Wörth
Papierfabrik Palm sichert mit neuer Turbine Stromversorgung im Kreis
So schnell können im Landkreis Germersheim die Lichter nicht mehr ausgehen. Wenn es dunkel und windstill ist und deshalb im Stromnetz Flaute herrscht, springt das neue Kraftwerk der Papierfabrik Palm ein. Es kann nahezu alle Haushalte versorgen. „Von den 86 Megawatt Gesamtkapazität sollte etwa die Hälfte ins Netz gehen“, so Wolfgang Palm bei einer Führung zur Vorstellung der Anlage.
Kernstück ist eine neu entwickelte Gasturbine von Siemens. Sie kann auch mit Wasserstoff betrieben werden. Die Chancen, dass das relativ (!) bald geschieht, stehen gut: Das Industriegebiet Wörth werde schon in der ersten Aufbauphase Teil des Kernnetzes der Wasserstoffversorgung, so Alexander Schweitzer (Minister für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung Rheinland-Pfalz, SPD). Für einen Termin wollte Schweitzer aber keine Prognose wagen.
Auch Stromabnahme kann Geld bringen
Die Papierfabrik speist aber nicht ständig Strom ins Netz ein. Falls an einem Sonntag die Sonne scheint und der Wind weht, kann schnell mehr Strom ins Netz drängen, als dem gut tut. Dann fährt Palm die Turbine runter und bekommt unter Umständen für die Entlastung des Netzes noch Geld. Der Mann am Steuerstand hat deshalb immer ein Auge auf die Entwicklung an der Strombörse in Leipzig.
„Es ist wunderbar, wenn es Unternehmen gibt, die Ökologie, Klimaschutz und wirtschaftlichen Erfolg verbinden“, sagt der Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD). Insgesamt ergebe sich eine „akzeptable Vergütung“, bewertet Palm die Situation. Schließlich tue das ständige Hoch- und Herunterfahren der Turbine nicht unbedingt gut. Die Folge seien kürzere Wartungsintervalle, was die Kosten erhöhe.
Kosten: In der Summe eine Viertelmilliarde
Die Baukosten sind immens: Nachdem Palm 2008 bereits 100 Millionen Euro in das neu errichtete Kraftwerk investiert hat, flossen jetzt in die Modernisierung weitere 150 Millionen Euro. Das macht in der Summe eine Viertelmilliarde.
Bei der Modernisierung wurde ein zweiter Reststoffkessel eingebaut sowie die Gas- und Dampfturbine komplett ausgetauscht. „Dadurch konnte die Verwertung der bei der Altpapieraufbereitung zwangsläufig anfallenden Biomasse und Reststoffe weiter erhöht werden“, so Palm. Der Erdgasbedarf im Wörther Werk habe sich in der Folge substanziell reduziert. Der Wirkungsgrad der Anlage liegt bei über 90 Prozent.
Neben den beiden Reststoff- beziehungsweise Biomassekesseln wurde auch in eine neue Gasturbine vom Typ SGT 800 von Siemens investiert, so Palm. Hierbei handelt es sich um die neueste und modernste Gasturbinengeneration aus dem Hause Siemens. Palm sei es gelungen, die 3 ersten Turbinen dieses vollkommen neu entwickelten Typs zu kaufen.
Technische Grenzen ausgelotet
Technische Grenzen haben auch die Ingenieure ausgelotet, die die Papiermaschine fahren. Das Ziel der betrieblichen Optimierungen war eine Jahresproduktion von 600.000 Tonnen gewesen, so Palm. Mittlerweile schafft sie sogar 700.000 Tonnen – „ohne dass wir nachinvestiert haben“. Der Bedarf ist allerdings rückläufig: 2023 wurden laut Palm 10 Prozent weniger Verpackungen verbraucht.
Fernwärme für die Stadt Wörth
Palms Gesamtbilanz ist aber positiv: „Wir sind rundum zufrieden, dass wir am Standort Wörth sind.“ Mit der Stadt werde das Unternehmen noch im Dezember Gespräche über die Abnahme von Fernwärme aufnehmen.
