchenden Hilfe eigens Mitarbeiter geschult worden. Schließlich erfordere das vom Personal Flexibilität, weil es, anders als in der Klinik, zum Beispiel keine Kantine gibt. In Bellheim werde in der Küche des Pflegestützpunkts gemeinsam mit den 20 Bewohnern gekocht. Zu deren Gewöhnung an die Normalität gehörten aber auch Versuche, erklärt Wohnbereichsleiterin Julia Schlimmer. So müssten Antworten gefunden werden auf Fragen wie zum Beispiel „Wie gehe ich auf Menschen zu?“ und „Wie verhalte ich mich anders als unter der Käseglocke Klinikum?“ Dazu gehöre auch die neue Fahrradmobilität, die es so in der Klinik nicht gebe. Da könne es schon mal passieren, dass nicht alles so klappt. Deshalb rede man mit der Gemeinde über ein Verkehrssicherheitstraining. Und wenn mal etwas nicht klappt, dann wünscht sich Schlimmer, dass miteinander und nicht übereinander geredet wird. Kuntz ergänzt: „Die Bewohner wollen als ganz normale Bürger, die Unterstützung brauchen, am Leben teilnehmen.“ Das für Wörth vorgesehene Personal arbeite seit einem Jahr mit den ausgewählten Bewohnern, auch 20, um sie vorzubereiten. Unter anderem werde der Umgang mit persönlichen Krisen trainiert. Dabei geht es laut Kuntz um die Frage „Wie verhalte ich mich bis zum Eintreffen der Helfer?“ Das könne Musik hören sein oder sich ein kaltes Tuch auf die Stirn legen. Zum Tagesablauf der Bewohner sagt Schlimmer, dass jeder einen individuellen Teilhabeplan erhalte, der regelmäßig aktualisiert werde – auch wegen der Kosten für die Kommunen, Stichwort Wiedereingliederungshilfe. Ferner könne ein veränderter Zustand ein anderes Angebot erfordern. Ums Wohlbefinden der Bewohner kümmerten sich neun Leute in Voll- und Teilzeit, darunter Krankenschwestern, Heimerzieher, Ergotherapeuten und Sozialarbeiter. Hinzu kämen 1,4 Stellen mit Leuten, die sich um die Tagesstruktur der Bewohner kümmern. Den Tag strukturierten etwa Arbeiten am Computer, mit Holz und das Kleben von Arzneitütchen. Noch kämen die Bewohner aus der ganzen Südpfalz. Die Fluktuation werde aber dafür sorgen, dass in Bellheim und Wörth künftig nur noch Klienten aus dem Kreis Germersheim sein werden. Wie lange sie Hilfe benötigen, ist individuell verschieden, so Schlimmer. Das könne ein Jahr oder mehrere Jahre dauern. |gs