Rülzheim
Pfälzer Cider: Mehr Bäume, neue Produkte und Anerkennung
Mit ihrem Unternehmen „Purzelbaum“ setzen Jannis Burk und Moritz Weigel auf Regionalität, Handarbeit und den Erhalt von Streuobstwiesen – und ihre Idee kommt an. „Unsere Vision ist, dass Streuobstwiesen sowohl mit Naturschutz und Biodiversität als auch mit Genuss und regionalen Produkten assoziiert werden“, so Burk. Zusammen mit Moritz Weigel bringt er vernachlässigte Streuobstwiesen Stück für Stück zurück in die Bewirtschaftung. Seit 2020 arbeiten die beiden daran, Äpfel, Birnen, Quitten und andere Obstarten in Getränke zu verwandeln. „Uns beide hat die Frage angetrieben, wie sich die jährlich anfallenden Früchte sinnvoll verwerten lassen“, sagt Burk beim RHEINPFALZ-Besuch auf einer Streuobstwiese bei Walsheim. Rund 40 Bäume stehen hier noch im Winterschlaf.
Das Engagement bleibt nicht unbemerkt: Das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen hat „Purzelbaum“ als offiziellen Partnerbetrieb ausgezeichnet. Inzwischen bewirtschaften Burk und Weigel zwischen 300 und 350 Bäume der Südpfalz – angefangen hatte alles mit etwa 100 Bäumen. Ihre Produkte – darunter auch ein alkoholfreier Secco – sind in der regionalen Gastronomie und im Einzelhandel zu finden. Neben Apfel- und Birnbäumen setzen sie auch auf Quitten, vieles ist Handarbeit. „Wir haben viel Unterstützung aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis“, sagt Burk. Für beide Männer ist „Purzelbaum“ nämlich nicht der Haupterwerb, sondern läuft „nebenbei“, wie sie schmunzelnd sagen.
Und „nebenbei“ muss nun der Baumschnitt angegangen werden, bevor die Bäume neu austreiben können. Die geernteten Früchte werden dann über den Betrieb Südpfalzsaft in Frankweiler oder die mobile Saftpresse verarbeitet. Burk und Weigel haben sich mittlerweile ein gutes Netzwerk aufgebaut, zu dem auch viele Winzerbetriebe gehören. Sie möchten sich künftig verstärkt mit alkoholfreien Produkten beschäftigen. Ihren Cider, der mit 5,6 Prozent Alkoholgehalt auf 0,33 Liter daher kommt, empfehlen sie für sommerliche Grillabende, am Baggersee oder im Wanderrucksack auf Tour.
Streuobst ist kein Fallobst
Was genau verbirgt sich hinter den Begriffen „Streuobst“ und „Fallobst“? Streuobst bezeichnet die Früchte von alten Obstbäumen, die auf Streuobstwiesen wachsen. Diese Wiesen tragen zur Biodiversität bei. Äpfel, Birnen, Kirschen oder Quitten werden gezielt geerntet, meist zu einer festen Zeit, und dienen als Grundlage für viele Produkte: Frisches Obst, Apfelsaft, Cider und Marmelade sind nur einige der Möglichkeiten, wie Streuobst genutzt wird.
Fallobst hingegen bezeichnet Obst, das vom Baum gefallen ist, meist bevor es für die Ernte bereit war. Solche Früchte landen durch Wind, Sturm oder schlicht durch das Überschreiten der Reifezeit auf dem Boden. Sie gelten oft als minderwertig, da sie überreif, beschädigt oder von Schädlingen befallen sein können. In vielen Fällen bleibt Fallobst also ungenutzt. Der wesentliche Unterschied zwischen Streuobst und Fallobst liegt also in der gezielten Ernte und der Qualität der Früchte. Während Streuobst aus bewusst gepflegten Wiesen stammt, ist Fallobst meist das Ergebnis einer zufälligen oder unvollständigen Ernte.
Info
www.purzelbaum-cider.de



