Leimersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Cider statt Apfelsaft: Ein Pfälzer Start-Up denkt Streuobstwiesen neu

Auf den Purzelbaum-Cider (v.l.): Lukas Mahler, Moritz Weigel und Jannis Burk.
Auf den Purzelbaum-Cider (v.l.): Lukas Mahler, Moritz Weigel und Jannis Burk.

Wer Streuobst hört, denkt meist an selbstgepressten Apfelsaft. Drei Jungunternehmer haben sich etwas Neues für die Früchte ausgedacht: Sie machen Cider.

Mit dem Getränk aus Streuobst kommt quasi ein deutsches Kulturgut ins Glas. Von der UNESCO wurde Streuobst sogar zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt. Die Wiesen zu erhalten und die Wertschöpfung der Kulturflächen wieder in den Vordergrund zu rücken, das haben sich Jannis Burk, Lukas Mahler und Moritz Weigel fest vorgenommen. Allgemein genieße Streuobst zwar einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung, jedoch sei das Image der Wiesenfrüchte etwas eingestaubt, meinen sie. Dabei böten die Äpfel und Birnen so viel mehr, als bisher daraus gemacht wird. Die drei jungen Männer möchten mit ihrem „Purzelbaum Cider“ einen neuen Markt für das Wiesenobst erschließen.

Wohin mit dem ganzen Obst?

Die Idee kam bei einer Plauderei im Skiurlaub, als Moritz Weigel sich darüber beschwerte, dass die Streuobstwiese hinter dem Haus seiner Eltern eigentlich kaum genutzt werde. „Das ganze Obst fällt runter und es wird einfach nichts damit gemacht“, beschreibt Weigel. Jannis Burk, der zuvor bereits bei einer Geschäftsstelle des Vereins Hochstamm Deutschland gearbeitet und viel mit dem Erhalt der Streuobstwiesen in Deutschland zu tun hatte, kommt im Gespräch die zündende Idee: Cider.

Doch von der Idee zum voll ausgereiften Plan brauchte es noch einen Dritten in der Runde, der das Projekt in die richtigen ökonomischen Bahnen lenkte. Als Lukas Mahler auf die Idee aufmerksam wurde, war sofort sein Interesse geweckt. „Ich habe schon ewig nach etwas gesucht, was mich interessiert und was ich noch nebenbei machen kann.“ Und so kam die Idee schließlich ins Rollen und wurde zu einem gemeinsamen Projekt.

Bei der Umsetzung halfen erfahrene Winzer mit ihrem Wissen und ihren Keltereien. „Wir wollten das Wissen nutzen, das wir in der Pfalz einfach durch all die Winzer haben, die es perfekt beherrschen, einen Wein anzubauen, ob das nun Traubenwein ist oder ein Apfelwein“, erklärt Burk.

Kooperation mit Landwirten in der Pfalz

Viele Landwirte und Landwirtinnen haben laut Burk Streuobstwiesen im Besitz, nutzten jedoch hauptsächlich das Grünland zur Heugewinnung. Für die Landwirte und Landwirtinnen, die nicht mehr dazu in der Lage sind, die hochstämmigen Bäume zu bewirtschaften, bieten die drei Unternehmer eine Kooperation an: Sie pflegen und ernten die Bäume und halten damit die Wiesen sauber. Die Landwirtinnen und Landwirte nutzen weiter das Heu. Da Streuobst oft in Privatbesitz ist, wird es häufig nicht genutzt, da der ökonomische Nutzen den Aufwand nicht lohnt, erklären sie. Auch dafür möchten die drei Jungunternehmer eine Lösung bieten: „Unsere Idee ist, in der Pfalz Leute zu animieren, sich wieder um ihre Streuobstwiesen zu kümmern. Wir sagen, wir zahlen einen fairen Preis an Lieferanten, um weiter zu wachsen und den Erhalt der Kultur zu unterstützen“, so Burk.

Bei einer Jahrgangsverkostung wurden auch die Produkte des noch jungen Unternehmens präsentiert.
Bei einer Jahrgangsverkostung wurden auch die Produkte des noch jungen Unternehmens präsentiert.

In Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben haben die drei Unternehmer ein Produkt geschaffen, dessen Wertschöpfungskette von der Frucht bis zur Flasche in der Pfalz beheimatet ist. Insgesamt hat der Prozess von der Ernte bis zum fertigen Cider ein halbes Jahr in Anspruch genommen. Dabei waren sie dankbar für die Unterstützung durch ihre Familien und Freunde. Stolz blicken sie auf einen Ertrag von insgesamt 10.000 Flaschen Cider und 4500 Flaschen Apfelsecco, den sie über die eigene Homepage vermarkten möchten. Auch mit dem regionalen Einzelhandel und kleineren Dorfläden sind die Drei im Gespräch. „Es ist ein Produkt, was nicht nur perfekt in die Zeit, sondern auch perfekt in die Region passt, in der wir leben“, erklärt Mahler.

Kontakt

Burk, Mahler, Weigel Streuobstprodukte GbR. Lukas Mahler, Geschäftsführender Gesellschafter, Mittlere Ortstraße 24, 76761 Rülzheim. Internet: www.purzelbaum-cider.de, Instagram: purzelbaum.cider.

Moritz Weigel bei der Jahrgangverkostung.
Moritz Weigel bei der Jahrgangverkostung.
Lukas Mahler verkostet einen selbst produzierten Tropfen.
Lukas Mahler verkostet einen selbst produzierten Tropfen.
Jannis Burk bei der Verkostung.
Jannis Burk bei der Verkostung.
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