Schwegenheim / Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Obstbauern fürchten strenge Frühjahrsfröste

Michael Zapf begutachtet die Blüten der Apfelbäume.
Michael Zapf begutachtet die Blüten der Apfelbäume.

Gerade legt sich der zarte rosa-weiße Blütenschleier über die Plantagen in der Obst-Gemüseregion der Pfalz. Doch Frühjahrsfröste reißen so gut wie jedes Jahr Löcher in den Blütenschleier. Anfang April war es wieder einmal soweit.

Bei zwei Betrieben im Kreis Germersheim sind die Schäden durch die Frühjahrsfröste gering geblieben. Bis jetzt, denn vor Ende Mai ist die Frostgefahr nicht vorbei, sind sich die Obstbauern einig.

Auf fünf Hektar baut Familie Hellmann in Schwegenheim Äpfel und Birnen an. Die Birnen blühten schon teilweise, die Äpfel brauchten noch etwas Zeit, sagt Obstbauer Holger Hellmann. Doch, nicht ungewöhnlich im Frühjahr, fuhr in der Nacht vom 2. Auf den 3. April der Frost in die Obstbäume. Zum Glück habe das keinen großen Schaden anrichten können. „Denn in der Nacht haben wir die Beregnung eingeschaltet.“ Der erfahrene Landwirt erklärt, wie sich das Wasser um die Pflanzen legt und sofort Eis bildet. Die zarten Blüten werden so schnell von einem Eispanzer umhüllt und der Frost kann ihnen nichts mehr anhaben.

Drei Apfelsorten im Anbau

An die Erdbeeren, die ebenfalls schon Blüten treiben, müssen die Obstbauern auch denken. Die Beete haben sie jetzt vorsorglich mit Folie abgedeckt, „das reicht aus“, schätzt Holger Hellmann. Je Hektar ernten die Hellmanns 20 000 Kilo Äpfel der Sorten Elstar, Gala oder Jona Gold. Im Hofladen der Familie mitten in Schwegenheim gibt es das Obst frisch zu kaufen. Ebenso wie Himbeeren, Zwetschgen, Spargel oder Kürbisse, die ebenfalls angebaut werden und das saisonale Angebot abrunden.

Die Frage, ob beim Obst- und Gemüseanbau ähnlich wie in der Forstwirtschaft auch über den Anbau von südlichen Früchten und Gemüsen experimentiert wird, weil das Klima immer wärmer wird, beschäftigt auch die Obstbauern. Aber konkret in seinem Betrieb in Schwegenheim habe er dafür bisher nichts unternommen, so Holger Hellmann. „Bis in den Mai hinein müssen wir uns sowieso noch auf Fröste einstellen“ weiß der Landwirt. Dabei hofft er, dass es in diesem Jahr nicht noch einmal so dicke kommt, wie 2017. „Da hatten wir einen Totalausfall.“

Etwa fünf Prozent Schäden

Auch auf den Plantagen des Obsthofes Zapf in Kandel habe der erste Frühjahrsfrost nicht viel angerichtet. Betriebsleiter Michael Zapf schätzt die Schäden auf fünf Prozent bei Äpfeln und etwa 20 Prozent bei den Kirschen und Zwetschgen. Schlimmer sei es vor fünf Jahren gewesen. Mitte April 2017 kam der Frost, als die Bäume in der Vollblüte standen. Auf Nachfrage habe es übrigens nichts mit den Frösten zu tun, dass die Gäste neben der Terrasse des Restaurants die Apfelblüte nicht mehr so ganz nah sehen könnten. Nager waren schuld, dass diese Felder vor drei Jahren gerodet worden seien, erinnert Zapf.

Auf 15 Hektar baut der Betrieb vor allem Äpfel und Birnen der gängigen Sorten an, auf 10 Hektar wächst Steinobst. Aber auch der säuerliche Boskop gedeiht auf den Zapf-Plantagen. Im Hofladen werden 60 Prozent der Obsternte angeboten, 40 Prozent gehen an den Großhandel, so Michael Zapf. Äpfel und Birnen werden im Hofladen übrigens in großen Kisten ausgestellt. Die Kunden können sich einfach aussuchen, welche und wie viel Früchte sie kaufen wollen. Verpackung wird ebenfalls gespart, wenn jeder sein Netz mitbringt.

Eispanzer helfen Blüten

Durchschnittlich einmal im Jahr gebe es Probleme wegen Frühjahrsfrost, schränkt der Landwirt ein. Durch Eispanzer habe man sich in diesem April erst mal nicht helfen müssen. Aber „uns hier macht die Sommerhitze viel mehr zu schaffen.“ Gegen die pralle Sonne auf den Feldern setze der Betrieb Hagelschutznetze ein. Diese gebe es in verschiedenen Farben, deshalb würden weiße Netze gespannt, die die Sonne am besten absorbieren.

Mit südlichen Obstsorten, konkret mit Aprikosen, habe der Obsthof Zapf wie andere Kollegen in der Region schon einmal experimentiert. „Ohne schnellen Erfolg“, blickt Betriebsleiter Michael Zapf zurück. Denn für das Experiment mit den Aprikosen seien wiederum die Frühjahrsfröste ausschlaggebend gewesen. In den letzten drei bis vier Jahren seien diese für die Steppenpflanze aus trockenen Regionen Asiens zu stark gewesen.

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