Hagenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Pflücken erlaubt

Die Vorstände des Obst- und Gartenbauvereins Hagenbach, Gerhard Piazza, Hans Grund und Christian Wagner freuen sich über ihren g
Die Vorstände des Obst- und Gartenbauvereins Hagenbach, Gerhard Piazza, Hans Grund und Christian Wagner freuen sich über ihren großen Apfelbaum. Sie finden das »gelbe Band« gut, für Obstbäume, die der Eigentümer nicht selbst ernten möchte.

Ab etwa Mitte August werden in der Verbandsgemeinde Hagenbach gelbe Naturjute-Schleifen um Obstbaumstämme gebunden sein. Verpackt wie ein Geschenk signalisiert der Baum, dass hier etwas zu holen ist – ganz legal.

„Verwerten statt verderben ist ein gutes Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung“, einigten sich die Bürgermeister der Verbandsgemeinde und VG-Bürgermeisterin Iris Fleisch (CDU), die den hohen Schaden für Umwelt und Gesellschaft beklagt, weil viel zu viele Lebensmittel, Kleidung, Möbel und Elektrogeräte einfach weggeworfen werden.

Diese Aktion mit vielen beschilderten Bäumen gebe es in den badischen Auwiesen von Knielingen bis Mörsch schon lange, berichtet Kurt Koch aus Kandel. Er hat die Verwertung seiner Obst-Überschüsse selbst geregelt. Mit seiner Erlenbacher Ernte beglückt er den Kindergarten und in Billigheim freuen sich die Schüler für Äpfel und Birnen zum Saft pressen. Ebenso hält es Siegfried Strobel in Hagenbach, der seine „Grundstickle“ als Altersgründen verpachtet hat, sich aber weiterhin Obst holen kann.

Ungespritztes Obst ist gefragt

Gerhard Piazza, Vorstand des Hagenbacher Obst- und Gartenbauvereines und Obstbauer aus Passion hegt und pflegt von Aprikosen über Pfirsiche bis Quitten viele Obstsorten. Auch er teilt schon lange seine Ernteerträge, weil viele Leute nach „sauberem, ungespritztem“, oder auch nach kostenlosem Obst fragen.

Nicht erlauben würde er die Kirschenernte, da die Bäume hoch sind und die Gefahr besteht, dass Äste abgerissen werden. Und überhaupt schnalzt er bei seinen Kirschen und Quitten schon genüsslich mit der Zunge, wenn er an deren „hochprozentige Verwandlung“ in Schnaps denkt.

Einzigartige Biotope

Außerdem schätzen all diese Obstbauern aus Passion neben der Ernte auch ihre Obstwiesen als einzigartige Biotope mit einer großen Vielfalt an Pflanzen und Tieren, auch wenn das Baumschneiden und Mähen Mühe macht. „Wir werden belohnt von dem dankbaren Gezwitscher der Vogelwelt, für die durchaus ein Rest Kirschen oder Äpfel hängenbleiben darf“.

Ohne Schleife Finger weg!

Weil Obstgrundstücke Naturoasen sind und die „gelben Schleifen“ ein Zeichen gegen Verschwendung, gibt es zur Aktion viele positive Rückmeldungen. Und „ohne Schleife“, hoffen die Obstbauern, dass keine Fremden ihre Grundstücke betreten. Schließlich hatten sie auch schon mal Zeitgenossen „beim Füllen des Kofferraums angetroffen“. Piazza missbilligt hier auch viele abendliche Spaziergänger mit großen Tüten zum Nüsse sammeln. „Das ist eigentlich Diebstahl, Nüsse fallen täglich, die kann der Obstbauer schlecht vorher abpflücken.“ Bürgermeisterin Iris Fleisch informiert: „Man kann von der Stadt Hagenbach jedes Jahr die Nussbaumernte gegen einen geringen Betrag ersteigern“. Sie hofft auch, mit dem Zeichen der gelben Schleife die Ordnung und Verständigung zu verbessern. Neben viel Lob kam aber auch schon die Befürchtung, „dass die gelben Bänder ja auch die Bäume wechseln könnten“.

Wer Obstbäume zum Abernten anbietet, kann die gelben Bänder in den Rathäusern und der VG-Verwaltung, mit Angabe des Standorts und der Obstsorte, abholen. Die Ernte erfolgt auf eigene Verantwortung und Gefahr. Eine ähnliche Aktion gibt es auch in Germersheim.

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