KREIS GERMERSHEIM
Oster-Gottesdienste Zuhause statt in der Kirche
„Wir haben uns schon gedacht, dass es schwierig wird“, sagt Jan Meckler, Pfarrer der protestantischen Kirchengemeinde Rülzheim. Auch ohne die zwischenzeitlich verordnete Osterruhe stand der Beschluss, bei einer Verlängerung des Lockdowns auf Präsenzgottesdienste an Ostern zu verzichten. „Wir hätten ohnehin nur Veranstaltungen draußen geplant“, sagt Meckler. Aufgrund des erwarteten großen Andrangs verzichtet er auf die auf dem Friedhof und Sportplatz geplanten Gottesdienste am Karfreitag und Ostersonntag.
Stattdessen wird es eine Vielzahl anderer Möglichkeiten geben, die Ostertage zu begehen. In einer Sonder-Ausgabe des Gemeindeblatts der Kirche wird den Gläubigen ein Gottesdienst für zu Hause angeboten. Neben einer Andacht soll eine Kinderseite Angebote für die ganze Familie schaffen. Zudem veröffentlichen beide Rülzheimer Kirchen auch zu Ostern eine ökumenische Videobotschaft. Mit einem Glockengeläut und einer kurzen Ansprache will die protestantische Gemeinde an beiden Ostertagen Osterstimmung im Ort verbreiten. Wie an Weihnachten wird es zudem die Möglichkeit geben, einen Baum vor der Kirche selbst zu schmücken. „Diesmal haben wir eine Birke, das wird wieder gut angenommen und abends zusätzlich beleuchtet“, sagt Meckler.
Weinprobengottesdienst mit Genusspaket
Am Gründonnerstag wird eine weitere Tradition in den digitalen Raum transferiert. „Sonst haben sich an dem Tag immer etwa 15 Personen zur Andacht getroffen. Danach lag der Schwerpunkt auf dem gemeinsamen Essen“. Bei der Überlegung, wie dies auch dieses Jahr möglich sein könnte, ist Meckler auf den Winzer Martin Hochdörfer gestoßen und die Idee eines Weinprobengottesdienstes per Videokonferenz wurde geboren. „Dann überlegten wir, dass wir auch ein lokales Restaurant unterstützen könnten. So wurde das immer größer“. Zum Online-Gottesdienst wurde ein „hochwertiges Genusspaket“ geschnürt, das schon vielfach bestellt worden sei. „Wenn man besondere Dinge macht, werden die auch angenommen“, sagt Meckler, der sich freut, auf diesem Weg neue Menschen für die Gottesdienste zu gewinnen. „Das ist ein ganz anderes Klientel als sonst“.
In der protestantischen Gemeinde Kandel wird die ursprünglich geplante Hybrid-Veranstaltung an Ostern mit einer Kombination aus Präsenz- und Onlinegottesdienst hauptsächlich in den digitalen Raum verlegt. „Bei Zoom nehmen mehr Menschen teil als in die Kirche gehen“, freut sich Pfarrer Arne Dembek, denkt aber auch an die Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. „Alle sollen die Chance haben teilzunehmen“, sagt Dembeck. Nach vorheriger Anmeldung können die, die nicht über die technischen Mittel für den Online-Gottesdienst verfügen, auch in der Kirche teilnehmen. Zudem stehe der Kirchenraum über die Feiertage zur Andacht oder für ein stilles Gebet offen.
Obwohl die Wörther Friedenskirche genug Raum biete, sagt Pfarrer Walter Riegel die Präsenz-Gottesdienste ab. Auch auf den für Ostersonntag geplanten Open-Air-Gottesdienst will er verzichten, nachdem die Bundesregierungen Ansammlungen von Menschen untersagt hat. Statt auf ganze Gottesdienste setzt er an Ostern auf digitale Kurzformate im Internet. Mit anderen Kirchen ist er wöchentlich mit kurzen Andachten online. „Das Format führen wir bis zum Sommer weiter“, sagt Riegel.
Messen überwiegend online
Für die katholischen Kirchen empfiehlt das Bistum Speyer ab einem Inzidenzwert von über 100 auf Präsenz-Gottesdienste zu verzichten. Entsprechend skeptisch sind die katholischen Gemeinden mit Blick auf die Oster-Gottesdienste in den Kirchen. Pfarrer Fredi Bernatz aus Wörth plant ein „kontaktloses Programm“, das neben Online-Gottesdiensten am Palmsonntag, dem Karfreitag und an Ostern online weitere Angebote für Zuhause umfasst. „Wir packen Ostertüten für die ganze Familie, mit denen die Tage verbracht werden können“. Für Erwachsene gibt es in der Kirche Osterbriefe mit Hausgebeten, aber auch Osterkerzen und Palmzweige. In der Kirche in Maximiliansau stünden zudem Osterwasser und Ostereier zum Abholen bereit.
„Wir haben seit Weihnachten überhaupt keine Präsenzgottesdienste gehabt“, sagt Thomas Bauer von der Nardini-Pfarrei Germersheim. Für Ostern setzt Bauer auf Online-Andachten. Ob darüber hinaus auch Präsenzveranstaltungen stattfinden werden, entscheide der Pfarreirat am Montagabend. In Kandel, Minfeld, Schaidt und Steinweiler finden über die Osterfeiertage dagegen Präsenzgottesdienste mit vorheriger Anmeldung und in reduzierter Form statt. „Ich bin ein strikter Gegner davon, die Eucharistie, unser heiliges Mahl, online zu feiern. Das mache ich nicht“, sagt Pfarrer Stanislaus Mach. Für die Kinder wird es an Karfreitag und Ostersonntag zusätzliche Familiengottesdienste im Internet geben.