Kreis Germersheim „Ort muss Ärztezuzug steuern“

„Ich muss Herrn Werling entschieden widersprechen, wenn er in seinem Leserbrief schreibt, dass es in Bellheim ’keinen Bedarf an Medizinern gäbe’ und er meine Anregung ’lächerlich’ findet, wonach sich die Ortsgemeinde selbst aktiv um die Niederlassung von Ärzten kümmern sollte.“ Das schreibt Gemeinderatsmitglied Rainer Strunk (SPD) in einer Stellungnahme zu dem am 27. Februar erschienenen Leserbrief.
So hätten bereits jetzt zwei Allgemeinärzte ihre Praxis in Bellheim geschlossen und keine Nachfolger gefunden. Die anderen Ärzte und deren Mitarbeiter müssen laut Strunk den vermehrten Patienten-Ansturm zusätzlich bewältigen. Sofern sie überhaupt alle Neupatienten annehmen können, geht dies zwangsläufig auf Kosten längerer Wartezeiten, kürzerer Behandlungszeiten und damit eventuell geringerer Behandlungsqualität. Zudem könnten bereits jetzt drei bis vier Allgemeinarzt-Niederlassungen im nördlichen Landkreis Germersheim von der Kassenärztlichen Vereinigung mangels Bewerbern nicht besetzt werden. Ferner würden in Bellheim in den nächsten fünf Jahren weitere Allgemeinärzte ihre Praxen altersbedingt aufgeben und Nachfolgeregelungen seien unklar, so Strunk. „Auch ich habe bei der Beschäftigung mit dem Thema lernen müssen, dass die einzelnen Kommunen in einen Konkurrenzwettbewerb um Ärzte eintreten werden beziehungsweise schon längst drin sind.“ Kommunen müssten sich überlegen, wie sie für Ärzte als Niederlassungsort interessant sind und es auch bleiben. Dies wird laut Strunk auch über die Qualität und Lage von Gewerbeimmobilien oder den Preis für Gewerbeflächen gehen. „Eine Kommune ist deshalb gut beraten, selber aktiv zu werden und sich Steuerungsmöglichkeiten zu schaffen, wenn sie nicht will, dass ihre Bürger/Innen in Zukunft zu Ärzten in Nachbarorte pilgern müssen.“ Auch ihm als Sozialdemokraten blute beim Gedanken an mögliche Subventionen für gut verdienende Ärzte das Herz, schreibt Strunk. Aber wahrscheinlich werde es nicht anders gehen, „um in Zukunft diesen wichtigen Teil der Daseinsfürsorge für unsere Bürger/Innen zu sichern“.