RÜLZHEIM Pflanzen bekommen mehr Zeit zum Aussamen

Die Wiesenmargarite gedeiht auf Magerwiesen besonders gut.
Die Wiesenmargarite gedeiht auf Magerwiesen besonders gut.

Was ist zu tun, um artenarme „Eh-da-Flächen“ in artenreiche umzuwandeln? Ratschläge dazu erläuterte Siegbert Merkle vom Büro für Biodiversitätsmanagement (Wörth) den Mitgliedern des Verbandsgemeinderats.

Aus der Idee des Konzepts „Öko-Logisch“ wurde ein Pilotprojekt entwickelt, das sich über alle vier Gemeinden der Verbandsgemeinde (VG) erstreckt. Insgesamt haben diese 41.300 Quadratmeter für die Umsetzung zur Verfügung gestellt. Hördt 3000 Quadratmeter, Kuhardt 3900 Quadratmeter, Leimersheim 8300 Quadratmeter und Rülzheim 26.100 Quadratmeter. Diese Flächen sollen in Magerwiesen umgewandelt werden. Sie werden nur zweimal im Jahr gemäht, wodurch Pflanzen aussamen können und auch langsam wachsende Arten eine Wachstumsmöglichkeit erhalten. Zudem bieten diese Flächen Bereiche für Überwinterungsquartiere für Insekten. Die für diese Arbeiten erforderlichen Maschinen werden vorerst vom Büro Merkle zur Verfügung gestellt, das auch die Bauhof-Mitarbeiter entsprechend schult.

Das Projekt „Öko-Logisch“ sei nicht der einzige Baustein für eine größere Artenvielfalt, so Verbandsbürgermeister Mathias Schardt (CDU). Die VG wolle in diesem Bereich in den nächsten Jahren vieles auf den Weg bringen.

Wiesen wichtig wie ein Regenwald

Fünf Prozent der Flächen in Deutschland seien „öffentliches Grün“, 87 Prozent davon seien artenarm, so Merkle. Diese stellten ein großes Potential dar, sie in artenreiche Flächen umzuwandeln. 1 Million Hektar Wiesen sei in den vergangenen Jahren verloren gegangen. Dabei seien Wiesen das artenreichste Biotop in Mitteleuropa. Sie seien „quasi unser Regenwald“. Durch deren Verlust seien 75 Prozent der Fluginsekten, 97 Prozent der Schwebfliegen und zehn Prozent der Schmetterlinge verloren gegangen. Am besten könne man dies an „sauberen Windschutzscheiben“ feststellen.

Wiesen seien wegen ihrer Artenvielfalt „ein Multitalent“. In Zukunft sei es wichtig, „kommunales Grün“ in artenreiche Flächen umzuwandeln. Dazu gehöre auch, dass diese Flächen später und seltener gemäht werden sollen. Das Mahdgut sollte auch nicht liegen bleiben, sondern entsorgt werden. Ein Verkauf des Mahdguts sei aber kaum möglich, meist werde es kompostiert. Natürlich bedeute diese Vorgehensweise eine große Umstellung für die Mitarbeiter des Bauhofs, auch würden neue Maschinen benötigt.

x